Nordhausen: Sport holt die Jugendlichen von der Straße

Nordhausen.  Für den Jugendkoordinator Silvio Beer ist der Sport sehr wichtig für das gesellschaftliche Zusammenleben.

Silvio Beer ist der Jugendkoordinator im Nordhäuser Kreissportbund.

Silvio Beer ist der Jugendkoordinator im Nordhäuser Kreissportbund.

Foto: Marco Kneise

Der Sportverein bedeutet für viele junge Mitglieder mehr als nur körperliche Betätigung. Trainer und Vereine helfen den Jugendlichen nicht nur dabei, ihre sportlichen Leistungen zu steigern, sie bieten auch ein soziales Umfeld und unterstützen häufig sogar bei Problemen.

„Arbeit in den Sportvereinen ist auch immer Jugendarbeit“, berichtet der Jugendkoordinator des Kreissportbundes, Silvio Beer. Denn die Zeit, die junge Menschen auf dem Sportplatz oder in der Turnhalle verbringen, stärke die Persönlichkeitsbildung und die sozialen Kompetenzen deutlich. „Außerdem bietet der Sport im Verein eine klare zeitliche Struktur. Wir geben den Jugendlichen damit eine geregelte Freizeitbeschäftigung“, erklärt Beer.

„Der Kreissportbund ist mit über 4500 organisierten Mitgliedern in der Altersklasse bis 27 Jahre der mitgliederstärkste Jugendverband im Landkreis Nordhausen“, verdeutlicht der Vorsitzende des Kreissportbundes, Patrick Börsch. Daraus ergebe sich natürlich auch der Auftrag, einen positiven Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung und zum sozialen Leben zu leisten.

Stützpfeiler dieser Anstrengungen seien die 552 Übungsleiter im Kreisgebiet, die mit ihrem Engagement in den verschiedensten Sportarten jährlich 132.480 Stunden für die Jugendarbeit aufbringen. „Diese freiwillige Arbeit kann man gar nicht hoch genug schätzen. Wenn ein Übungsleiter für eine Mannschaft verantwortlich ist, bedeutet das nicht selten einen wöchentlichen Zeitaufwand von bis zu 20 Stunden, denn sowohl Trainingseinheiten als auch Wettbewerbe und das Vereinsleben müssen gut organisiert sein“, bewertet Beer das Engagement der Übungsleiter.

Finanzielle Anreize gebe es kaum. Die Übungsleiter werden mit etwa 58 Cent pro Stunde für ihre Arbeit entschädigt.

Silvio Beer, der selbst als ausgebildeter Erzieher über sozialpädagogische Erfahrungen verfügt, versucht dabei, gemeinsam mit Kitas, Schulen und Vereinen so viele junge Menschen wie möglich zu erreichen. „Das gelingt uns vor allem durch gemeinsame Veranstaltungen wie den Kita-Sporttag, den Tag des Sports oder das Knauf-Kinderfest. In diesem Jahr konnten wir aber aufgrund der Corona-Pandemie die meisten Aktionstage leider nicht durchführen.“ Deshalb begrüße Beer, dass aktuell an 12 Schulen der Motoriktest für Drittklässler durchgeführt werden könne. „Der Test wird von der Uni Jena ausgearbeitet und ausgewertet. Besonders freut mich, dass wir in diesem Jahr auch Kinder aus dem Förderzentrum St. Martin beteiligen konnten, ganz nach dem sportlichen Grundgedanken von Fairness und Solidarität.“

Abschließend werfen Beer und Börsch noch einen Blick auf die Auswirkungen von Corona auf die Vereine im Südharz. Der Sorge, dass durch die vorübergehende Stilllegung des Vereinslebens Jugendliche ihr sportliches Engagement beenden, sehen beide eher gelassen entgegen. „Natürlich müssen wir noch auf die offiziellen Zahlen zum Jahresende warten, aber ich bin dennoch optimistisch gestimmt“, äußert sich Patrick Börsch zur Mitgliederentwicklung. „Wir haben starke und engagierte Vereine hier in der Region, so dass das Vereinsleben auch unter den Hygieneauflagen positiv fortgeführt werden konnte. Für diesen Einsatz der Mitglieder und Vorstände in den einzelnen Sportvereinen können wir wirklich dankbar sein.“