Kooperation zwischen Greizer Bibliothek und JVA Hohenleuben trägt erneut Früchte

Greiz/Hohenleuben  Die Zusammenarbeit hat nun ein Buch hervorgebracht

Bei Workshops unter anderem mit dem Poetry-Slamer Dalibor (stehend) entstanden die Texte.

Bei Workshops unter anderem mit dem Poetry-Slamer Dalibor (stehend) entstanden die Texte.

Foto: Corina Gutmann

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Die Zusammenarbeit der Greizer Stadt- und Kreisbibliothek mit der Justizvollzugsanstalt Hohenleuben (JVA), die schon seit sieben Jahren praktiziert wird und für welche die Bibliothek auch schon mit dem Deutschen Lesepreis ausgezeichnet wurde, hat erneut Früchte getragen: Das Buch „Kopfkino – Geschichten aus dem Knast“, das seit gestern bestellt werden kann und dann nächste Woche in Druck gehen soll, zunächst in einer kleinen Auflage von 200 Stück.

Schon seit vielen Jahren die Idee

Die Idee für das Buch habe sie schon viele Jahre mit sich herumgetragen, erzählt die umtriebige Bibliotheksleiterin Corina Gutmann. Entstanden war sie nach dem ersten Poetry Workshop in der JVA, bei dem beachtenswerte Texte zustande gekommen seien. Schon damals habe sie gedacht, dass man diese alle einmal sammeln müsste. Jedoch habe es unter anderem das CD-Rap-Projekt im Jahr 2017 gebraucht, bis man die Aktion für möglich hielt und auch bei den Gefangenen die Scheu abgebaut war, die eigenen Texte gedruckt in einem Buch zu sehen. Aber auch Anke Hartmann, die als Freizeitbeamte in der JVA arbeitet und damit das Projekt mit vor Ort betreute, habe als „Super-Ansprechpartnerin“ dazu beigetragen, sagt Gutmann. Und nicht zuletzt sei es dem Verleger Tristan Rosenkranz zu verdanken, dass das Werk innerhalb seiner „Edition Outbird“ erscheinen kann, denn er habe immer wieder und beharrlich danach gefragt.

Die acht Workshops, in denen die Grundzüge des Buches entstanden, geschrieben wurde zumeist dazwischen, manchmal auch in der Nacht, seien am Anfang von rund 20 Teilnehmern, regelmäßig aber von elf bis zwölf besucht worden, wie Hartmann erzählt. Die Gefangenen seien bei allen Entscheidungen eingebunden gewesen, sogar das Coverbild gestaltete einer von ihnen. Versammelt sind in dem Buch, für das Corina Gutmann als Herausgeberin fungiert, nun circa 50 Texte der unterschiedlichsten Genre. Weil man die Persönlichkeitsrechte schützen will, seien sie zwar alle unter einem selbstgewählten Pseudonym verfasst, repräsentierten aber die unterschiedlichsten Genre. Gedichte sind genauso darunter wie kurze und lange Geschichten. Einige der Texte sind biografisch, andere fiktiv. Manche, aber bei weitem nicht alle und auch nicht die meisten, beschäftigen sich mit dem Gefängnisalltag. Ein Häftling zum Beispiel berichtet von der ersten Nacht in der U-Haft. Andere schreiben beispielsweise ein Gedicht an das eigene Kind, eine Geschichte über den Weihnachtsmann, erzählen von schlimmen Erfahrungen aus der Kindheit oder humorvoll über die Suche nach der perfekten Frau. „Die Gefangenen öffnen sich auch emotional, zum Teil sehr“, sagt Rosenkranz über das Buch, an dem circa ein halbes Jahr gearbeitet wurde. Sollte durch den Verkauf des Buches Gewinn entstehen, so kündigt Gutmann an, dass das Geld in die neuen Schreibprojekte in der JVA gesteckt werden soll, um die erfolgreiche Tradition weiterzuführen und sich weiterhin für die Resozialisierung der Strafgefangenen einzusetzen.

Vorstellung und Erwerb des Buches

Das Buch „Kopfkino – Geschichten aus dem Knast“ kann seit gestern unter dem Link www.shop.­outbird.net/produkt/­corina-gutmann-kopfkino/bestellt werden. Dort kostet es 11,90 Euro. Später soll es auch über Amazon oder zum Beispiel in der Bibliothek und in der Buchhandlung Bücherwurm in Greiz angeboten werden. In Druck geht es voraussichtlich nächste Woche.

Vorgestellt wird das besondere Buch gleich mehrfach, zum ersten Mal in der Greizer Stadt- und Kreisbibliothek und zwar am Dienstag, dem 12. März, ab 19 Uhr. Als zweiter Termin steht dann schon die „große Bühne“ an, denn am 23. März um 13.30 Uhr wird „Kopfkino“ durch die Herausgeberin und Bibliotheksleiterin Corina Gutmann auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt.

Auch ein Termin in der Justizvollzugsanstalt in Hohenleuben oder in Zusammenarbeit mit dem Verein Lesezeichen auf der Burg Ranis ist vorgesehen. Feste Termine gibt es für diese beiden Veranstaltungen aber noch nicht. ­

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