Nordhausen: Muslimische Theologen setzen auf Harmonie

Nordhausen.  Ahmadi-Muslime planen im November eine öffentliche Kampagne in Nordhausen. Sie wollen Vorurteile abbauen und Fragen beantworten.

Suleman Malik (von links), Umer Malik und Shahid Kaleem starten mit einer Pressekonferenz in Nordhausen eine Kampagne ihrer islamischen Reformgemeinde im Südharz.

Suleman Malik (von links), Umer Malik und Shahid Kaleem starten mit einer Pressekonferenz in Nordhausen eine Kampagne ihrer islamischen Reformgemeinde im Südharz.

Foto: Marco Kneise

Liebe für alle, Hass für keinen. Die Ahmadi-Muslime haben mit ihrer Botschaft T-Shirts und Kaffeebecher bedruckt. Auch für Religionen gilt: Klappern gehört zum Handwerk. Wer erfolgreich sein will, muss die Werbetrommel rühren.

Suleman Malik nennt es: „Wetteifern in guten Dingen.“ Er ist der Thüringer Landessprecher der islamischen Reformgemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat. Gemeinsam mit dem Leipziger Imam Umer Malik startet er in Nordhausen eine Kampagne. Miteinander verwandt sind die beiden Männer nicht. „Malik ist wie Müller“, sagt der Erfurter und lacht.

So fröhlich ist sein Alltag oft nicht. Er kennt viele Momente, in denen er aufgrund seiner Religion oder Hautfarbe angefeindet oder gar rassistisch beleidigt wird. „Es bestehen viele Vorurteile“, bedauert Suleman Malik. Die Ahmadi-Muslime wollen diesen Missverständnissen entgegenwirken. Sie wollen Wissen vermitteln, Fragen beantworten.

In Nordhausen plant die Gemeinde im November eine große öffentliche Kampagne. „Wir versuchen, auf breiter Ebene in den Dialog zu treten“, erklärt Umer Malik. „Wir wollen allen Interessierten die Möglichkeit geben, sich über den Islam zu informieren.“ Das Ziel ist klar: „Wir wollen Vorurteile abbauen und Ängste aus der Welt schaffen.“

Die Ahmadi-Muslime wollen 30.000 Flyer in allen Orten des Landkreises verteilen. An drei Tagen planen sie Informationsstände im Nordhäuser Zentrum. Der Antrag sei gestellt, berichtet Umer Malik, genehmigt seien die Termine aber noch nicht. Die Gemeinde hätte auch gern eine Podiumsdiskussion und eine Islam-Ausstellung organisiert. Sie befürchtet aber, dass diese Vorhaben an der Corona-Pandemie scheitern.

Die Ahmadi-Gemeinde besteht seit 131 Jahren. Sie beruft sich auf „die wahren Lehren des Islams“. In Deutschland habe sie 50.000 Mitglieder, sagt Umer Malik, in Thüringen 130. „Wir sind eine Reformgemeinde, aber wertkonservativ.“ An erster Stelle stehe immer der Heilige Koran. Die Ahmadi-Muslime sprechen sich für Harmonie und Gerechtigkeit aus. Zum Thema Gleichberechtigung meint Umer Malik: „Vor Gott sind Mann und Frau gleich.“ Der Imam betont: Andere Menschen zum Glauben zu zwingen, das lehne seine Gemeinde ab.

Seit 30 Jahren ist die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde in Erfurt präsent. „Aktuell bauen wir dort unsere erste sichtbare Moschee mit Minarett“, berichtet Suleman Malik. Mitte 2021 soll das Gotteshaus fertig sein.

Die Erfurter Gemeinde sie nicht nur intern aktiv, schildert der Landessprecher. Sie engagiere sich auch in der Flüchtlingshilfe und bemühe sich um den Dialog mit anderen Religionen. Die Bilanz der bisherigen Kampagnen sei überwiegend positiv. Das Interesse vieler Bürger sei spürbar. Wie zuletzt in Sondershausen. Vorfälle wie der Saalfelder Axt-Angriff vom September seien die Ausnahme.

In der Ahmadi-Gemeinde sei kein Platz für Feindseligkeit, versichert Umer Malik. „Wenn man sich mit der Quelle des Islams beschäftigt, sieht man: Dort gibt es keinen Hass“, sagt der gebürtige Wiesbadener. Die Religion legitimiere nicht die Gewalt. Aber sie werde politisch missbraucht. Suleman Malik nickt: „Allah ist barmherzig und verlangt das auch von uns.“