Heintzes aus Pößneck waren 20 000 Kilometer mit dem Wohnmobil unterwegs

Neustadt  Rita und Wolfgang Heintz aus Pößneck genossen eine große Europareise durch 28 Länder mit dem Wohnmobil

Mike Hempel begrüßte die leidenschaftlichen Pößnecker Wohnmobilisten Rita und Wolfgang Heintz (v.l.) nach ihrer großen Europatour über 140 Tage auf dem Wohnmobilplatz an der Heinrichsruhe in Neustadt.

Mike Hempel begrüßte die leidenschaftlichen Pößnecker Wohnmobilisten Rita und Wolfgang Heintz (v.l.) nach ihrer großen Europatour über 140 Tage auf dem Wohnmobilplatz an der Heinrichsruhe in Neustadt.

Foto: Brit Wollschläger

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„Wir waren in 140 Tagen in 28 Ländern“, sagt Wolfgang Heintz und kann sich des überraschten Blickes des Gegenüber sicher sein. „20 000 Kilometer mit dem Wohnmobil“, ergänzt Ehefrau Rita fröhlich und präsentiert die Karte, auf der sie die Route eingezeichnet hat.

Von Deutschland aus ging es in großem Bogen westwärts, die Küste ein Stück runter, dann quer rüber bis an den östlichsten Rand Europas und in nördlichem Bogen wieder zurück.

Am 23. April sind die Pößnecker Rentner gestartet. Am 5. September sind sie wieder zu Hause angekommen. Eigentlich nicht direkt zuhause. „Wir fahren immer zuerst nach Neustadt zur Heinrichsruhe und erzählen dem Mike, wie die Reise war“, erklärt Wolfgang Heintz. Der Mike, das ist Mike Hempel, der Wirt der Gaststätte „Heinrichsruhe“ in Neustadt, die sich seit gut zehn Jahren zu einem sehr beliebten Anlaufpunkt für Wohnmobilisten entwickelt hat.

So eine große Tour wollten sie einfach mal machen, erzählt Wolfgang Heintz. Seit 1998 haben die beiden schon jedes schöne Fleckchen im Freistaat auf ihren Thüringen-Touren, aber auch schon viele Länder in Europa und darüber hinaus per Wohnmobil erkundet. „Zum Abschied haben wir oft gesagt: Bis zum nächsten Jahr“ und meist war es auch so, erzählt Rita. Ob Österreich oder Kroatien, Frankreich oder Rumänien – Heintzes waren schon da.

Nun begannen sie ihre jüngste Europatour am Ursprung der Mosel in Frankreich und beendeten sie an der Saale-Quelle im Fichtelgebirge. „Wir haben nur Gutes erlebt, nur freundliche Menschen kennengelernt, haben ­ nirgendwo Probleme gehabt“, resümiert Wolfgang Heinz. Das Thüringer Wohnmobil habe wunderschöne Stellplätze gehabt, fast nie auf Campingplätzen, meistens frei stehend in der Natur. „Dass wir irgendwo nicht stehen durften, wo wir wollten, haben wir nicht erlebt“, berichtet Wohnmobilist Wolfgang. Und so schwärmen die Pößnecker von schönen Orten an Flussufern und idyllischen Bergseen, aber auch an gewaltigen Burgen und Klöstern. „Wo es uns gefällt, da bleiben wir länger“, erzählt Rita. „Wir hatten ja keine Eile“. Einen ganz konkreten Plan, wann sie wo sein wollen, hatten die beiden Rentner nicht. Ein paar wichtige Ziele hatten sie sich vorgenommen, aber tatsächlich legten sie erst auf der Strecke die jeweils nächsten Abschnitte fest. Bis auf eine kurze Ausnahme in Frankreich fuhren sie nicht auf einer Autobahn. „19 Euro für 54 Kilometer“, verweist Wolfgang sofort auf die Maut-Gebühren. Aber der Hauptgrund, warum die beiden die Autobahnen meiden ist, dass sie Land und Leute erleben wollen. „Wir fahren auf kleinen Nebenstraßen. Wir nehmen sozusagen alles mit, was uns interessiert“, so Heintz. Die beiden sympathischen Zeitgenossen finden offenbar auch immer schnell Kontakt. „Erstmal freundlich grüßen“, erklärt Heintz seine Strategie. Meistens könne auch jemand etwas Deutsch oder vor allem die jüngeren Leute ein bisschen Englisch, stellte er fest. Immer hätten sie sich willkommen gefühlt. „Und man muss bedenken: im Ausland sind wir die Ausländer“, erklärt der Pößnecker mit bedeutsamem Blick. „Man darf auch einfach keine Angst haben“, fasst Ehefrau Rita zusammen.

Besonders interessiere die Reise-Rentner die jeweils einheimische Küche sowie die Früchte der Region. „Wenn man früh aufsteht und jemand hat vier frische Gurken vor die Tür gelegt, das ist toll“, erzählt Heintz. Und Rita schwärmt von kross gebratenem Fisch und ganz frischen Walderdbeeren und all dem sonnengereiften Obst und Gemüse, das sie auf den Märkten kauften.

Wie teuer so eine lange Reise eigentlich ist? „Ja, manche haben zu uns gesagt, ihr müsst ein Geld haben, so eine Reise zu machen“, bestätigt Wolfgang Heintz die gängige Vermutung. „Aber wir waren uns sicher, wenn wir wiederkommen, haben wir noch Geld gespart. Und so war es“, erklärt der Pößnecker. Sie hätten in diesen 140 Tagen wohl günstiger gelebt als zu Hause, sind sie sich sicher. Lebensmittel hatten sie zu einem gewissen Teil in Konserven mitgenommen. Übrigens auch die heimische Bratwurst in Büchsen. Zu jeder Tour nehmen sie diese gebrühten Thüringer Spezialitäten mit, die sie extra bei einem Fleischer in Kirchhasel kaufen. Unterwegs werde dann über eine Feuerschale ein Rost gelegt und „gebraten“. Was man an Lebensmitteln frisch dazu kaufte, war meist sehr preiswert. Und die Preise für Speisen, Getränke, auch Kaffee in Gaststätten, besonders in Osteuropa seien unfassbar günstig gewesen – ein Drei-Gänge-Menü für fünf Euro zum Beispiel. Auch beim Sprit hätten sie gespart. „In Albanien war er mit 0,69 Euro pro Liter am günstigsten“, so Heintz. Bis zu 1000 Kilometer weit habe eine Tankfüllung bei sparsamer Fahrweise gereicht. Ihr Trinkwasser und Wasser zum Duschen im Wohnmobil füllten sie oft an Quellen in der Natur auf.

Total begeistert berichten die beiden Wohnmobilisten unter anderem von landschaftlichen Reizen, tollen Sonnenuntergängen und dem fast durchgängig schönen Wetter auf der Tour – ob in den schneebedeckten Bergen in den Schweizer Alpen oder bei 37 Grad, sogar in der Nacht, in Griechenland und Albanien. Sehr beeindruckt waren sie auch von unbeschreiblich schöner Volkskunst in den Dörfern, besonders in Osteuropa. In Rumänien gefiel ihnen der „fröhliche Friedhof“ in Sapân¿a im Norden des Landes. Ein Künstler hat hier auf verzierten Holzstelen die Eigenheiten der Verstorbenen porträtiert.

Mike, diese Bänke in alten Wagenrädern haben wir extra für Dich fotografiert“, erklärt Wolfgang Heintz eines der Fotos. Überhaupt will der Pößnecker, der vor zwei Monaten auf dieser Reise seinen 70. Geburtstag beging, nun in Ruhe die weit über 1000 Fotos sichten und die wichtigsten Erlebnisse in einem kleinen Vortrag zusammen fassen. Zum Besten will er diesen am 27. Oktober zum diesjährigen Saisonabschluss der Wohnmobilisten auf der Heinrichsruhe geben.

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