Kuscheltier liegen gelassen: Facebook-Nutzer empören sich über Fotos, die Flüchtlingszug zeigen sollen

Saalfeld  Bilder, deren Quelle als nicht gesichert gilt, sollen das verdreckte Innere desjenigen Zuges zeigen, mit dem 568 Flüchtlinge am Samstagabend in Saalfeld ankamen. Weil ein liegen gebliebenes Kuscheltier auf einem der Bilder zu sehen ist, werfen die Nutzer den Flüchtlingen sogar Undankbarkeit vor.

Gedränge am Bahnsteig: 568 aus Ungarn kommende Flüchtlinge, darunter 21 Kinder unter zwei Jahren, erreichten am Samstagabend mit einem Sonderzug den Bahnhof in Saalfeld. Foto: Sascha Fromm

Gedränge am Bahnsteig: 568 aus Ungarn kommende Flüchtlinge, darunter 21 Kinder unter zwei Jahren, erreichten am Samstagabend mit einem Sonderzug den Bahnhof in Saalfeld. Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

„Da wird das gespendete kuscheltier halt liegen gelassen“, schreibt Facebook-Nutzer „Angelo Weidehaas“ auf dem Facebook-Portal der OTZ. Grund für die Empörung mancher Nutzer sind Bilder, die seit dem Wochenende in den sozialen Medien geteilt werden. Sie zeigen Zugabteile und Gänge in denen Tüten, leere Wasserflaschen, Decken, Taschen und andere Dinge liegen – darunter auch ein Kuscheltier.

Alle Gegenstände sollen dort von den Flüchtlingen liegen gelassen worden sein, als sie am vergangenen Samstag auf dem Bahnhof in Saalfeld angekommen sind, so der Vorwurf. Doch schon bei der Klärung der Tatsache, ob die Bilder wirklich aus dem Zug der Österreichischen Bundesbahn stammen, kommen Fragen auf. „Alle Journalisten vor Ort wurden vom Pressesprecher der Bundespolizei betreut“, erklärt Peter Lahann, Pressesprecher des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt. Er war bei der Ankunft von 486 Erwachsenen, 61 Kindern zwischen 2 und 10 Jahren und 21 Kindern zwischen 0 und 2 Jahren dabei. Der Zutritt zum Gelände wurde von der Polizei zu diesem Zeitpunkt bewacht.

Betrachtet man die Bilder, die durchs Netz wandern, fällt auf, dass deren Qualität nicht derer von Pressefotos entspricht. Sie sind vermutlich mit einem Smartphone aufgenommen. Es wird auch kein Journalist als Quelle genannt. Wer ist der Fotoautor? Und was ist seine Intention, solche Bilder ins Netz zu stellen? „Mal im ernst. Das spielt doch am Ende garkeine Rolle“ antwortet der Facebook-Nutzer „Angelo Weidehaas“ – ungeachtet der Tatsache, dass in den sozialen Medien in letzter Zeit immer öfter Bilder ohne Nennung einer Quelle auftauchen, deren Kontext verfremdet wurde. Es ist von zahlreichen Fälschungen zu lesen, die politische Stimmungen gegen Flüchtlinge erzeugen sollen.

„Vermutlich wollte er die Flüchtlinge diskreditieren“, sagt Pressesprecher Lahann über den unbekannten Fotografen. Er schaut sich stattdessen die Bilder an, die er selbst am Samstagabend gemacht hat. „Viele Menschen hatten einen Stoffbeutel mit Nahrung um den Hals, den sie in Wien bekommen haben“, berichtet Lahann. Auf einem weiteren Bild sieht er eine Familie mit zwei Kindern beim Aussteigen. „Die Eltern haben Kinder an der Hand und die Kinder Kuscheltiere in ihren Händen.“

Lahann berichtet auch von den Schwierigkeiten beim Verlassen des Zuges, der bei einer Länge von sechs oder sieben Waggons mit 568 Insassen (Stand vom Montagmorgen) als überfüllt bezeichnet werden muss. „Die meisten hatten Mühe aus dem Zug auszusteigen, da sich die Türen immer wieder von selbst geschlossen haben“, erklärt Lahann. Meist seien, wenn die Türen offen waren, nur zwei Personen durchgekommen. So hatten die Familien Mühe zusammenzubleiben.

Ein weiteres Bild auf der Kamera des Landkreis-Pressesprechers zeigt eine Mutter mit einem Säugling auf dem Arm und einer Tragetasche mit dem Allernotwendigsten. „Sie hatte keine Hände frei, Sachen aus dem Zug mitzunehmen.“

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