Liebeserklärung an den Plattenbau in Gera-Lusan

Gera  Dem Geraer Stadtteil Lusan, ab 1972 auf freiem Feld aus dem Boden gestampft und zehn Jahre später Heimat für 45 000 Menschen in 16 500 Wohnungen, hat Christoph Liepach ein Denkmal gesetzt.

Neben Fotos, Bauplänen und Grundrissen von Plattenbau-Wohnungen gibt es aus der Museumssammlung auch Modelle unverwechselbarer DDR-Architektur zu sehen. Foto: Christine Schimmel

Neben Fotos, Bauplänen und Grundrissen von Plattenbau-Wohnungen gibt es aus der Museumssammlung auch Modelle unverwechselbarer DDR-Architektur zu sehen. Foto: Christine Schimmel

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Wer in Lusan als Kind mit Ranzen über die Fußgängerbrücke zur Hans-Beimler-Schule geschlendert ist, mit Freunden vor dem Hauseingang Gummihüpfen gespielt hat oder als Erwachsener noch die Bilder von HO-Kaufhallen, Jugendclubs und Kinderkrippen im Neubauviertel vor Augen hat, der ist in der Studioausstellung des Stadtmuseums genau richtig. Unter dem Titel „Stadtbilderklärer Gera-Lusan“ von Christoph Liepach werden Erinnerungen an das DDR-Lusan wach, die lange nicht mehr so präsent waren.

Der 25-jährige gebürtige Geraer hat dem Stadtteil, in dem er aufwuchs, mit einem Buchprojekt ein Denkmal gesetzt, das abseits von trockener Chronologie mit Fotos, Bauplänen, beachtlichen Informationen und bei Lusanern zusammengetragenen Anekdoten ein lebendiges Panorama zeichnet. Mit dem Buch erfüllt sich der junge Geraer einen persönlichen Traum. „Es war mir eine Herzensangelegenheit, das Buch zu machen, denn mich hat dieser Stadtteil, der vor 40 Jahren aus dem Nichts hochgezogen wurde, fasziniert“, sagt Liepach.

Mit dem Blick auf Architektur und Kunst am Bau gerichtet, ist er seit 2012 durch Lusan gegangen und hat Fotos gemacht. „Man weiß ja nicht, ob es die Plattenbauten in 40 Jahren noch geben wird. Es ging mir also auch darum, hier etwas festzuhalten, das vielleicht irgendwann mal nicht mehr steht.“

Bei seinen Recherchen zu Lusan war dem jungen Mann aufgefallen, dass es nur wenig Literatur zum Stadtteil gibt. Er fand nur einiges über Alt-Lusan oder eher langweilige geschichtliche Auflistungen und entschied sich, sein Fotoprojekt auszuweiten und ein eigenes Buch zu machen. Den Prototyp hat Liepach nun in Eigenproduktion realisiert, ist derzeit im Gespräch mit einem Verlag. Bis sein Buch in den Handel kommt, müssen sich Stadtgeschichtsfans also noch etwas gedulden. Die kleine Schau im Stadtmuseum, die nicht nur das Buch, sondern auch Infotafeln, Bilder und Architekturmodelle von Lusaner Gebäudetypen aus dem Museumsbestand bereithält, dürfte Lust auf mehr machen. „Die Arbeit von Christoph Liepach ist kurzweilig und erfrischend. Er hat das Thema auch grafisch erfrischend aufgezogen und Aspekte von Lusan ins Licht gerückt, an die sich viele Lusaner noch schmunzelnd erinnern werden“, wirbt Stadtmuseumsmitarbeiter Matthias Wagner.

Liepach, der in Dessau Grafikdesign studiert hat und gerade ein Studium der Museumspädagogik in Leipzig anhängt, hat nicht nur eigene Bilder der Grafiken über den Hauseingängen, von riesigen Fliesenbildern an Giebelwänden, Skulpturen auf Grünflächen und Plattenrundbauten mit Informationen versehen. Er hat auch Grundrisse und Baupläne nachgezeichnet, im Stadtarchiv recherchiert, mit Zeitzeugen gesprochen und über das Stadtteilbüro aussagefreudige Gesprächspartner getroffen. Auch wenn er Lusan als Jugendlicher eher öde fand, durch sein Buchprojekt erschließt sich ihm ein ganz eigener Charme. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, hofft er, dass durch Spielplätze, das Problem mit dem Schlamm in der Plattenbausiedlung, die Brüte, die Kita-Systembauten, die Schulen und durch die Kunst am Bau an Lusan erinnert wird.

Die Ausstellung ist bis zum 12. Juni geöffnet.

Zum Beitrag: Christine Schimmel über Erinnerungen an einen Kindheitsort

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