Renthendorf: Echte Brehm-Präparate die Ausnahme

Bei einer Bestandsaufnahme in der Brehm-Gedenkstätte entdeckten Matthias Krüger, Chefpräparator des Phyletischen Museums, und Dietrich von Knorre nur wenige Vögel, die der "Vogelpastor" selbst ausstopfte.

Chefpräparator Matthias Krüger vom Phyletischen Museum in Jena zeigt den Bald eines Mäusebussards. Gemeinsam mit dem Zoologen Dietrich von Knorre untersuchte er den Erhaltungszustand der im Brehm-Haus ausgestellten Präparate.

Chefpräparator Matthias Krüger vom Phyletischen Museum in Jena zeigt den Bald eines Mäusebussards. Gemeinsam mit dem Zoologen Dietrich von Knorre untersuchte er den Erhaltungszustand der im Brehm-Haus ausgestellten Präparate.

Foto: zgt

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Renthendorf/Jena. Tagelang saß Christian Ludwig Brehm meist im trüben Funzelschein über Blaumeisen, Krähen und anderem gefiedertem Getier, um deren Balge abzuziehen. Tausende Vögel sezierte und präparierte der "Vogelpastor" so bis zum Ende seines Lebens. Die einzigartige Sammlung - verstaut in 48 Kartons - verblieb jedoch nicht in Renthendorf. Etwa 13 Jahre nach dem Tod vom "Thiervater" Alfred Brehm - dem Sohn von Christian Ludwig - verkauften die Erben 1897 die Sammlung aus schierer Geldnot für 15 000 Mark an Lord Rothschild.

Kein Wunder, dass nicht mehr viel Brehm im Brehm-Haus in Renthendorf ist - zumindest was Präparate angeht. "Von den 222 Vogelpräparaten stammen gerade einmal vier Original-Bälge sowie vier Habitus-Präparate aus der Zeit der Brehms", sagt Matthias Krüger, Chefpräparator des Phyletischen Museums in Jena, der gemeinsam mit Dietrich von Knorre den Gesamtbestand im Brehm-Haus erfasste. Anhand der handschriftlichen Zettel, die jedem Präparat beigefügt sind, konnten sie die Vögel eindeutig zuordnen.

So brachte Christian Ludwig Brehm im Jahr 1829 zwei Erlenzeisige in einem Uhrglassturz unter. Ein präparierter Kaiseradler aus dem Jahr 1848 stammt von Alfred Brehm, ebenso ein Raufußbussard, der 1876 ausgestopft von Sibirien seine Reise nach Deutschland antrat.

Während die kümmerlichen Überreste Brehm‘scher Habitus-Präparatorenarbeit noch in einem ansehnlichen Zustand sind, ist es um die vier Vogelbälge aus der Zeit des "Vogelpastors", die im Haus geblieben waren, eher schlecht bestellt. "Schadinsekten haben den Federschäften des Kuckuck- und des Hausrotschwanz-Pärchens heftig zugesetzt", nennt Krüger ein niederschmetterndes Ergebnis. Für ihn steht nun die Frage, ob man die Originale nach aufwändiger Restauration noch zeigen kann, oder ob es sinnvoller ist, zwei neue Pärchen der Vögel zu präparieren. "Das würde aber schon an ein Wunder grenzen, wenn man ein Kuckuck-Pärchen bekäme. Die sind nämlich überaus selten." Vielleicht, so Krüger, sei ja über eine Dauerleihgabe Abhilfe zu schaffen.

Ist doch die Brehm‘sche Vogelsammlung weitgehend komplett erhalten. Nachdem Rothschild die Sammlung für sein eigenes Museum erworben hatte, verkaufte er das Brehm‘sche Erbe Jahre später an das American Museum of History in New York, wo man heute noch den "Schatz" aus Deutschland hütet. Gerade einmal knapp 3000 Singvögel konnte über Umwegen und einem Tauschgeschäft ein Bonner Museum später sein eigen nennen.

Für seine Stopfpräparate griff Brehm auf die damals üblichen Materialien zurück: Heu und Werg wurden in die Bälge gestopft, die Flügel "tackerte" er mit Drähten an. "Einige Tiere sind verdrahtet, aber die Drähte sind nicht verankert", erklärt Krüger. Das mache die Restauration nicht gerade einfach. Um die Präparate vor Ungezieferbefall zu schützen, griff Brehm auf ein gängiges Mittel zurück: Arsen. "Die Konzentration ist zwar über die Jahrzehnte geringer geworden, aber Vorsicht sollte man dennoch walten lassen", meint der Chefpräparator .

Auch wenn nicht mehr viel Brehm da ist: Etliche Leihgaben und Schenkungen, die in der Gedenkstätte lagern, schätzt man in Jena als durchaus wertvoll ein. Beispielsweise Vogelpräparate aus Ostpreußen, die über Irrwege nach Renthendorf gelangten. "Da sind seltene Arten wie beispielsweise ein Zwergschwan darunter." Auch ein Auerhahn aus Renthendorf aus dem Jahr 1812 zähle dazu.

Mit Tupfer, Pinsel und Alkohol sollen - wenn die Finanzierung geklärt ist - die Brehm-Haus-Präparate wieder auf Vordermann gebracht werden. Bei neueren Präparaten ist es aus Sicht von Krüger sinnvoll, die Trägersysteme zu vereinheitlichen: geschätzte Kosten: rund 15 000 Euro.

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