Sömmerda bewirbt sich um Landesgartenschau 2028

Sömmerda.  Der Stadtrat befürwortet mit deutlicher Mehrheit das Ausrichten der Veranstaltung im Jahr 2028.

Nicht nur der Stadtpark Sömmerda mit seinem Baumbestand bietet Potenzial.

Nicht nur der Stadtpark Sömmerda mit seinem Baumbestand bietet Potenzial.

Foto: Jens König

Die Stadt Sömmerda will sich um die Ausrichtung der 6. Thüringer Landesgartenschau 2028 bewerben. Dies beschloss der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstagabend mit großer Mehrheit. Die Bewerbung soll über den Zweckverband Allianz „Thüringer Becken“ erfolgen, wobei das Kerngebiet der Veranstaltung in der Stadt Sömmerda liegt.

Bürgermeister Ralf Hauboldt (Linke) hatte sich vor der Abstimmung an die Stadträte gewandt, „um an Ihr Herz zu appellieren“. Die Ausrichtung der Landesgartenschau 2028 sei eine einmalige Chance, die sich für die Stadt, die Stadtentwicklung, die Ortsteile und die Region biete. Er sehe in Sömmerda immenses Potenzial im Martinipark, dem Brückenensemble, den Baumalleen, den Deichen oder dem Stadtpark, für den es schon einmal ein Gestaltungskonzept gegeben habe. Und er erwarte eine „riesige Aufwertung“ für die Kreisstadt.

Wie hoch die Förderquote des Landes für 2028 tatsächlich sei, könne zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nicht sicher gesagt werden, räumte der Bürgermeister ein. Man habe sich die Bewerbung von Leinefelde/Worbis, dem Ausrichter der Landesgartenschau 2024, angesehen und da werde einem angesichts der Zahlen schon etwas anders im Magen. Von 40 Millionen Gesamtkosten gehe man dort aus, rechne aber alles hinein, was innerhalb der sechs Jahre Vorbereitung finanziert werde, auch im Bereich Städtebauförderung. Da komme man recht schnell auf eine solche Summe, und man müsse natürlich auch alles auf die Bedingungen vor Ort zuschneiden.

Keiner der bisherigen Ausrichter sei in den Ruin getrieben worden, betonte Hauboldt. Und wenn die Landesgartenschau ein Verlustgeschäft wäre, würden sicherlich nicht so viele Kommunen ihr Interesse an der Ausrichtung bekunden. Für 2028 bewerben sich auch Zella-Mehlis, Oberhof, Suhl und Schleusingen als gemeinsamer Ausrichter, Sondershausen, Artern und Bad Frankenhausen wollen wohl auch gern auf den Zug aufspringen, so der Bürgermeister. Und es gibt in weiteren Städten dazu Überlegungen.

Über das Prozedere der Bewerbung informierte Julia Ansorg, Projektmanagerin des Verbands und Büroleiterin des Bürgermeisters, die Stadträte. So ist in der ersten Stufe der Bewerbung ein formloser Antrag als Willenserklärung bis zum 31. Dezember 2020 beim Landwirtschaftsministerium vorzulegen. In dieser Phase fallen für die Stadt noch keine Kosten an, weil die Unterlagen von den Verwaltungen zusammengestellt werden, so Ansorg. In der zweiten Stufe sind bis zum 31. Oktober 2021 erweiterte Unterlagen (Machbarkeitsstudie, Kostenschätzung, Finanzierungsplan etc.) vorzulegen. Dabei sollen neben Konzepten auch bürgerschaftliche Aktivitäten einfließen.

Für die Finanzierung ist ein Eigenanteil aufzubringen, dazu kommen ein Landeszuschuss für das Kerngebiet (zuletzt ging es dabei um 5,2 Millionen Euro bei 75 Prozent Förderhöhe), weitere Zuschüsse, Sponsoring, Gebühren und Entgelte. Für die Ausrichtung müsse zwingend eine GmbH gegründet werden, der Zeitpunkt dafür sei variabel, so die Projektmanagerin.

Erste Überlegungen für die Umsetzung seien in der Allianz bereits besprochen worden. In Sömmerda könnten neben Stadtpark, Martinipark und Kronbiegelpark der Gondelteich, die Werrchenwiese, die Unstrut, die Grünanlagen entlang der Stadtmauer, der Industriepark, der Rodelberg und die Wegeführung südlich der Neuen Zeit einbezogen werden. Für die Mitgliedsgemeinden des Zweckverbands, die vom festen Zuschuss des Landes nicht profitieren können, wäre zum Beispiel eine Präsentation innerhalb einer Allianz-Woche denkbar.

Nach diesen Ausführungen zum Beschlussvorschlag eröffnete Matthias Werner, der den erkrankten Stadtratsvorsitzenden Burkhard Zeidler vertrat, die Debatte und ging mangels Wortmeldung zur Abstimmung über. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Sven Röbbenack hatte offenbar den Zeitpunkt für seine geplante Ansprache verpasst. Für die Begründung der Ablehnung der Bewerbung durch seine Fraktion – die gesamte Stadtentwicklung werde dann sechs Jahre lang auf die Landesgartenschau ausgerichtet und die Stadt- und Ortsteile ohne Veranstaltungsfläche würden in der Prioritätenliste nach hinten rutschen – war es in diesem Moment zu spät.

Die drei Mitglieder der AfD-Fraktion stimmten gegen den Beschlussvorschlag zur Bewerbung, außerdem gab es eine Enthaltung. Die große Mehrheit stimmte mit Ja.

Nun liegt es an den Akteuren, mit einer möglichst ausführlichen, aussagefähigen und schlüssigen Begründung der Bewerbung zu überzeugen. Jeder sei gefragt, seine Ideen einzubringen, ermunterte Ralf Hauboldt zum aktiven Mittun.