Jedes Wochenende einen Nähmarathon in den Fingern

Arnsgrün.  Serie Selbst gemacht: Mandy Bräutigam aus Arnsgrün hat vor drei Jahren ihre Leidenschaft fürs Nähen entdeckt.

Mandy Bräutigam aus Arnsgrün näht leidenschaftlich gern und macht auch Upcycling – aus dem alten Pullover wurde ein neuer.

Mandy Bräutigam aus Arnsgrün näht leidenschaftlich gern und macht auch Upcycling – aus dem alten Pullover wurde ein neuer.

Foto: Bräutigam

Mit der Geburt ihrer Nichte vor drei Jahren fing alles an. „Ich wollte ihr etwas Besonderes schenken“, erzählt Mandy Bräutigam. Also setzte sich die Arnsgrünerin an ihre Nähmaschine und ließ die Nadel tanzen.

Ein Mützchen und ein kleiner Loopschal für das Baby waren ihre ersten genähten Werke. Da ihre Schwester das mädchentypische Rosa nicht mag, nahm Bräutigam grauen Stoff für die ersten Geschenke, die sie ihrer Nichte machen würde. Und da die Familie tierlieb ist und ein Hund im Haushalt der Schwester lebt, zierten schwarze Hundepfötchen den Stoff.

Eigentlich sollte es bei Schal und Mütze bleiben. Doch mit dem ersten gelungenen Versuch war die Leidenschaft entfacht. „Als meine Schwester mich bat, Hosen oder Spucktücher zu nähen, hab’ ich nicht Nein gesagt. Seitdem ist es immer mehr geworden und jetzt bin ich da, wo ich sein will“, sagt Bräutigam.

Inzwischen will ihre dreijährige Nichte sogar schon ein Wörtchen mitreden, denn nicht jeder Stoff gefällt dem Mädchen.

Nähen begeistert Mandy Bräutigam so sehr, dass sie im Herbst vorigen Jahres dem Kreiskrankenhaus Greiz ein großes Geschenk gemacht hat. 44 Mützchen, 15 Spucktücher und 18 Hosen, die unter den geschickten Händen der 23-Jährigen entstanden sind, schenkte sie der Kinderklinik. Einfach so.

„Ich hatte Stoffreste geschenkt bekommen und da hab ich einfach mal gefragt, ob die Klinik Babysachen braucht“, erinnert sich die Arnsgrünerin. Bräutigam wollte einfach etwas zurückgeben. Sie, ihre beiden Schwestern und eben ihre Nichte wurden in Greiz geboren und seien im Krankenhaus gut versorgt worden. Diese Aktion soll keine Eintagsfliege bleiben. „Ich bin schon wieder fleißig am Nähen“, verrät die junge Frau.

Das Faible für Handarbeiten und auch das Geschick wurden Mandy Bräutigam in die Wiege gelegt. „Durch meine Mutti habe ich immer mal versucht, zu stricken oder zu häkeln“, erzählt die 23-Jährige, um dann lachend fortzufahren: „Aber das war nichts für mich.“ Dafür blüht sie beim Nähen richtig auf. Und sie beschreibt, wie ein typisches Wochenende bei ihr aussieht: „Früh geht es mit dem Nähen los bis Mittag. Dann wird schnell gekocht und gegessen und dann weiter genäht.“ Da die Bürokauffrau während der Woche nicht dazu kommt, ihrem Hobby zu frönen, wird halt das Wochenende voll ausgenutzt.

Hauptsächlich näht Mandy Bräutigam für sich selbst und für ihre Nichte, versorgt aber auch andere Familienmitglieder auf Wunsch mit neuer Kleidung. Hosen, T-Shirts, Kleider, Jacken und Oberteile – sie wagt sich an jedes Kleidungsstück. Bis jetzt sei auch alles gelungen, was sie sich vorgenommen hat. Jersey ist ihr bevorzugter Stoff. „Er ist dehnbar, für Kinder optimal. Er wächst sogar bis zu einer gewissen Größe mit“, weiß sie.

Die 23-Jährige freut sich, dass viele Frauen ihre Leidenschaft fürs Nähen teilen. So kann sie sich mit Freundinnen über das Hobby austauschen, im sozialen Netzwerk Facebook gibt es zudem Nähgruppen, in denen sie Mitglied ist. „Es ist ein Trend. Viele junge Frauen, vor allem werdende Mamas, machen jetzt ihre Kleidung selbst. Ich kenne ein paar, die erst angefangen haben und schon jetzt voll begeistert bei der Sache sind“, freut sich die Arnsgrünerin.

Mandy Bräutigam näht zwar nicht gewerblich, dennoch hat sie sich ein eigenes Label gegeben. Auf den Sachen, die unter ihren geschickten Händen entstanden sind, ist Fadenwirbel zu lesen.