Sozialforscher aus Hessen erkunden Lebensgefühl in Katzhütte

Katzhütte  Online-Umfrage für den Landkreis und studentische Haustür-Interviews sind derzeit in Arbeit.

Landrat Marko Wolfram (SPD) und Helena Reingen beim Start der Fragebogenaktion.

Landrat Marko Wolfram (SPD) und Helena Reingen beim Start der Fragebogenaktion.

Foto: Arne Nowacki

„Nein, die aktuelle politische Lage in Katzhütte hat nichts damit zu tun. Auf sie sind wir im Laufe unserer Arbeit gestoßen“, sagt Professor Berthold Vogel. Er leitet das soziologische Forschungsinstitut in Göttingen, das zur dortigen Georg-August-Universität gehört. Weil er auch an der Uni Kassel einen Lehrauftrag hat, sind zehn Studenten aktuell in Katzhütte im Rahmen der universitären Lehre unterwegs.

„Ganz zufällig“ hat sich Vogel auch die Gemeinde Katzhütte nicht ausgesucht: „Es gibt in der Soziologie eine berühmte Untersuchung über das österreichische Industriedorf Marienthal und seinen tiefgreifenden Strukturwandel nach Wegfall der Industrie. Meiner Meinung nach ist Katzhütte mit Marienthal durchaus vergleichbar.“

Auch wenn die neuen Länder generell und der ländliche Raum besonders mit dem Systemwechsel viele Umbrüche erlebten, ist der Fall Katzhütte ein besonderes Menetekel, er hat seit der Wende beispielsweise die Hälfte der Einwohner verloren.

Die Studenten fragen nicht nur nach persönlichen Sichten auf die vergangenen Jahrzehnte und auf Zukunftsperspektiven sondern ausdrücklich auch, was die Katzhütter an oder in ihrem Heimatort lieben.

„Weil wir in den Gesprächen Anonymität zusichern, verbieten sich auch Fotos von der eigentlichen Interviewarbeit“, sagen Berthold Vogel sowie Helena Reingen, die die Sozialwissenschaftler als hiesige Akteurin unterstützt. Dass die umstrittene politische-administrative Zukunft Katzhüttes die Fragen überlagert, haben die Interviewer wohl bemerkt, sehen darin aber kein Problem. In gewisser Weise sei die aktuelle Debatte ja auch eine direkte Folge des Strukturwandels.

Zeitgleich starteten Göttinger Sozialforschungsteams eine Online-Befragung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Landkreisen Saalfeld-Rudolstadt und Waldeck-Frankenberg und bitten bis 11. Juni um rege Beteiligung. Sie wollen wissen, wie es um die „sozialen Rahmenbedingungen“ in den Gemeinden bestellt ist und wie die Bürgerinnen und Bürger das Leben in ihrem Dorf, ihrem Stadtteil, ihrer Nachbarschaft beurteilen.

Das Verbundprojekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und von Professor Berthold Vogel vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen und Professorin Claudia Neu von der Universität Göttingen in den zwei Landkreisen gestartet.

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