Michael Sebicht aus Triebes berichtet von seiner Radtour um die Welt

Zeulenroda  Michael Sebicht radelt um die Welt. Ende 2017 ist er in Indien angekommen und ist weiter Richtung Nepal gefahren. Nun geht die Tour weiter nach Myanmar,

Der gebürtige Triebeser Weltenbummler ist weiter auf Tour. Mit seinem Fahrrad war er in Indien und Nepal unterwegs, Ende Januar wollte er weiter nach Myanmar fahren.

Foto: Michael Sebicht

Bereits 2014 hat Michael Sebicht eine zweimonatige Rundreise durch Europa gemacht. Mit dem Fahrrad. Seine aktuelle Mission: eine einjährige Weltreise. Seine Reise verarbeitet er in seinem Internet­tagebuch. In größeren Abständen berichtet der gebürtige Triebeser auch in der OTZ über seine Erlebnisse. Sein nächster Etappenbericht kommt aus Indien.

E nde Oktober 2017 fliegen Nico und ich von der omanischen Hauptstadt Muskat nach Delhi/Indien. Bereits am Flughafen der indischen Millionenstadt ahnen wir, dass unsere nächsten Wochen intensiver und anstrengender werden. Auf den Straßen herrscht extrem viel Verkehr und über der gesamten Stadt liegt eine dicke Smogwolke. Anfangs müssen wir uns noch an den Linksverkehr gewöhnen, aber in Indien fährt sowieso jeder, wie er will, und so kommen uns ständig Geisterfahrer entgegen.

Auf unserer Reise durch das südasiatische Land wollen wir zunächst in den westlichen Bundesstaat Rajasthan bis zur Stadt Jaisalmer radeln.

Doch erstmal haben wir ganz andere Sorgen. Bei dem mehrfachen Versuch, Bargeld an den indischen Geldautomaten abzuheben, wird uns jedes Mal mitgeteilt, dass unsere Kreditkarten ungültig sind. Wir bekommen langsam Panik, haben aber zum Glück schon im Oman einen kleinen Betrag umgetauscht, so dass wir nicht ganz ohne Mittel dastehen. Erst nach Rücksprache mit unserem Kreditinstitut wird uns mitgeteilt, dass unsere Karten aus Sicherheitsgründen gesperrt wurden. Nach einem umständlichen Telefonat sind die Sperren wieder aufgehoben und wir liquide.

Nun kann unsere Reise weitergehen durch dieses riesige Land, das so ganz anders ist als alle bisherigen Länder auf unserer Route. Wo auf den Straßen seelenruhig Kühe durch den dichten Verkehr laufen und trotz meistens fehlender Ampeln oder Polizei trotzdem alles seine Ordnung hat.

Aber auch wir sind anders. Das bekommen wir schon bald von den Einheimischen zu spüren, die häufig noch nie einen Ausländer gesehen haben und uns jedes Mal mit neugierigen Blicken mustern. Da mittlerweile im Jahr 2017 auch hier fast jeder ein Smartphone hat, müssen wir uns täglich unzählige Male für ein gemeinsames Selfie porträtieren lassen.

Reisende aus Deutschland fallen überall auf

Anfangs ist das noch witzig, aber nach wenigen Tagen ist uns nicht mehr zum Lachen. Auch sonst sind unsere Fahrräder und Packtaschen sehr auffällig, und so müssen wir ständig die selben Fragen beantworten, wobei sogleich auch an unserer Ausrüstung rumgefummelt wird und häufig Gangschaltung und Knöpfe verstellt werden.

In der Stadt Jaisalmer unweit der pakistanisch-indischen Grenze machen wir eine Pause und besichtigen die historische Altstadt mit den aufwendig verzierten hinduistischen Tempelanlagen. Hier gibt es auch unzählige Touristen aus aller Welt, so dass wir zur Abwechslung unbemerkt in der Masse verschwinden können. Auf unserer weiteren Reise nach Süden wandelt sich die bisherige karge Wüstenlandschaft allmählich in eine üppige grüne Vegetation mit riesigen verzweigten Feigenbäumen und Palmengewächsen. Entlang der Straßen lauern Horden von Affen auf Äpfel, Kekse und sonstige Leckereien, die ihnen die vorbeifahrenden Autofahrer hin und wieder zuwerfen. Leider habe die Tiere dadurch auch ihre Scheu verloren.

Im Bundesstaat Goa kommen wir Anfang Dezember 2017 nach fünf Monaten und knapp 12 000 Kilometern an. Für Nico endet die Reise hier, und nach gut zwei Wochen Strandurlaub unter Palmen trennen sich unsere Wege. Während er zurück nach Deutschland fliegt, geht für mich die Tour weiter Richtung Nepal. Auf den gut 2000 Kilometern bis zur nepalesischen Grenze durchquere ich Zentralindien. Fernab der modernen Millionenstädte wie Delhi oder Mumbai entdecke ich hier ein Land wie aus einer anderen Zeit. Auf den ländlichen Straßen fahren Ochsenkarren, auf den Feldern arbeiten von früh bis abends Männer wie Frauen, und die Dörfer bestehen häufig aus einfachen Stroh- und Lehmhütten ohne Strom und fließend Wasser. Dennoch beginnt auch hier der Wandel, in den Städten entstehen komplett neue Wohnviertel aus Beton und die großen Fernstraßen werden mehrspurig ausgebaut. Nur das Stromnetz ist noch recht marode und so kommt es nicht selten mehrmals täglich zu Stromausfällen. In einigen Regionen herrscht auch akute Wasserknappheit, wodurch zu manchen Tageszeiten kein Wasser aus der Leitung kommt. Trinken sollte man das Leitungswasser aber ohnehin besser nicht, da das Abwasser in Indien meist ungereinigt in Flüsse und Böden fließt und somit das Grundwasser belastet.

In Nordindien mache ich eine kleine Pause in Varanasi am Ganges, um meine Weiterreise nach Südostasien zu planen, da hierfür Flug und Visum organisiert werden müssen. Darüber hinaus bietet die Stadt einige Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel den Tempel Manikarnika Ghat, vor dem Tag und Nacht hinduistische Feuerbestattungen auf dem Ganges stattfinden. Nach dem hinduistischen Glauben wird durch eine Bestattung auf dem heiligen Fluss der ewige Kreislauf der Wiedergeburt durchbrochen, wodurch die Erlösung erlangt wird.

Kälte und unvergesslicher Blick auf den Himalaya

Anschließend geht es für mich weiter Richtung Nepal. Es ist mittlerweile bitterkalt, wobei es tagsüber kaum mehr 15 Grad werden und nachts die Temperaturen häufig knapp unter den Gefrierpunkt fallen. Zum Glück habe ich vorsorglich den dicken Schlafsack eingepackt sowie Handschuhe, Schal und Mütze gekauft. Entschädigt werde ich bei meiner Passüberquerung zur nepalesischen Hauptstadt mit einem unvergesslichen Blick über den fernen schneebedeckten Himalaya.

Angekommen in Kathmandu endet für mich ein weiterer Reiseabschnitt, ehe es Ende Januar 2018 mit dem Flugzeug nach Rangun/Myanmar geht. Bis dahin nutze ich die Zeit für kleinere Reparaturen am Fahrrad und besichtige die buddhistische Pagode Bodnath Stupa sowie den Durbar Square mit dem angrenzenden Hanuman Dokha Palast. Zweieinhalb Jahre nach den verheerenden Erdbeben von 2015, deren Bilder um die Welt gingen, sind die Schäden in der Altstadt und an Wohnhäusern immer noch allgegenwärtig. Umso erstaunlicher sind die Offenheit, die Hilfsbereitschaft und das Maß an Gastfreundschaft, mit denen die Menschen einem hier begegnen.

Was Michael Sebicht auf seiner Reise erlebt, schreibt er im Blog im Internet unter www.radfahrstreifen.blogspot.de

Zu den Kommentaren