Drei Thüringer Städte ringen um Zukunftszentrum

Hanno Müller
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Katja Wolf, Oberbürgermeisterin von Eisenach, will das Zukunftszentrum in die Mitte Deutschlands und Europas holen.

Katja Wolf, Oberbürgermeisterin von Eisenach, will das Zukunftszentrum in die Mitte Deutschlands und Europas holen.

Foto: Kathrin Dölle

Erfurt.  Mit Eisenach, Jena und Mühlhausen gehen drei Thüringer Städte ins Rennen um den Sitz des Zukunftszentrums für die deutsche Einheit.

In die Thüringer Bewerbungen um den Standort für das geplanten „Zukunftszentrums für Europäische Transformation und Deutsche Einheit“ kommt Bewegung. Neben ostdeutschen Städten wie Leipzig, Frankfurt-Oder und Plauen werfen Eisenach, Jena und ein Städtebund aus Mühlhausen und Eschwege ihren Hut in den Ring. Die Wartburgstadt präsentierte sich am Dienstag bereits in der Erfurter Staatskanzlei. Termine beim Land für die anderen Bewerber folgen.

Der Bundestag hatte Mitte Mai endgültig für die Einrichtung des Zentrums gestimmt. Es soll Knotenpunkt für die wissenschaftliche und kulturelle Auseinandersetzung mit Erfahrungen rund um die Wiedervereinigung und die innere Einheit Deutschlands werden. Wer den Zuschlag erhält, kann auf Investitionen in Höhe von 200 Millionen Euro hoffen. Das Jahresbudget soll 43 Millionen Euro betragen. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung Carsten Schneider (SPD) stellte eine Standortwahl für die zweite Jahreshälfte in Aussicht. Start des Zentrums soll 2027/2028 sein.

Auch vor Ort intensivieren die Thüringer Bewerber ihre Bemühungen. In Eisenach bildete sich eine Arbeitsgemeinschaft aus Vertretern von Stadt, Museen, Wartburgstiftung, den Universitäten Erfurt und Mannheim sowie den Hochschulen Eisenach-Gera und Fulda. Die Petition „Zukunft gehört ins Zentrum“ unterschrieben bis zum gestrigen Mittwoch mehr als 1500 Menschen. Das Zentrum gehöre in die Mitte Deutschlands und Europas, nicht an den Rand, sagte Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Die Linke). Unterstützung dafür kam diese Woche auch aus der oppositionellen CDU-Fraktion im Landtag.

Die Stadt Jena bewirbt sich gemeinsam mit der Friedrich-Schiller-Universität. Bei einem Symposium Anfang dieser Woche beantwortete Jörg Ganzenmüller, Professor für Osteuropäische Geschichte und Chef der Stiftung Ettersberg, die Frage „Warum Jena?“ mit dem Hinweis, dass die Uni bereits Zentrum für die Erforschung von Systemumbrüchen im Nachwende-Europa ist und man so an Erkenntnissen etwa des renommierten Imre-Kertesz-Kollegs anknüpfen könne. „Die vergleichende Erforschung der postsozialistischen Gesellschaften findet nirgendwo bessere Voraussetzungen als in Jena“, so Ganzenmüller. Details und Köpfe zur Bewerbung will Jena noch in diesem Monat öffentlich machen.

Mühlhausen tritt mit Eschwege als Doppelstandort an. Dafür habe man zeitig um die Unterstützung sowohl Thüringens als auch Hessens geworben. Man arbeite mit einem Expertenteam aus Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen zusammen, eine Bürgerbeteiligung ist in Vorbereitung, so die Mühlhäuser Stadtverwaltung. Bis 1989 im Sperr- bzw. „Zonenrandgebiet“ gelegen, hätten die Bewohner beider Städte individuelle Erfahrungen mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Umbrüchen auf beiden Seiten der Grenze gemacht. „Sie bringen sowohl die Ost-, als auch die West-Perspektive in die Arbeit des Zentrums ein. Beide Städte sind zudem nahe am geografischen Mittelpunkt Deutschlands und zugleich im Herzen Europas verortet“, sagte Sprecherin Anke Pfannstiel. Das mache den Städtebund zum geeigneten Standort für das Zentrum.

Die Staatskanzlei fördert zunächst alle drei Bewerbungen mit je 50.000 Euro. In zwei Wochen will der Kulturausschuss beraten, welche Stadt unterstützt wird. Die Entscheidung fällt das Kabinett Ende Juli. Die Bewerbungsunterlagen müssen dann im Herbst beim Bund eingereicht werden.