Triptis: Von Gefühlen und praktischem Versuch

Triptis  Mit einem Vortrag zu emotionaler Didaktik begann ein ­bemerkenswert gefühlvoller Fachtag für fast 80 Erzieher/innen und Lehrer/innen an Kitas und Schulen aus ganz Thüringen in Triptis.

Eine theoretische Überlegung und die erlebte Praxis liegen manchmal nicht so nah beieinander, wie ein Versuch mit einem Fahrrad in einem Fachvortrag zum Thema "Emotionale Didaktik" mit dem Referenten Foto: Brit Wollschläger

Eine theoretische Überlegung und die erlebte Praxis liegen manchmal nicht so nah beieinander, wie ein Versuch mit einem Fahrrad in einem Fachvortrag zum Thema "Emotionale Didaktik" mit dem Referenten Foto: Brit Wollschläger

Foto: zgt

"Haben Sie heute schon gefühlt?", fragte Referent Michael Kobbeloer in die Runde. Da war die Antwort- und Meldefreude am Sonnabendmorgen im Saal noch sehr verhalten. "Ja, ich weiß, über Gefühle spricht man nicht", bestätigte sofort der Sozialpädagoge und Fachmann für "Emotionen in Erziehungs- und Bildungsprozessen", der inzwischen in ganz Deutschland darüber bemerkenswerte Vorträge hält.

Und so einen erlebten die fast 80 fast nur weiblichen Teilnehmer bei der Fachtagung "Übergänge gestalten" in der Gemeinschaftsschule Am Morgenberg in Triptis.

Wer heute schon gefühlt hatte, sollte einfach kurz summen – und fast alle summten auch. Kobbeloer verstand es, auf beeindruckende, sehr sympathische, ja berührende Weise die Bedeutung des Fühlens in allen Lebenssituationen anhand von guten Beispielen zu erklären – und was das alles mit dem Fachtag "Übergänge gestalten" zu tun hat. Bevor der Mensch denkt, fühlt er, stellte Kobbeloer fest. Und er erinnerte auch an negative Gefühle, die wohl jeder in seiner eigenen Kindheit erlebt hat.

Fachtag in Triptis war Kooperations- Premiere

Das Schämen oder Beschämt-Werden vor der ganzen Gruppe oder Klasse zum Beispiel, das am Ende noch nie ein Kind motiviert habe. Und für ein paar Momente sollten die Teilnehmer des Vortrags damit rechnen, die beschämendste Situation ihrer Schulzeit vor allen vorn im Saal in Reimform zu erklären. Puh, das hat er nicht ernst gemeint. Aber er hat mächtig viel Gefühl damit ausgelöst.

Kobbeloer beschrieb Emotionen als Klebstoff für Informationen, als Basis für Kreativität, als höchst bedeutsam für erfolgreiches Lernen. Auch beim uralten Prinzip von Versuch und Irrtum, das er mit den Teilnehmern praktisch durchspielte. Da war nämlich die Sache mit dem Fahrrad, die so wohl noch niemand in diesem Saal probiert hatte. Die zunächst theoretische Frage war, in welche Richtung sich ein Fahrrad bewegt, das an einer Schnur an der linken Pedale nach hinten gezogen wird – das Fahrrad wird dabei am Lenkrad so gestützt, das es nicht umfällt. Die Meinungen gingen in der Diskussion stark auseinander. So wurde es schließlich live ausprobiert. Tatsächlich wurde das Versuchs-Fahrrad nach hinten gezogen. Warum das logisch ist, erklärte der Referent am Ende auch. Und er machte in seinem Vortrag Mut zum Ausprobieren, Mut zum Scheitern und zum Lernen aus Fehlern.

Emotionale Didaktik und Freude am Lernen

Michael Kobbeloer vermisse die Freude im modernen Lexikon der Pädagogik und motivierte die Anwesenden, Lernkomplizen der ihnen anvertrauten Kinder zu sein, sie positiv zu begleiten, kreativ, leidenschaftlich und eigeninitiativ zu sein.

Der Fachtag in Triptis war in seiner Art eine Premiere – nämlich als Kooperation der Landesorganisation der freien Träger in der Erwachsenenbildung Thüringen e.V. (LOFT) und des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM). Evelyn Sittig, Verbandsreferentin des LOFT und Katrin Zwolinksi, Referentin für frühkindliche Bildung am ThILLM, begrüßten die Erzieherinnen an verschiedenen Kindertagesstätten und Lehrerin aus Schulen aus verschiedenen Thüringer Kreisen.

In mehreren Workshops ging es um Übergänge, denen sich insbesondere Kinder im Vorschul- und Grundschulalter zu stellen haben: von der Familie in die Kita, von der Kita in die Schule, vom Spielen zum Lernen, in eine neue Umgebung, zu neuen Freunden. Themen waren unter anderem Trennungsschmerz und Kita-Lust mit verschiedenen Eingewöhnungsmodellen für die Erstbesuche in Krippe oder Kindertagesstätte sowie "Eltern als Experten ihrer Kinder", "Sprachlust – Lust auf Sprache" und "Lerngymnastische Übungen für Kinder". Zu den Referentinnen gehörten Erziehungswissenschaftler, Sozial- und Sonderpädagogen, eine besonders spezialisierte Sportlehrerin, eine Biologin und Ergotherapeutin und eine Wirtschaftswissenschaftlerin und Lerntherapeutin im Kindes- und Jugendalter.

Begeistert von dem Fachtags- Angebot äußerte sich Sabine Festag-Schwalbe, Schulleiterin der Grundschule Am Rosenhügel in Pößneck. Ihr gefiel der Einführungsvortrag von Michael Kobbeloer sehr gut. "Es ist wichtig, dass die Kinder mit Freude in die Schule kommen und für das Lernen aufgeschlossen sind. Ohne Freude geht nichts", betonte die Pößnecker Pädagogin. Auch Rosemarie Jobst vom Studienseminar in Gera lobte das Fachtagsthema und den gelungenen Vortrag zur Emotionalen Didaktik und Lernfreude. Freunde an diesem ganz und gar freiwilligen Weiterbildungs-Fachtag hatten die Teilnehmer/innen ganz offensichtlich – und nutzen auch das Angebot des Triptiser Gastgebers Uwe Zeng, Schulleiter der Gemeinschaftsschule, die Pausen im Freien zu verbringen und angeregte Gespräche zu führen. "Ihre" Kinder werden die Ergebnisse wohl sofort fühlen können.

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