Pflegefamilien des Saale-Holzland-Kreises an der Holzmühle Kämmeritz

60 Kinder und 50 Erwachsene beteiligten sich am Sonnabend am Pflegefamilientag, der auch als ein kleines Dankeschön gedacht war.

Mit Begeisterung spielten die Kinder bei "Wo ist die Sau?" mit. Dabei kommt es auch darauf an, sich zum richtigen Zeitpunkt nicht mehr zu bewegen. Sonst heißt es: zurück zum Start.Foto: Oliver Will

Mit Begeisterung spielten die Kinder bei "Wo ist die Sau?" mit. Dabei kommt es auch darauf an, sich zum richtigen Zeitpunkt nicht mehr zu bewegen. Sonst heißt es: zurück zum Start.Foto: Oliver Will

Foto: zgt

Kämmeritz. Beim Mutsprung waren die Mädchen tapferer als die Jungen. Mutig sprangen sie auf fünf Meter Höhe hinab zu Andreas Feustel, der sie mit einem Seil sicherte.

Rund 60 Kinder und etwa 50 Erwachsene waren am Sonnabend zum Pflegefamilientag in den Seilgarten an der Holz­mühle Kämmeritz gekommen. "Zweimal im Jahr organisieren wir diese Treffen, auch als kleines Dankeschön", sagte Renate Matthes vom Pflegekinderdienst des Landratsamtes. "Es ist ja für uns nicht leicht, Familien zu finden, die Kinder auf­nehmen." Denn dies stelle auch eine große Herausforderung dar. "Kinder brauchen ja nicht nur liebevolle Betreuung, sondern auch intensive Erziehung."

Der Pflegefamilientag finde immer an verschiedenen Orten im gesamten Kreis statt. "Wir versuchen da immer etwas Neues zu finden", sagte Matthes. Im Kämmeritzer Seilgarten machte die vom Landratsamt finanzierte Veranstaltung zum ersten Mal Station. "Das ist ja ein richtiges Kleinod", so die Mitorganisatorin. "Zwar sind die Gäste hier wetterabhängig, aber wir Pflegefamilien haben Glück", sagte sie mit Blick zum Himmel, an dem einige Wolken vorüberzogen.

Zum Pflegefamilientag ge­hören immer Spielangebote. Zum einen, damit die Pflegeeltern Gelegenheit zum Er­fahrungsaustausch haben, zum anderen natürlich, um den Kindern eine Freude zu bereiten. Und dafür hatte Erlebnispädagoge Feustel von Seilbahn über Riesenleiter und -schaukel bis hin zum 14-Meter-Baum einiges in petto. "Es sind auch die Erwachsenen eingebunden, denn der Tag soll eine gemeinsame Erfahrung für Eltern und Kinder sein", erklärte er. "Es geht darum, beiden zu zeigen, was alles möglich ist, wenn man sich nur traut."

Das ließen sich die Kinder - neben Pflegekindern auch leibliche der Pflegeeltern und Freunde - nicht zweimal sagen. "Es ist sehr cool hier", meinte Florian aus Kahla. Bis zum Mittagessen hatte der Achtjährige die Wethau an die 20 Mal mit der Seilbahn überquert. Xenia aus Kleinebersdorf fand das Klettern und Balancieren am besten. Ganz begeistert waren alle von der Schaukel, mit der die Kinder weit über den Bachlauf schweben konnten. Ein anderer Höhepunkt war das Spiel "Wo ist die Sau?", bei dem die Kinder gegen Feustel antraten und das Plastiktier so gut versteckten, dass es der Seilgarten-Chef nicht entdecken konnte.

Indessen entwickelten sich viele Gespräche zwischen den Pflegeeltern. Martina Bachmann aus Wetzdorf beispielsweise berichtete von ihrer fast 20-jährigen Erfahrung. "Es ist eine sehr erfüllende Aufgabe, bei der trotz aller Schwierigkeiten die positiven Erfahrungen überwiegen", sagte die 56-Jährige. Ihr ältester Pflegesohn sei inzwischen bereits 26 Jahre alt und stehe immer noch im engen Kontakt zur Familie.

"Die Eingewöhnung entspricht in etwa der Schwangerschaftsdauer", meinte Claudia Hellmich-Puchta. Nach neun Monaten seien die Pflegekinder meist in ihren neuen Familien angekommen. "Dann kommt alles an den Tag, zum Teil sehr schwere Erlebnisse, die sie auch nie wieder ganz los werden." Ihrer Erfahrung nach seien die Pflegemütter alle sehr engagiert und setzten sich sehr für ihre Pflegekinder ein. "Dankbarkeit darf man nie erwarten, aber es ist schön, helfen zu können", so Hellmich-Puchta.

"Wir sind froh über jede Familie, die bereit ist, ein Pflegekind aufzunehmen", sagte Doreen Hoffmann, die vom Familiengericht bei problematischen Fällen als Vormund bestellt wird. "Die Hintergründe sind dann sehr schwierig." Denn erst wenn Hilfen zur Erziehung in der Familie keine Früchte tragen, werde nach externen Lösungen gesucht. "Und dann ist gerade bei den Null- bis etwa Zwölfjährigen die Heimunterbringung nur das äußerste Mittel", so Hoffmann. Viel besser sei die Unterbringung in einer Familie mit ihren sozialen Netzen.

Und solche wurden am Sonnabend auch in Kämmeritz geknüpft. Kommentar

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