Jugendverein erinnert an die Toten von Sülzhayn

Der Eingang zur KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora in Nordhausen.

Der Eingang zur KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora in Nordhausen.

Foto: Marco Kneise

Sülzhayn.  „Befreit. Gestorben. Vergessen“, ist ein Projekt des Vereins „Jugend für Dora“. Es erinnert vor Ort und digital an das Schicksal der an den Folgen der KZ-Haft gestorbenen Menschen in Sülzhayn.

Anlässlich des 76. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora möchte der Verein „Jugend von Dora“ mit einem Gedenkprojekt an einen eher vergessenen Teil der Geschichte erinnern: Als am 11. April 1945 amerikanische Truppen in Nordhausen eintrafen, fanden sie im Hauptlager Dora und in den Lagern der Boelcke-Kaserne Hunderte Tote und Sterbende vor. Die Überlebenden, die an Tuberkulose erkrankt waren, brachten sie zur medizinischen Weiterversorgung nach Sülzhayn.

In den Sanatorien „Dr. Stein“, „Haus Sonnenfels“ und in der „Knappschaftsheilstätte“ wurden diese stark geschwächten Menschen behandelt. Dennoch starben viele von ihnen wenige Tage, Wochen oder Monate nach ihrer Befreiung. Knapp 60 der KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter, die trotz Behandlung in den Sanatorien nicht wieder zu Kräften kamen, wurden auf dem Sülzhayner Dorffriedhof bestattet. An sie erinnert seit 1947 ein großer Gedenkstein, der allerdings durch einen Zaun vom Friedhofsareal ausgeschlossen und dem Verfall preisgegeben wurde.

Da der Friedhof und das Denkmal zunehmend in Vergessenheit geraten sind und kaum gepflegt werden, haben die Vereinsmitglieder das Gedenkprojekt „Befreit. Gestorben. Vergessen“ initiiert, berichtet Marvin Keitel von der Gedenkstätten-Stiftung. Um den dort bestatteten KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern wieder ein Gesicht zu geben, stellen sie vor Ort, aber auch auf Social-Media-Plattformen ihre Lebens- und Leidensgeschichten vor.

Ab dem 10. April werden in Sülzhayn, Ellrich und den umliegenden Ortschaften an mehreren Stellen Aufkleber mit den Kurzbiografien der Verstorbenen und weitere Informationen zu dem Projekt und den historischen Hintergründen zu finden sein. Auf der Homepage www.jugend-fuer-dora.de wird die Arbeit des Vereins vorgestellt.