Lese-Insel-Harfe besteht seit fünf Jahren in Bad Blankenburg

Bad Blankenburg  Es war am 22. Februar 2011, alssich ein Team aus engagierten und motivierten Frauen in Bad Blankenburg zusammensetzte, um aus der Buchhandlung Harfe eine Buchhandlung und Begegnungsstätte zu machen. Für viele war der Markt im Zentrum der Stadt ohne Buchhandlung nicht vorstellbar.

Die „Lesemäuse“ studieren Geschichten ein und treten damit in Schulen, Kindergärten und vor interessierten Besuchern in der Lese-Insel auf. In diesem Jahr studiert die Truppe die Geschichte „Auf ins Piratenabenteuer“ ein. Foto: Roberto Burian

Die „Lesemäuse“ studieren Geschichten ein und treten damit in Schulen, Kindergärten und vor interessierten Besuchern in der Lese-Insel auf. In diesem Jahr studiert die Truppe die Geschichte „Auf ins Piratenabenteuer“ ein. Foto: Roberto Burian

Foto: zgt

Am 1. April 2011 hatte sich der neue Verein zum Ziel gesetzt, eine Lese-Insel ins Leben zu rufen.

Michel, Luca, Sophie-Marie, Michaela, Heinrich, Emely und Hannah sind voll konzentriert, als sie ihre Texte einüben. Die Lesemäuse haben sie wieder in Beschlag genommen: die Lese- Insel auf dem Marktplatz in Bad Blankenburg.

Wer behauptet, Kinder von heute würden nicht mehr lesen, hat sich getäuscht. Zumindest, was diese Mädchen und Jungen anbelangt. „Lesen ist total spannend“, sagt Michel. Deshalb freut sich der Achtjährige, einmal in der Woche, nach Herzenslust in den Büchern zu schmökern und sich mit seinen Freunden über Gelesenes austauschen zu können.

Die Idee des im Februar 2011 gegründeten Vereins „Lesen ist mehr“, aus der Buchhandlung Harfe nur zwei Monate später eine Buchhandlung und Begegnungsstätte zu machen, erwies sich nicht nur für diese Acht als schlicht genial. Die Stärke des Teams besteht darin, dass jeder seine verschiedenen Fähigkeiten, Talente und Erfahrungen einbringt. Die Einrichtung ist ein Ort, wo man ins Gespräch kommt, in Ruhe stöbern kann oder auch mal mit einem Buch eine geruhsame Zeit im Lesesessel sitzt.

Die Kinderspielecke mit den wunderbaren Holzmöbeln wird auch außerhalb der festen Angebote gern genutzt. Licht strömt von draußen durch die großen Fenster hinein, warme Farben wie Orange und Gelb bestimmen den Raum. Kein Wunder, dass sich auch die anderen wohlfühlen: „Hier ist es so richtig gemütlich“, meinen Michaela und Emely , bevor sie sich wieder in ihre Lektüre vertiefen.

Grundkurs Stricken im Angebot

Sophie-Marie gefällt an dem Leseort, „dass es dort so schön leise ist und man sich auf sein Buch konzentrieren kann“. Ein Ort, wo viel Freiheit und Fantasie herrschen. Das Haus ist einladend, es macht neugierig. Besucher entdecken ihre eigene „Lesbarkeit der Welt“. In diesem Raum sind Vorleser und Zuschauer nah beieinander. Es ist ein unkonventioneller Ort. Regelmäßige Angebote für Kinder wie die Kinder-Bibel-Gruppe, eine Leseförderung, die Krabbelgruppe für Muttis mit ihren Kleinen, der Lesetreff für Senioren und ab sofort ein Grundkurs Stricken sind im Angebot.

„Handarbeiten sind wieder im Trend. Unter Anleitung einer Expertin lassen wir die Maschen auf den Nadeln tanzen und werfen nebenbei einen Blick in neue Bücher zum Thema“, sagt die Vereinsvorsitzende Dorit Gropp. Die eingangs erwähnten „Lesemäuse“ unter Leitung von Margit Exel studieren Geschichten ein und treten damit in Schulen, Kindergärten und vor interessierten Besuchern in der Lese-Insel auf. In diesem Jahr studiert die Truppe die Geschichte „Auf ins Piratenabenteuer“ ein. Neu mit im Boot ist die zehnjährige Hannah aus Eritrea. Die Kinder lernen sich kennen, reden miteinander – so funktioniert Integration am einfachsten. Und das bemerkenswerte daran: Es funktioniert mit einer unaufgeregten Selbstverständlichkeit.

„Die Kinder geben den Inhalt der Bücher beim Lesen und Gestalten kreativ wieder. Sie spielen die Geschichte selbst nach, es wird gezeichnet oder gebastelt“, sagt Margit Exel. Am 1. Februar sind sie zu Gast in der Grundschule und spielen vor Schul- und Kindergartenkindern. Zur Belohnung gibt’s danach für alle eine Lesenacht mit gemeinsamem Frühstück. Am 5. Februar findet dann im Hort der Grundschule das Lese-Fest als Kooperationsveranstaltung statt. Höhepunkt ist die Lesung der Kinderbuchautorin Elisabeth Schieferdecker aus Saalfeld, die aus ihrem Kinderkrimi „Geheimnis der Raubritterburg“ lesen wird.

Finanziert wird die Lesung von der Lese-Insel Harfe und dem Verein Lesezeichen aus Jena. „Lesen ist wie Fliegen“, „Lesen ist wie Wasser in der Wüste“ oder „Lesen macht stark“: Die Reihe von markanten Sprüchen zu diesem Thema könnte beliebig fortgesetzt werden. Fakt ist, dass das Lesen eine zentrale Rolle für das Lernen der Sprache und für die Ausbildung von „Intelligenz“ spielt. Am 1. April feiert die Bad Blankenburger Einrichtung den fünften Geburtstag mit allerlei pfiffigen Aktionen. Und das ist kein Aprilscherz. „Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Stern“, wusste schon der deutsche Schriftsteller Jean Paul , der 1825 verstarb.

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