Sonderausstellung über 110 Jahre öffentliche Gasversorgung in Triptis

Triptis  Ausstellung informiert über die bewegte Geschichte des Triptiser Gaswerkes

Rainer Martick, Autor der Sonderausstellung „110 Jahre ­öffentliche Gasversorgung – Im Auf und Ab: Triptis und sein Gaswerk“, informiert auf der Vernissage über seine Erkenntnisse.

Foto: Sandra Hoffmann

Eine moderne Gasbeleuchtung für Straßen, Wohnungen und Produktionsstätten – das wünschten sich die Triptiser um 1900, nachdem viele Städte um sie herum bereits seit Jahren erfolgreich ein Gaswerk betrieben. Doch die Stadtväter machten sich die Entscheidung für ein Gaswerk nicht leicht, war dieses doch zum einen recht teuer und machte zum anderen das elektrische Licht bereits zunehmend Konkurrenz. Und so dauerte es bis zum 14. August 1905, bis ein Gaswerk in Triptis in Betrieb ging. 1908 und damit vor 110 Jahren wurde es durch die Stadt gekauft und ging damit in kommunales Eigentum über.

Über die bewegte Geschichte des Triptiser Gaswerkes informiert derzeit die Sonderausstellung „110 Jahre öffentliche Gasversorgung – Im Auf und Ab: Triptis und sein Gaswerk“ im Rathaussaal der Stadt. Die Energiegeschichte der Kleinstadt bringt die Teag Thüringer Energie AG detailreich nahe und ­dafür haben Matthias Wenzel und Rainer Martick über ein Dreivierteljahr recherchiert. Unterstützt wurden sie unter anderem von der Verwaltung der Stadt und der Verwaltungs­gemeinschaft Triptis. Im Ergebnis können die Triptiser und alle Interessierten viel Spannendes über das Gaswerk und die Elek­trifizierung von Triptis lernen sowie thematische Exponate aus den vergangenen 100 Jahren anschauen.

„Ich habe das Gaswerk damals noch erlebt, wie geschippt und der Koks vom Bahnhof abgeholt wurde“, berichtete Bürgermeister Berthold Steffen (FWG) auf der Vernissage am Montagabend im Rathaussaal. Auf dem Gelände des heutigen Bauhofes ist das Gaswerk durch Edmund Winkert aus Metz errichtet worden. Zugleich entstanden das Rohrnetz mit den Haus­anschlüssen und die Gaslaternen. Den Bau finanzierte die „Gaswerk Triptis (Sachsen-Weimar) Aktiengesellschaft“, vertreten durch Edmund Winkert und Johannes Brandt (Bremen) und unter der Beteiligung des Direktors des Triptiser Porzellanwerkes. Die Aktiengesellschaft betrieb das Gaswerk zunächst auch.

„Unsere im letzten Herbst eingerichtete Gasbeleuchtung erfreut sich einer zunehmenden Beliebtheit. Das von der Firma Winkert in Metz erbaute Gaswerk liefert bei ermäßigten Preisen ein helleres Licht, als es unsere Nachbarstädte mit Gasbeleuchtung oder elektrischer Anlage genießen“, berichtete der Triptiser Anzeiger am 21. Dezember 1905 stolz. Die neuesten Erfindungen der Wissenschaft und Technik wie die ­Anwendung von Selbstzündern­ und zylinderlosen Lampen ­kämen den Triptisern zugute, hieß es.

Die guten Betriebsergebnisse veranlassten den Gemeinderat der Stadt Triptis, das Gaswerk in städtischen Besitz zu übernehmen. Dies geschah zum 1. November 1908 für 154 000 Mark.

Personalprobleme verschlechterten Ende 1915 die ­Lage im Werk. Gasmeister ­Alfred Becker wurde zum Kriegsdienst eingezogen und ­damit war das Gaswerk ohne fachliche Führung. Die Stadt entschied sich, das Werk zum 1. Dezember 1916 an die Thüringer Gasgesellschaft zu verpachten. Dieser Schritt erwies sich für sie später als Fehler, denn nach Streitigkeiten mit der Gesellschaft erhielt die Stadt keine Einnahmen mehr aus ihrem eigenen Gaswerk. Dafür nahm sie im Dezember 1925 die Stromversorgung in ihre Hand und stellte am 1. Mai 1926 die Straßenbeleuchtung von Gas auf Strom um.

Das Gaswerk wurde nach Auslaufen des Vertrages mit der Thüringer Gasgesellschaft zum 1. Dezember 1941 an die Stadt Triptis zurückgegeben und Teil der Stadtwerke Triptis. Diese betreuten ab diesem Zeitpunkt die Gas-, Elektrizitäts- und Wasserversorgung in der Stadt, berichtete ­Rainer Martick.

Seit 1965 verwirklichte der VEB Energieversorgung Gera, Sitz Jena ein regionales Gashochdrucknetz im Bezirk Gera. Ein Bestandteil war der Bau der Ferngasleitung FGL 55 von Chursdorf nach Gera. Anfang 1966 wurde der Abschnitt von Chursdorf bis Triptis fertiggestellt. Das war die Voraussetzung, um das Gaswerk Triptis außer Betrieb zu nehmen und am 14. Mai 1966 stillzulegen.

Im September 1992 wurden in Triptis und Auma innerhalb von fünf Tagen gleichzeitig 800 Kunden mit 1840 Geräten auf Erdgas umgestellt. Heute erfolgt die Versorgung der Stadt Triptis mit Erdgas aus dem Hochdrucknetz der Thüringer Energie AG.

Meine Meinung Die Sonderausstellung ist bis zum 13. September während der Öffnungszeiten der Stadtverwaltung Triptis zu besichtigen: Montag bis Freitag (außer Mittwoch) 9 bis 12 Uhr sowie am Dienstag von 13 bis 17.30 Uhr und am Donnerstag von 13 bis 15 Uhr

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