Pößnecker Imker wollen verstärkt über die Rolle der Bienen als wichtige Nutztiere aufklären

Pößneck  Die schöne Vorfrühlingssonne der letzten Tage hat auch die ersten von ihnen schon aus ihren Stöcken gelockt: die Bienen.

Imker und Thüringer Bienenfreund Volker Radig ist begeistert, dass seine 16 Bienenvölker den Winter so gut überstanden haben. In den Kästen findet sich erstes Wachs, aber keine Milben, zeigte die gestrige Kontrolle. Foto: Brit Wollschläger

Imker und Thüringer Bienenfreund Volker Radig ist begeistert, dass seine 16 Bienenvölker den Winter so gut überstanden haben. In den Kästen findet sich erstes Wachs, aber keine Milben, zeigte die gestrige Kontrolle. Foto: Brit Wollschläger

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Imker Volker Radig, Bienensachverständiger und geehrter Thüringer Bienenfreund 2016, hat gestern seine Bienenstöcke kontrolliert und ist zufrieden: sie haben die kalten Januartage sehr gut überstanden. Bis zu etwa minus 25 Grad mache der Winter den Bienen nichts aus, erklärt der Fachmann. Die Insekten bilden dann eine Wintertraube. Je kälter es wird, desto dichter bilden sie die Traube, die stets in ihrem Innern über 20 Grad Celsius hat, weil die Heizer-Bienen mit ihrer Flügelkontraktion für Wärme sorgen. Im Winter brauchen die Bienen etwas Futter – Zucker zum Beispiel – und viel Ruhe.

Die Biene gehöre zu den wichtigsten Nutztieren überhaupt, betont Volker Radig. Zwei Drittel aller Lebensmittel seien auf die Blüten-Bestäubung bei den Pflanzen durch die Bienen angewiesen. Jedoch gehe die Population der Bienen weltweit dramatisch zurück. Allein in Deutschland habe es vor hundert Jahren noch vier Millionen Bienenvölker gegeben. Derzeit seien es nur noch rund 700 000, weiß Radig. Um die Artenvielfalt zu erhalten, seien sechs Bienenvölker pro Quadratkilometer nötig, derzeit gebe es aber hierzulande nur noch ein Drittel davon.

Mit Landwirten das Gespräch suchen

Der Imkerverein Pößneck hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die Rolle der Bienen in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Zu den Aktionen gehören zum Beispiel die Teilnahme mit eigenen Ständen an Veranstaltungen wie der Saale-Orla-Schau und dem Pößnecker Stadtfest oder der Imkerstammtisch. Ein Mal im Monat laden die Imker Interessenten ein, mehr über die wichtigen Insekten zu erfahren – und vor allem darüber, wie man zu ihrem Erhalt beitragen kann.

So wollen die Imker stärker mit den Landwirten der Region ins Gespräch kommen. Zum Beispiel darüber, dass Monokulturen in der so genannten industriellen Landwirtschaft für die Bienen ungünstig sind oder dass sie den Einsatz mancher Pflanzenschutzmittel nicht überleben. "Wir wünschen uns einen offenen Dialog mit der Landwirtschaft, den Gartenfreunden, aber auch den Verantwortlichen in den Grün-Ämtern der Städte und Gemeinden", so Radig. Ebenso willkommen seien Interessenten an der Imkerei, die vielleicht selbst Imker werden wollen oder Schulen, die Interesse an Projekten rund um die Biene starten wollen. Der nächste Imker-Stammtisch findet am 24. Februar ab 19 Uhr in der Gaststätte "Zur Erholung" statt.

Jeder Imker trage schließlich selbst eine hohe Verantwortung für den Erhalt der Bestände. Zum Beispiel durch den richtigen Umgang mit Milben, die ganze Bienenvölker auslöschen können. Zum Beispiel die Varroa-Milbe. Durch die Anwendung natürlicher Säuren wie Ameisensäure, Milchsäure oder Oxal-Säure können die Völker wirksam geschützt werden. "Natürlich verwenden wir keine Chemie, die hat in der Imkerei nichts zu suchen", betont Radig. Als Bienensachverständiger und eines von 26 Mitgliedern des Pößnecker Imkervereins berät er Kollegen und Interessenten auch zu diesen Aufgaben eines Imkers. Insgesamt gehöre ein gutes Basiswissen und viel Erfahrung zur erfolgreichen Imkerei. Radig betreibt sie als Hobby seit sieben Jahren. Zurzeit hält er 16 Völker auf seinem Grundstück unterhalb des Pößnecker Stadtwaldes.

Imkerei wie vor Jahrhunderten erleben

Interessenten, zum Beispiel Kindergruppen oder Senioren oder Menschen, die sich für die so genannte Stock-Therapie bei Problemen der Atemwege interessieren, sind bei Radig willkommen. Und er gewährt ungewöhnliche Einblicke ins Bienenwesen: Er hält die Bienenvölker nämlich nicht nur in typischen Holz-Kisten, sondern auch in so genannten Glotz-Beuten. Hier kann man sehen, wie die Imkerei schon vor Jahrhunderten betrieben wurde. Hier kann man den fleißigen Bienchen bei der Arbeit zu-"glotzen", sagt Radig schmunzelnd.

Weitere Informationen: www.imkerverein-poessneck.de Kommentar zum Beitrag: Honig als Wundermittel

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