Überfall in Mosambik bis heute ungeklärt

In den 1980er Jahren halfen Manfred Grunewald aus Frauenprießnitz und andere Landwirte in Mosambik beim Aufbau einer Staatsfarm. Acht Deutsche kamen bei einem Überfall ums Leben.

Angehörige der Attentatsopfer und Freunde der DDR-Entwicklungshelfer bei einem Besuch in Mosambik. Foto: Manfred Grunewald

Angehörige der Attentatsopfer und Freunde der DDR-Entwicklungshelfer bei einem Besuch in Mosambik. Foto: Manfred Grunewald

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Frauenprießnitz. Der 6. Dezember ist für Manfred Grunewald ein besonderer Tag - seit 30 Jahren. Ein Tag der Traurigkeit und der Dankbarkeit, denn es ist nur einem glücklichen Zufall zuzuschreiben, dass der Frauenprießnitzer diesen 6. Dezember 1984 überlebte.

Manfred Grunewald, der in der Frauenprießnitzer LPG die Tierproduktion geleitet hatte, war damals Aufbauhelfer einer Staatsfarm auf der Hochebene von Niassa in Mosambik - und mit seiner Frau auf Heimaturlaub unterwegs. Acht seiner deutschen Kollegen und eine bis heute unbekannte Zahl einheimischer Arbeiter wurden an diesem Tag auf der Fahrt zur Arbeit heimtückisch von Bewaffneten überfallen.

In Mosambik herrschte damals Bürgerkrieg, Entwicklungsprojekte, die Mosambik mit der DDR und verschiedenen anderen Staaten zum Aufbau der Wirtschaft, der Lieferung von Rohstoffen sowie von tropischen Früchten vereinbart hatte, seien immer wieder Ziel militanter Gegner gewesen.

"Der Überfall auf die Farmer in Unango ist bis heute nicht aufgeklärt, die Schuldigen sind nicht gefunden und bestraft worden", bekennt Grunewald. Fast alle europäischen Entwicklungshelfer, die sich im Transport befanden, sind dabei getötet worden, unter ihnen war auch der Steudnitzer Wolfgang Smardz. "Er hatte mit mir in der Frauenprießnitzer LPG gearbeitet, in Unango war er stellvertretender Leiter der Farm und für die Deutschen vor Ort so etwas wie der Bürgermeister", erinnert er sich.

"Das Attentat auf unsere Gruppe in Unango hatte für die Frauen und Familien, aber auch für die Kollegen, die verschont blieben, traumatische Folgen, räumt Grunewald ein. "Deshalb wollten wir alle fast zwei Jahrzehnte das Thema nicht in der großen Öffentlichkeit erörtern."

"Aber ich habe nun aufgegeben zu schweigen, denn alle Toten von Unango sind es wert, dass man über sie spricht, dass man sich ihrer erinnert und dass man ihrer gedenkt", sagt Grunewald heute, 30 Jahre nach dem schrecklichen Ereignis. "Sie haben alle mit einer zutiefst humanen Grundeinstellung, fachlichem Können und großen persönlichem Engagement einer guten Sache gedient. Die hinterrücks Getöteten - Wolfgang Smardz, Uwe Wriedt, Günter Skibbe, Manfred Lindner, Klaus Einecke, Helmut Liepe, Hans-Dieter Wagner, Jürgen Michel, der jugoslawische Entwicklungshelfer Branko Vujovic und der schwer verletzte Klaus Pohl - sie alle wollten helfen, ein durch Kolonialismus und Krieg gebeuteltes Land aufzubauen, die Bevölkerung besser mit Nahrungsgütern zu versorgen und bei der Ausbildung der Menschen auf dem Lande einen Beitrag zu leisten. Das alles war in Unango auf einem guten Weg", versichert Grunewald.

Die Entwicklungshelfer, die die DDR nach Afrika sandte, seien gut vorbereitet gewesen, sagt Grunewald. Landwirtschaftliches Wissen über die Bedingungen auf dem fremden Kontinent und portugiesische Sprachkenntnisse hatten sie zu Hause bei Lehrgängen erworben. "So konnten wir uns von Anfang an direkt mit den Menschen verständigen und brauchten bei der Arbeit keine Übersetzer wie Abgesandte aus anderen Ländern, etwa China oder Rumänien."

Auch wenn aus heutiger Sicht der Einsatz der Entwicklungshelfer in Mosambik in den 1980er Jahren von manchen anders beurteilt werde, lässt sich Manfred Grunewald nicht beirren: "Ich denke, dass in der Welt von heute sauberes Wasser, Strom, Leben ohne Hunger, gesundheitliche Betreuung und Bildung als Grundbedürfnisse auch jedem Entwicklungsland zugebilligt werden sollte."

Bei einem Besuch in Unango vor fünf Jahren trafen Manfred Grunewald, Edith Skibbe und andere am Projekt Beteiligte mit ehemaligen mosambikanischen Mitarbeitern zusammen. Sie berichteten, dass nach dem Überfall die einheimischen Arbeiter mit Waffengewalt am Betreten der Farm gehindert wurden, dass Maschinen abtransportiert und die Anlagen, Wohnhäuser und sogar Wasserspeicher zerstört wurden. Mehrere der damaligen Mitarbeiter dankten dabei den Deutschen für die damalige Ausbildung, die ihnen heute Arbeitsplatz und Einkommen sichere.

"Wir sind ihnen ebenfalls zu Dank verpflichtet, denn sie haben uns wesentlich unterstützt bei dem Vorhaben, in der Savanne, wo vor 30 Jahren aus dem Hinterhalt auf den Lkw-Konvoi nach Unango geschossen wurde, einen Gedenkstein für die Opfer zu errichten", erklärt Grunewald.

Aufgeklärt ist der Anschlag indes bis heute nicht. Weder die Staatsanwaltschaft der DDR noch der BRD hatten in diesem Fall ermittelt. "Als ich im April 2007 bei der Staatsanwaltschaft Gera Anzeige erstattete wegen der Toten von Unango, wollte man es gar nicht glauben, dass dort in Afrika acht Deutsche gestorben waren", berichtet Grunewald. Das Thüringer Landeskriminalamt habe dann den Fall untersucht und auch in Karlsruhe wurde er geprüft. 2009 sei der Fall an den Generalstaatsanwalt in Mosambik abgegeben worden. Leider sei es bisher zu keinen neuen Erkenntnissen gekommen. Grunewald hat wenig Hoffnung, dass die Attentäter je ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden. So gebe es in Mosambik seit über 20 Jahren eine Amnestie für aktiv Beteiligte des Bürgerkrieges von allen Seiten.

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