Internet-Kollekte fürs Dorfjubiläum von Drognitz

Drognitz  Der Feuerwehrverein wurde gegründet, um 900 Jahre Drognitz feiern zu können. Nun startet das Geldsammeln per Crowdfunding.

Mitglieder des Drognitzer Feuerwehrvereins diskutieren über die Bildauswahl für den nächsten Dorfkalender und für die Internet-Präsentation des für 2020 geplanten 900-Jahr-Festes, das auch per Crowdfunding finanziert werden soll. Dem erst im vorigen Oktober gegründeten Verein gehören bereits 24 Einwohner an.

Mitglieder des Drognitzer Feuerwehrvereins diskutieren über die Bildauswahl für den nächsten Dorfkalender und für die Internet-Präsentation des für 2020 geplanten 900-Jahr-Festes, das auch per Crowdfunding finanziert werden soll. Dem erst im vorigen Oktober gegründeten Verein gehören bereits 24 Einwohner an.

Foto: Jens Voigt

Auf das entscheidende Datum ist Claudia Seifert gestoßen, als sie für eine neue Ortschronik in alten Büchern und Archiven recherchierte: Die Schenkungsurkunde der Grafen von Orlamünde, die erstmals „Droganica“ erwähnt, datiert vom 16. April 1120. Mithin kann Drognitz im nächsten Jahr sein – mindestens – 900jähriges Bestehen feiern. Nur leider gibt die Kasse der Gemeinde, die seit 2015 in der Haushaltsicherung steckt, für derlei Zwecke nichts her.

Davon aber wollen sich Claudia Seifert, Carolin und Mark Hofmann, Jörg Thieme und etliche Mitstreiter mehr nicht abschrecken lassen. Bereits im vorigen Oktober haben sie den Feuerwehr-Verein gegründet, der erstaunlich viele Frauen versammelt. Was aber nicht weiter wundert, denn als eigentlichen Vereinszweck formuliert Seifert, „dass mal wieder was los im Dorf“. Die zwei anderen Vereine, Imker und Angler, würden sich überwiegend aus Auswärtigen rekrutieren; deshalb also die Neugründung nach dem Motto „Drognitzer für Drognitz“, 24 Mitglieder sind sie bereits und auch Bürgermeister Henry Drogatz räumt ein, dass sie schon erstaunlich viel bewegt haben.

Das Kürbisfest im Spätherbst zum Beispiel, bei dem Kinder um das lustigste oder grusligste geschnitzte Frucht-Gesicht wetteiferten. „Tolle Sache, das werden wir auf jeden Fall wiederholen“, betont Mark Hofmann. Gleiches gelte für den ebenfalls neu aufgelegten Weihnachtsmarkt. Und für den Dorfkalender, in dem der OTZ-Reporter jetzt blättern darf, derweil immer mehr Vereinsmitglieder in die Gaststube vom „Wolf“ treten, dessen Wirt Andre Hofmann selbstredend auch mitwirkt. Für den Kalender 2019, schweres Hochglanzpapier im A-3-Format, haben sie historische Fotos aus etlichen Familienalben gekramt, man sieht vor allem Bauern beim agrarischen Tun in Feld und Flur, aber auch Straßen- und Leitungsbau wird gezeigt. 130 Exemplare hat man drucken und spiralisieren lassen, gemäß den Vorbestellungen, zu 14,50 Euro pro Stück. „Etliche haben auch mehr gegeben, ist ja für einen guten Zweck“, merkt Marcel Hofmann an. Für das Festjahr ist schon der nächste Kalender in Vorbereitung, dann sollen mehr Bilder vom Dorf selbst sowie Wanderrouten dominieren, verrät Claudia Seifert: „Damit zum Jubiläum auch mehr Besucher zu uns finden.“

Dreitägiges Straßenfest im Juni 2020 ist geplant

Die Erlöse aus dem Kalenderverkauf sowie von Kürbisfest und Weihnachtsmarkt haben die Vereinskasse zwar schon ein Stück gefüllt. Aber für das große Ziel, nämlich die 900 Jahre Drognitz mit einem dreitägigen Straßenfest im Juni nächsten Jahres zu begehen, braucht es noch einige Euros und Anstrengungen mehr. Carolin Hofmann, die Jubiläums-Projektchefin, ist beim Forschen nach möglichen Geldquellen auf einen OTZ-Beitrag über die Tanzgarde des Bad Blankenburger Carneval Clubs gestoßen, die sich das Geld für dringend benötigte neue Kostüme per Crowdfunding mit Unterstützung der Raiffeisen-Volksbank Saale-Orla beschafft hatte. Hofmann ließ sich die Sache von Bankmitarbeiter Jens Schmalwasser erläutern und befand: Das könnte klappen. Denn das System ist eigentlich ganz einfach: Auf der Crowdfunding-Plattform „Viele können mehr“ wird das Drognitzer Jubiläums-Projekt vorgestellt; wer es gut findet, kann online seine Stimme abgeben. Finden sich innerhalb von zwei Wochen genug Unterstützer, wird das Projekt zur Spenden-Unterstützung freigeschaltet. Kommen dann binnen 90 Tagen die 500 Euro an Zielvorgabe zusammen, die sich der Feuerwehrverein selbst gesetzt hat, geht alles eingesammelte Geld an die Drognitzer. Wird das Limit nicht erreicht, gibt die Bank allen Spendern ihr Geld zurück. Vorteil für den Verein: Er muss sich bei einem eventuellen Scheitern nicht selbst um die Rückerstattung an die Geldgeber bemühen, die wiederum einigermaßen sicher sein können, dass ihre Hilfe nur zum Einsatz kommt, wenn das benannte Vorhaben tatsächlich realisiert wird.

Schwarmfinanzierung überwiegend erfolgreich

Dass Crowdfunding, also die Schwarmfinanzierung aus vielen kleinen Quellen, auch für solche sehr lokalen Projekte im ländlichen Raum funktionieren kann, zeigen die bisherigen Erfolge. So gaben erst kürzlich 34 Unterstützer über 2000 Euro für die Restaurierung einer Schreinwächterfigur in der Kirche von Neustadt/Orla, wurden über 5500 Euro gesammelt, damit die Saalfelder Footballer ein Musikvideo produzieren konnten, trugen 69 Unterstützer rund 2500 Euro zusammen, damit der Verein Saalfeld – Samaipata Schränke für ein Straßenkinder-Heim in Bolivien anschaffen konnte. Insgesamt flossen seit Start der Plattform über 96.000 Euro in 28 regionale Projekte. Und nur in drei Fällen fanden sich nicht genügend Unterstützer und Geldgeber.

Es dürfte sich also lohnen, an den Plänen fürs Drognitzer Jubiläumsfest zu basteln. Die sehen im Groben Tanz und gemütliches Beisammensein am Freitag- und Samstagabend vor sowie am Sonntag viel ländliche Kultur nebst Vorführungen und Mitmach-Angebote von historischem Handwerk. „So ähnlich wie der Saalfelder Zunftmarkt – nur noch schöner“, gibt einer der Vereins-Männer aus dem Hintergrund vor.

Auch erste Zuständigkeiten sind schon verteilt: Claudia Seifert wird für Chronik-Fortsetzung und Festschrift weiter in Archiven graben, Hans-Peter Pfeifer hält den Draht zu den Kamsdorfer Schalmeien und zur Traditionsfeuerwehr von Schweinbach, und „die Jugend“, nämlich Vanessa Schirmer soll nach Vorgabe „gut & günstig“ einen DJ gen Drognitz locken. Indes: Sollte der finanzielle Regen via Crowdfunding doch etwas kräftiger ausfallen, würden die Drognitzer wohl am ehesten bei der Musik noch etwas drauflegen – fast den ganzen Rest machen sie ja sowieso selbst.

Crowdfunding-Aktion im Internet unter:

https://gemeinsam-stark.viele-schaffen-mehr.de/900-jahrfeier