Millioneninvestition: Lösung für ehemaliges Teerverarbeitungswerk Rositz gefunden

Rositz  Bund und Land kümmern sich gemeinsam um die nächsten Sanierungsschritte am ehemaligen Teerverarbeitungswerk Rositz. 13 Millionen Euro werden investiert. Dennoch verlieren Menschen ihr Zuhause.

Bagger tragen an der Betriebsdeponie des ehemaligen Teerverarbeitungswerkes in Rositz kontaminiertes Erdreich ab. Archivfoto: Jens-Ulrich Koch

Bagger tragen an der Betriebsdeponie des ehemaligen Teerverarbeitungswerkes in Rositz kontaminiertes Erdreich ab. Archivfoto: Jens-Ulrich Koch

Foto: Jens-Ulrich Koch

„Frau Ministerin, Sie haben Wort gehalten.“ In der Stimme des Rositzer Bürgermeisters Steffen Stange (parteilos) schwingt viel Anerkennung mit. Und der leise Zweifel, den er noch hatte. Bis gestern.

Im Kulturhaus der Ostthüringer Gemeinde, die durch giftige Hinterlassenschaften des ehemaligen Teerverarbeitungswerks zu zweifelhafter Berühmtheit kam, wurde ein lange angebahnter Vertrag unterzeichnet. Thüringen und der Bund wollen die Areale im schadstoffbelasteten Ortsteil Schelditz gemeinsam sanieren. Bewohner, deren Häuser nicht mehr zu halten sind, sollen Hilfe beim Neustart an einem anderen Ort erhalten. Einige Betroffene sind bereits umgezogen.

Insgesamt 13 Millionen Euro werden investiert, um auf einer Fläche von rund 16 Hektar ein ganzes Maßnahmepaket umzusetzen. Brunnen bohren, den Gerstenbach verlegen, eine Straße anheben, Wasserhaushaltschichten einbauen und Oberflächenwasser gezielt ableiten. Für Plan und Umsetzung steht die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) bereit. „Das Beste, was Schelditz passieren konnte“, freute sich Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne). Der bundeseigene Bergbau-Sanierer könne inzwischen auf 25 Jahre Erfahrung zurückgreifen. Klaus Zschiedrich, Vorsitzender der LMBV-Geschäftsführung, nahm das Lob gern an. Ein Wiederanstieg des Grundwassers, sagte er, sei bei der Einstellung von Braunkohletagebauen wie südlich von Leipzig normal. In Rositz aber drücke das Wasser lange im Boden angesammelte Rückstände des Teerwerks mit nach oben. Benzole, Phenole und andere Schadstoffe. Das Problem sei „sehr komplex“ und könne nur gelöst werden, wenn alles in einer Hand liegt. Als angepeilte Zielmarke gilt das Jahr 2022.

Der Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) bleibt die Aufgabe, die für den Abbruch vorgesehenen Gebäude, darunter acht Privathäuser, aufzukaufen und später als Eigentümer der Grundstücke die dauerhafte Reinigung der kontaminierten Grundwässer zu übernehmen. Dieses Engagement sei Teil der Zuverlässigkeit des Landes, sagte LEG-Geschäftsführer Andreas Krey.

Sehr erfreut und erleichtert äußerte sich auch Michaele Sojka (Linke), die Landrätin im Altenburger Land. 2012 hatte das damals CDU-geführte Umweltministerium alle weitere Verantwortung für die beispiellose Altlast Rositz dem Landkreis übertragen. „Wir waren uns einig, dass das nicht zu stemmen ist, lange bevor Frau Siegesmund Ministerin wurde“, sagte die Kommunalpolitikerin im Gespräch mit dieser Zeitung. Dennoch habe der Landkreis etliche Maßnahmen begonnen, die in die nun gefundene Lösung eingeflossen seien.

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