Vermeintliche Angreifer auf Wahlstand von Linkspolitikerin in Saalfeld weisen Vorwürfe zurück

Die vermeintlichen Angreifer des Wahlstandes der Linken am Wochenende in Saalfeld sprechen von einer "Wahlkampf-Masche". Linkspolitikerin Katharina König betont hingegen ausdrücklich die Paniksituation.

Dieser vermummte Rocker bedrohte, laut Aussage der Landtagsabgeordneten Katharina König, das Wahlkampfteam der Linken am vergangenen Samstag an ihrem Infostand in Saalfeld. Foto: Haskala

Dieser vermummte Rocker bedrohte, laut Aussage der Landtagsabgeordneten Katharina König, das Wahlkampfteam der Linken am vergangenen Samstag an ihrem Infostand in Saalfeld. Foto: Haskala

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Saalfeld. "Es wurde niemand bedroht, doch ich muss ihr (Katharina König) zugestehen, dass die Situation bedrohlich gewirkt haben könnte", betonte gestern Rocker Enrico Rinke (40). Die Landtagsabgeordnete der Linken aus Jena hatte Anzeige erstattet, nachdem sie und ihr Team am Sonnabend in Saalfeld an ihrem Wahlkampfstand von örtlichen Neonazis sowie zwei Rockern bedroht wurden.

Polizei ermittelt gegen vier Tatverdächtige

Identifizieren konnte König nur Steffen Richter, die beiden Rocker kannte sie nicht. Diese meldeten sich am Montag selbst bei der Polizei. Rinke und sein Bruder Rinaldo Bernhard (31) wiesen jeden Vorwurf der Bedrohung zurück. Sie hätten sich lediglich mit der Abgeordneten über private Belange unterhalten, politisch seien sie nicht geworden. Rinke betonte, zufällig auf das Wahlkampfteam gestoßen zu sein. Da er schon länger den Dialog mit der Abgeordneten suche, hätte er die Chance genutzt. "Wir haben ganz normal gesprochen, fast zwei Stunden lang. Ich habe mich ihr vorgestellt, ich habe nichts zu verbergen. Frau König hat einfach nicht die Wahrheit gesagt, sie hat mich gekannt. Sie will halt Wahlkampf machen und das funktioniert ja auch, die Leute haben Mitleid mit ihr", so der Rocker. Die Kleidung seines Bruders, der mit Motorradmaske und Stahlkette auftrat, bezeichnete er als normale Motorradkluft mit Portemonnaiekette: "Es gab keinen Grund zur Bewaffnung." Vielmehr hätten sich die Mitarbeiter der Linken mit einer Schirmstange bewappnet.

"Plötzlich standen zwei Rocker am Infostand, der eine war für mich wirklich angsteinflößend", erinnert sich Katharina König. Der vermummte Rocker mit Stahlhelm hätte ihren Kollegen davon abgehalten die Polizei zu rufen. Sie beschrieb den Vorfall als Paniksituation, es hätten sich mehrere als rechtsextrem erkennbare Personen genähert. Den unmaskierten Rocker, empfand sie nicht als Haupt­bedrohung. Eine Firma sei zwar Teil des Gesprächs gewesen, doch an die namentliche Vorstellung des Rockers könne sie sich nicht erinnern. Der Schirm sei während des Standabbaus lediglich auseinandergenommen worden. "Mit Neonazis kann ich umgehen, doch diese Konstellation ist für mich eine neue", so die Abgeordnete.

Die Ermittlungen der lokalen Polizei kamen nach umfangreicher Zeugenvernahme zu dem Ergebnis, dass sich Königs Anschuldigungen bestätigt hätten. Gegen vier Tatverdächtige aus der Umgebung, im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, werde derzeit wegen des Verdachts auf Nötigung ermittelt. Die weiteren Ermittlungen führen Spezialisten des Landeskriminalamtes.

Anmerkung der Redaktion: Der Prozess von dem Landgericht endete im März 2016 mit einem Freispruch für die vier Männer: Der Sachverhalt habe sich zwar so bestätigt, wie es in der Anklage steht", sagte damals Richter Uwe Tonndorf. "In diesem Land hat niemand das Recht, anderen Leuten den Wahlkampf zu verbieten. Und Gorndorf ist Staats­gebiet der Bundesrepublik Deutschland." Allerdings sei es ein unbeendeter Versuch und ein freiwilliger Rücktritt von einer versuchten Nötigung gewesen, habe die umfassende Beweisaufnahme ergeben. Auch zwei weitere Männer, die später hinzugestoßen waren, seien freizusprechen. Der Unternehmer, der das Gespräch mit König suchte, habe sich strafrechtlich nichts vorzuwerfen. Dessen Halbbruder in Motorradkluft habe zwar eine Schlüsselkette geschwungen, aber das sei keine versuchte Nötigung gewesen. Neben dem Unternehmer sei es der Landtagsabgeordneten König zu verdanken gewesen, dass nichts passiert sei, so Tonndorf.

Aus diesem Grund wurde der Firmenname aus dem Text entfernt.

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