So recht zur Sommerzeit: „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn

Jena  Rezension: Gemeinschaftskonzert von Friedrich-Schiller-Universität Jena und Akademischem Orchester Erfurt

Wie oft ist man der „Schöpfung“, diesem berühmten Werk von Joseph Haydn, schon begegnet und hat dennoch neue Akzente erlebt?

So einst dem Meister selbst, als er bei seinen Aufenthalten in England mit den Oratorien von Händel näher bekannt wurde. Händel plante schon einmal so etwas Ähnliches, zumindest war der Text zu einer Art „Schöpfung“ überliefert. Wieder daheim komponierte Haydn sein Werk 1796-1798 und bemerkte: „Ich war noch nie so fromm, als während der Zeit, da ich an der Schöpfung arbeitete: täglich fiel ich auf meine Knie nieder dass er Kraft zur glücklichen Schaffung dieses Werkes verleihen möge.“ Am 29./30. April 1798 fanden unter seiner Leitung die ersten Aufführungen statt. Wie aktuell klingt der Bericht heutzutage in ähnlichen Zusammenhängen, wenn man liest, dass dabei 30 Gendarmen, darunter 18 Berittene zugange gewesen sind, um den Weg zur Aufführung im Schwarzenberg‘schen Palais freizuhalten. Nach Korrekturen dann die öffentliche Aufführung am 19. März 1799 im alten Wiener Burgtheater mit 120 Instrumentalisten und 60 Choristen.

Die Aufführung am Sonntag in unserer Stadtkirche St. Michael, sozusagen ein Gemeinschaftswerk des Universitäts- und Studentenchores der FSU mit dem Akademischen Orchesters Erfurt unter Leitung von Sebastian Krahnert. Die Solisten ideal besetzt mit Jana Reiner als Gabriel und Eva (Sopran), Patrick Grahl (Uriel, Tenor) und Tobias Berndt in der Rolle des Raphael und Adam (Bass). Die Schöpfungsgeschichte in den Orchestervorspielen mit Aufgang der Sonne, Erschaffung der Tiere sowie dem Chaos angestimmt, sorgte ebenso für inspirierende Stimmung bei den Hörern wie die Szenerien mit den Solisten und Chor einschließlich der menschlichen Existenz im 3. Teil. Abgesehen von der allzu bekannten akustischen Situation des großen Nachhalls in St. Michael, wo man vielleicht manchmal das Forte im Orchester etwas dämpfen müsste in einigen Partien und zum Chor, dankten die Konzertbesucher Sebastian Krahnert, den Solisten – mit Deborah Grahl (Alt) im abschließenden Quartett – für eine in sich schlüssige und berührende Wiedergabe dieses über die Zeiten populär gewordenen Werkes.

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