Kulinarisch-Historische Reise: Heute das Restaurant „Reichspost“ in Münchenbernsdorf

Münchenbernsdorf  Serie Kulinariasch-historische Reise: Liebe geht durch den Magen. Legt man diese Weisheit zu Grunde, so sind die vielen „Liebesbeweise“ ihrer Gäste große Komplimente für Karin Müllers Küche.

Karin Müller führt das Gasthaus seit 1992.

Karin Müller führt das Gasthaus seit 1992.

Foto: Peter Michaelis

Seien es die vielen Geschenke, wie Bilder und ganze Fotocollagen, die den Gastraum der Münchenbernsdorfer „Reichspost“ schmücken, sei es die Ausstellungsvitrine im Eingangsbereich, die der Heimatverein gestaltete, oder sei es ganz einfach die Treue der Stammkundschaft, die der Wirtin einen mit Reservierungen gut gefüllten Kalender bescheren.

Ein Gast hatte sich sogar so in Karin Müllers hausgemachte Sülze verliebt, dass er das Gasthaus im Jahr 2000 zum Sülzenwettstreit bei der Fernsehsendung „Außenseiter, Spitzenreiter“ anmeldete. Dort gab es immerhin den vierten Rang. Karin Müller deutet stolz auf die Ehrenurkunde, die ihren festen Platz überm Tresen hat. „Mager muss sie sein – und schmecken muss sie“, sagt sie auf die Frage, was denn gute Sülze ausmacht. Ihre sei ein Renner bei den Gästen, ein anderer sei die Entenbrust mit Klößen. So gibt es zwar jeden Sonntag eine andere Spezialkarte, die Entenbrust aber steht immer drauf.

Ebenso konstant ist eine Zutat, die zu allen Gerichten in der gut bürgerlichen, typisch thüringischen Speisekarte gehören, ein Zutat, mit der sie die Zuneigung ihrer Gäste erwidert: „Ganz viel Liebe gehört dazu“, sagt Karin Müller und lächelt.

Die 64-Jährige führt die „Reichspost“ bereits in fünfter Generation, übernahm die Verantwortung für das Gasthaus 1992 von ihrer Mutter Lisa. Da war sie bereits 20 Jahre in der Gaststätte tätig. Und das, obwohl sie zunächst eigentlich beruflich nach ihrem Vater, Zimmermeister Alfred Kertscher, schlug und den Beruf der Bauzeichnerin lernte. Doch nach der Lehre in diesem Beruf gearbeitet habe sie nie. „Ausgelernt und aufgehört.“ Ihre Fähigkeiten waren im Gasthof gefragt.

Und weil sich Geschichte manchmal wiederholt, packen auch Karin Müllers Kinder und ihr Mann immer wieder mit an, „wenn wirklich mal Druck ist“. Und obwohl sie beruflich alle etwas anderes machen. Dann unterstützen sie das Team der „Reichspost“, zu dem neben Müller drei Festangestellte und eine Pauschalkraft gehören. Neben ihren beiden Köchinnen packt auch die Gastwirtin in der Küche mit an. Das Rüstzeug dafür, sagt sie, erhielt sie von ihrer Tante, die ebenfalls Köchin war. Eben ein echter Familien­betrieb.

Gasthof seit 150 Jahren in Familienhand

Und so hofft die Gastwirtin auch, dass die „Reichspost“ weiter in Familienhand bleibt, auch wenn sie trotz bald 65 Jahren noch lang nicht ans Aufhören denkt. Tochter Susanne Böhme ist dem Gedanken jedenfalls nicht abgeneigt: „Mein Herz hängt schon dran“, sagt sie: „Ich bin ja damit aufgewachsen.“

Über 150 Jahre reicht die Geschichte der Gaststätte zurück und ebenso lang ist sie in der Familie geblieben. 1866 von Louis Lange als Gasthaus „Zum Goldenen Stern“ eröffnet, wurde sie von dessen Tochter Lina und deren Mann Franz Wiefel in „Restaurant Reichspost“ umbenannt, wohl weil letzterer als Postschaffner arbeitete. Nach einem Brand 1913 wurde das Haupthaus wieder aufgebaut, wie es auch heute noch steht. Im Jahr 2000 wurde der eingeschossige, barrierefreie Anbau eröffnet. Seitdem hat die „Reichspost“ nicht nur einen zweiten Gastraum und mit dem ursprünglichen Gastraum zusammen rund 130 Plätze. Seit der ­Erweiterung kann in der Münchenbernsdorfer Gaststätte auch Bowling gespielt werden. Vier vollautomatische Bowlingbahnen laden zum sportlichen Ein- oder Ausklang des Gaststättenbesuches ein. Kein Wunder, dass dadurch auch viele Gesellschaften hier ihre Familien-, Firmen- oder Vereinsfeiern durchführen. So gebe es noch im Februar vereinzelt Weihnachtsfeiern, sagt die Gastwirtin. Unabhängig davon empfiehlt sie, gerade für einen sonntäglichen Gaststättenbesuch telefonisch vorzubestellen.

Dass es auch immer wieder Laufkundschaft gibt, kann Service-Mitarbeitern Nicole Gräßler bestätigen. Gerade nach dem großen Höhepunkt in Münchenbernsdorf im vorigen Jahr, dem Osterspaziergang mit rund 17 000 Teilnehmern, kämen immer noch Leute, die erst dadurch auf das Gasthaus aufmerksam geworden sind. Immerhin liegt die „Reichspost“ an zwei der Wanderstrecken. Werden dann die Wetterbedingungen wieder freundlicher, die Temperaturen wieder angenehmer, lockt auch der Biergarten wieder zur Einkehr.

Rindslende nach Wildart

Zutaten

Falsche Rindslende

ein Liter Buttermilch

Speck

Pfannengemüse (Möhren, Kohlrabi, Sellerie)

Rotwein

Sahne

Viel Liebe

Zubereitung

Falsche Rindslende 2 bis 3 Tage in Buttermilch einlegen

Lende mit Speck spicken

Das Fleisch in der Pfanne mit Pfannengemüse braten, immer wieder einen Schluck Rotwein und Wasser dazugeben, bis das Fleisch zart ist.

Lende erkalten lassen und in Scheiben schneiden.

Wasser und Sahne in den Bratenfonds und dann andicken. Je nach Bedarf mit Rotwein abschmecken. Das Fleisch zum Erwärmen wieder hineingeben.

Anrichten mit Klößen und Apfelrotkraut.

Für vier Personen

Öffnungszeiten und Anfahrt

Geöffnet Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag, 16 bis 24 Uhr, Sonnabend 16 bis 1 Uhr, Sonntag 10 bis 13 und 17 bis 22 Uhr. Dienstag Ruhetag.

Adresse: Reichspost Münchenbernsdorf, Rodaer Straße 37, 07589 Münchenbernsdorf

Telefon: (036604) 23 17

Fax: (036604) 20 24 06

Anfahrt: Von Gera über die Straße des Friedens und entweder links auf die ehemalige B2 über Bocka oder geradeaus durch die Orte Geißen, Saara und Schöna nach Münchenbernsdorf. Dort am Rathaus rechts halten und der Hauptstraße folgen. Auf der A 4 die Abfahrt Lederhose und dann Richtung Greiz, im Gewerbegebiet links Richtung Münchenbernsdorf. Aus Richtung Greiz/Weida auf der B175 Richtung A4-Auffahrt Lederhose, in Großebersdorf geradeaus halten, im Gewerbegebiet Hopfenberg rechts Richtung Münchenbernsdorf. In der Stadt nach dem Rathaus links und der Hauptstraße folgen.

Parkplätze vorhanden.

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