In Jenas ältester Gasse soll empfindliche Baulücke geschlossen werden

Nach 70 Jahren Bewegung in der Jenergasse: In der ältesten Gasse Jenas soll in diesem Jahr endlich eine empfindliche Baulücke geschlossen werden.

Mit Visionen in den Kellergewölben Jenergasse 2 bis 5: Kathrin König mit (von links) Mitarbeiter Rainer Hauschild, Hans-Jürgen Sens und Dietmar Gummel. Foto: Frank Döbert

Mit Visionen in den Kellergewölben Jenergasse 2 bis 5: Kathrin König mit (von links) Mitarbeiter Rainer Hauschild, Hans-Jürgen Sens und Dietmar Gummel. Foto: Frank Döbert

Foto: zgt

Jena. Die Bombenangriffe auf ­ Jena vom Frühjahr 1945 haben auch 70 Jahre danach nicht nur auf dem Eichplatz ihre Spuren hinterlassen. In der Jenergasse zerfiel damals die so genannte Schrammei, ehemals Wohn­stätte von Friedrich Schiller, in Schutt und Asche, gegenüber das Café Sieber und links der ­ansteigenden Gasse die durch "Erdmanns Weinstuben" älteren Jenaern bekannten Wohnhäuser Jenergasse 2 bis 5. Seit vielen Jahren wird das Grundstück lediglich als Parkplatz genutzt. Ein Versuch die Brache wieder zu bebauen scheiterte vor zwölf Jahren am Denkmalschutz. Denn unter der Erde befinden sich schützenswerte Kelleranlagen, deren älteste Teile wohl in die Frühzeit der Stadt zu datieren sind. Ihr Schutzstatus ist unverändert, doch Kathrin König, Chefin der Jenaer Immobilien König GmbH, will beweisen, dass bei Erhalt der Gewölbekeller eine Wohnbebauung realisiert werden kann. "Wir setzen nach jahrzehntelangem Stillstand auf eine vertrauensvolle Unterstützung der Stadtverwaltung", sagt sie.

Schäden durch Kreigseinwirkungen

So sei man zuversichtlich, recht bald die Baugenehmigung zu erhalten und nach einem Jahr Bauzeit einen Höhen- und Fassadengestaffelten Neubau mit 18 Wohnungen inklusive einiger Tiefgaragen-Stellplätze fertigstellen zu können. Dass ihr das Bauvorhaben trotz der schwierigen Rahmenbedingungen zuzutrauen ist, hat die Firma nicht zuletzt durch die nicht minder schwierige Revitalisierung des ebenfalls denkmalgeschützten ehemaligen Kinos Capitol gezeigt. Ihr zur Seite stehen das Architekturbüro Sens.Bramey Jena SBJ GmbH zur Erstellung der Denkmalpflegerischen Zielstellung sowie des Sanierungskonzeptes und als bauausführende und -leitende Firma die Jenbau GmbH mit Geschäftsführerin Gudrun Kästner. Die Partner sorgten bereits dafür, dass über einen bislang verschütteten Kellerzugang die drei Tonnengewölbe-Keller sowie Verbindungsgänge und Treppen freigeräumt, provisorisch gesichert und seit Dezember für Bausachverständige zugänglich wurden. Die vorgefundenen Schadensbilder im Sand- und Kalksteinmauerwerk resultieren aus den Kriegseinwirkungen. Bei der Vorortbegehung waren Brandschäden, Risse und Verformungen im Gewölbeverband, Durchfeuchtungen und Einwuchs von Baumwurzeln erkennbar wie auch Luftschutzeinbauten aus der Kriegszeit. Auf Brandeinwirkung deuten Fundstücke wie geschmolzene Gläser hin. Im Schutt fanden sich zudem zahlreiche verrostete Gartenstühle des Gasthauses.

Noch sind nicht alle Teile der Anlage freigelegt, doch ist bereits jetzt klar, dass der Neubau völlig separat gegründet werden muss und sich nicht auf die Kellerstrukturen stützen darf. "Die Keller müssen völlig lastfrei sein, wir bauen deshalb um sie herum eine Art Tisch aus Beton", erklärte Dietmar Gummel von SBJ. Die­ Architekten blicken indes schon in die fernere Zukunft der Jenergasse mit ansprechender Platzgestaltung, einem Brunnen und vielleicht einer (von einem anderen Bauträger) neuerbauten "Schrammei": ein wiedergewonnenes Stück Jena.

Zu den Kommentaren