Seit 120 Jahren soziales Wohnen in Nordhausen

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Ein Blick auf die Nordhäuser Baustelle der Arbeiter-Wohnungsbaugenossenschaft (AWG) in der Otto-Nuschke-Straße am Frauenberg im Jahre 1970.

Ein Blick auf die Nordhäuser Baustelle der Arbeiter-Wohnungsbaugenossenschaft (AWG) in der Otto-Nuschke-Straße am Frauenberg im Jahre 1970.

Foto: Udo Dietrich

Nordhausen.  Der 10. April 1901 war in Nordhausen die Geburtsstunde der heutigen Südharzer Wohnungsbaugenossenschaft.

Der 10. April ist für die Südharzer Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) ein besonderer Tag. Denn es war der 10. April 1901, an dem der Nordhäuser Spar- und Bauverein als eingetragene Genossenschaft gegründet worden ist. Das war die Geburtsstunde der heutigen WBG. „Das sind 120 Jahre, in denen das gemeinsame soziale Wohnen in Nordhausen im Mittelpunkt steht“, meint Vorstand Sven Dörmann.

Vor der Gründung seien die Wohnverhältnisse in den Arbeitervierteln der Stadt untersucht worden, blickt Dörmann zurück. Die Ergebnisse seien erschreckend gewesen. Es herrschten menschenunwürdige Zustände und Wohnungsnot in Nordhausen um die Jahrhundertwende.

Schon zum 25-jährigen Bestehen der ersten Genossenschaft haben die Mitglieder feststellen können, „dass sich der Aufwand und das Engagement beim Aufbau des Spar- und Bauvereins gelohnt hatten“.

Zwei weitere Genossenschaften gründeten sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Nordhausen. Später verschmolzen die drei zur Nordhäuser Baugenossenschaft. Seit dem Jahr 1954 gab es die Arbeiter-Wohnungsbaugenossenschaft (AWG) – der Vorläufer der heutigen WBG.

Die ersten Jahre nach der politischen Wende in der DDR seien geprägt vom Ringen um Liquidität, erinnert Dörmann. Der Übergang in die neue Zeit gelang. In den darauffolgenden Jahren habe sich die WBG zum größten Wohnungsvermieter in Nordthüringen entwickelt. So stieg ab 1999 der Wohnungsbestand durch die Verschmelzungen mit Genossenschaften in Ilfeld, Niedersachswerfen, Bleicherode, Heringen und Rottleberode auf aktuell rund 7000 Wohnungen. Mehr als 6800 Frauen und Männer seien derzeit Mitglieder der WBG. Von denen seien 600 bereits länger als 50 Jahre Teil der Gemeinschaft. Und 250 bewohnen noch immer die gleiche Wohnung wie zu ihrem damaligen Eintritt. Gleichgeblieben seien auch die genossenschaftlichen Prinzipien der Selbstverwaltung, Selbstverantwortung und der Selbsthilfe, betont Dörmann, verändert haben sich die Anforderungen. „Wohnen mit Service“ lautet inzwischen die Philosophie der WBG.

Die neuen Herausforderungen machen auch vor den internen Abläufen der Verwaltung der Genossenschaft keinen Halt. Neue Technik, steigende Baupreise, Digitalisierung, neue Software und ein ökologischer Fahrzeugpark seien nur einige Beispiele der täglichen Anforderungen an die Mitarbeiter, berichtet Dörmann. Hinzu kommen die Investitionen in den Wohnungsbestand. 320 Millionen Euro habe die Genossenschaft seit 1990 in Modernisierung, Sanierung und Neubau investiert.

In diesem Jahr, dem 120. der Genossenschaft, werden es weitere 14 Millionen Euro sein. Aktuelle Projekte in Nordhausen sind unter anderem die Modernisierung im Projekt „Seniorenwohnen am Aueblick“ und der Neubau „Green-One“ in der Stolberger Straße.

Die Corona-Pandemie trübt das Jubiläum. „Wir wollen kurzfristig reagieren, wenn Feiern möglich und vernünftig erscheinen. Exakte Zusagen zum Inhalt einer Jubiläumsfeier sind noch nicht planbar“, bittet der WBG-Vorstand um Verständnis.