Längste Hängebrücke der Welt soll an der Grenze zu Thüringen entstehen

Lichtenberg  In etwas mehr als zwei Jahren sollen dank millionenschweren Investitionen die Lohbachtal- und Höllentalbrücke in Oberfranken an der Grenze zum Saale-Orla-Kreis für eine kräftige Tourismus-Belebung sorgen. Die Höllentalbrücke soll dabei mehr als einen Kilometer lang sein.

Die weltgrößte Hängebrücke soll sich 1030 Meter übers Höllental spannen. Sie verläuft leicht S-förmig, wie die Visualisierung zeigt. In Lichtenberg soll trotz Lohbachtalbrücke die Sicht an der Burgruine nicht beeinträchtigt werden.

Die weltgrößte Hängebrücke soll sich 1030 Meter übers Höllental spannen. Sie verläuft leicht S-förmig, wie die Visualisierung zeigt. In Lichtenberg soll trotz Lohbachtalbrücke die Sicht an der Burgruine nicht beeinträchtigt werden.

Foto: Landkreis Hof

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Drei Orte. Zwei Brücken. Eine Idee. – Nämlich die längste Hängebrücke der Welt im Frankenwald, im benachbarten Landkreis Hof zu errichten. Das ist das Projekt „Frankenwaldbrücke“, das jetzt einen entscheidenden Schritt weiter ist. Am Montag hat sich der Kreistag Hof mit 35 zu 15 Stimmen für die Umsetzung des Projektes ausgesprochen.

Zuvor hatten die vom Landkreis Hof beauftragten Ingenieure eines Büros in Stuttgart Visualisierungen präsentiert, die zeigen, wie die Höllental- und Lohbachtalbrücke aussehen sollen. „Außerdem wurden die Ergebnisse der naturschutzfachlichen Untersuchung bekannt gegeben“, teilte das Landratsamt Hof am Abend mit.

Brückenverlauf folgt der Selbitz-Linie

Den Ingenieuren sei es gelungen, zwei in dieser Form einzigartige Brücken zu konzipieren, „die sowohl gestalterisch, als auch baufachlich ihresgleichen suchen“, heißt es in der Mitteilung. „Vor allem durch ihre filigrane Konstruktion mit ebenso filigranen Baumaterialien betten sich die beiden Brücken optimal in die Natur ein.“

Sowohl die Lohbachtal- als auch die Höllentalbrücke verlaufen demzufolge leicht S-förmig, orientieren sich dabei am Verlauf der Selbitz, die durch das Tal fließt. Die 387 Meter lange Lohbachtalbrücke wurde mit nur je einem Pylon am Start- und Endpunkt der Brücke geplant. Die Abspannung erfolgt schräg nach hinten an den Außenmauern der Burgruine vorbei. Dadurch bleibe die Sicht auf das Kulturdenkmal Burg Lichtenberg unberührt, so die Erläuterungen.

Als weltweit einmalig gilt die Konstruktion der nunmehr 1030 Meter langen Höllentalbrücke. Diese komme komplett ohne Unterspannung und damit auch ohne Fundamente für Abspannungen aus. „Die Tragseile der Brücke laufen stattdessen oberhalb der Geländer“, ist zur Ausführung zu erfahren. Damit stelle die Höllentalbrücke nicht nur einen optischen Höhepunkt dar, sondern werde gleichzeitig der naturschutzfachlichen Prüfung hinsichtlich möglicher Kollisionen von Zugvögeln mit den Tragseilen gerecht.

Sowohl die Lohbach- als auch die Höllentalbrücke bestehen aus Stahlkonstruktionen, die Geländer aus Edelstahlnetzen. Hinsichtlich der Standortwahl der beiden Brücken hatte es in den vergangenen Monaten zahlreiche Ortstermine und Variantenuntersuchungen gegeben. Die Pläne sehen nun eine Aufhängung der Lohbachtalbrücke außerhalb der Burgruine von Lichtenberg vor. Die historischen Mauern der Burg bleiben dadurch vom Bau der Brücke unberührt. „Durch die Aufhängung unterhalb der Ruine bettet sich die Brücke unauffällig ins Landschaftsbild ein“, heißt es in der Mitteilung des Landratsamtes Hof. Somit bleibe der Blick von der und auf die Burg frei.

Bei den Planungen der Höllentalbrücke soll es den Ingenieuren gelungen sein, die Brücke so zu konzipieren, dass die für den Bau nötigen Masten im Mittelteil (Kesselfels) außerhalb des FFH-Schutzgebietes liegen, weshalb die Brücke an Länge gewonnen hat und nun 1030 Meter lang ist.

Gesamtkosten liegen bei 22 Millionen Euro

Die Kosten für die Brücken belaufen sich nach aktueller Kalkulation auf 4,35 Millionen Euro für die Lohbachtalbrücke und 9,135 Millionen Euro für die Höllentalbrücke. Hinzu kommen die Kosten für die Verweilplattform „Höllentalterrasse“, das Besucherzentrum, Infrastruktur-, Naturschutz- und Marketingmaßnahmen. Je nach Ausgestaltung des Besucherzentrums wird von Gesamtkosten zwischen 21 und 22,3 Millionen Euro ausgegangen.

Unterdessen wurde auch das natur- und artenschutzfachliche Gutachten mit dem Ergebnis abgeschlossen, dass unter Einhaltung vorgeschlagener Maßnahmen – wie etwa die Berücksichtigung von Brutzeiten während der Bauphase – den Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes entsprochen werden kann. Darüber hinaus fanden intensive Gespräche mit den Gemeinden Lichtenberg und Issigau statt, im Rahmen derer das Verkehrskonzept besprochen wurde und Maßnahmen erarbeitet worden sind.

Besucherzentrum bei Lichtenberg

Aktuell laufen vorbereitende Planungen hinsichtlich des Besucherzentrums, das unweit des Lichtenberger Freizeitzentrums entstehen soll. Das Besucherzentrum dient dann als Ausgangspunkt für alle Besucher der Frankenwaldbrücken. Darüber hinaus sollen Gastronomie, ein Ticketshop, Toiletten, Infobereiche und Gruppenräumlichkeiten untergebracht werden. Hierzu wird vom Fachbereich Hochbau momentan das Bewerbungsverfahren für die Architekten vorbereitet. Deren spätere Pläne bilden dann die Grundlage für weiterführende Gespräche und Abstimmungen über die Größenordnung des Besucherzentrums.

Mit dem Ministerratsbeschluss vom Juni 2017 hatte der Freistaat Bayern dem Projekt Frankenwaldbrücke eine Förderung in Höhe von 80 Prozent zugesichert. Entsprechende Anträge dafür würden jetzt gestellt.

Die Bauzeit für die Brücken ist mit rund eineinhalb Jahren kalkuliert. Unter Berücksichtigung der Sperrzeiten auf Grund von Brutzeiten ist die Fertigstellung und Eröffnung Ende 2021/Anfang 2022 vorgesehen.

Auch für den Tourismus im Saale-Orla-Kreis verspricht das Hängebrücken-Projekt Effekte. So gibt es Überlegungen, Besucher zwischen den Brücken und Blankenstein mit Elektrofahrzeugen zu befördern.

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