Von Fischersdorf nach Rumänien mit Spielzeug im Gepäck

Fischersdorf  Bei „Enduromania“ Liebe zum Land entdeckt: Fischersdorfer Enduro-Team Abuzze sammelt Weihnachtsgaben für Kinderheim in Gavojdia

Vereinschef René Schulz präsentiert stolz die Pokale, die sein Team Abuzze aus Rumänien mitgebracht hat. Seit 2010 fahren die Enduro-Enthusiasten aus Fischersdorf und Umgebung bei der „Enduromania“ mit und haben mehrfach das Siegertreppchen erreicht.

Vereinschef René Schulz präsentiert stolz die Pokale, die sein Team Abuzze aus Rumänien mitgebracht hat. Seit 2010 fahren die Enduro-Enthusiasten aus Fischersdorf und Umgebung bei der „Enduromania“ mit und haben mehrfach das Siegertreppchen erreicht.

Foto: Jens Voigt (1)/ René Schulz (2)

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Jedes Jahr im Sommer ergeht es 18 mehr oder minder jungen Menschen aus Fischersdorf und Umgebung wie vielen anderen Deutschen: Es zieht sie in den Süden. Doch während sich der gemeine Urlauber beim Baden, Wandern oder Faulenzen verlustiert, dreht das Team Abuzze am Gasgriff. Eine ganze Woche lang. Und nur mit den allernötigsten Pausen.

„Enduromania“ nennt sich das Spektakel, das laut Teilnehmern absolute Suchtgefahr in sich birgt. Manche nennen es das härteste Motocross-Rennen der Welt, andere sehen es als ziemlich verrückte Mischung aus Sport, Party und Land-Erkundung in Westrumänien. Enduro-Teams mit jeweils drei Fahrern haben binnen einer Woche 80 so genannte Wegpunkte anzufahren, die sich rund um die Ortschaft Brebu Nou in einem Gebiet von der Größe Brandenburgs verteilen, fast immer im Wald, gern auf größerer Höhe und fernab jeglicher Straßen. „Das können Ruinen aus der Römerzeit sein, ein Wegkreuz oder auch ein besonders gewachsener Baum“, beschreibt Teamchef René Schulz die Ziele. Für das Erreichen innerhalb der vorgegebenen Zeit, dokumentiert per Kamera oder GPS-Tracker, gibt es je nach Schwierigkeitsgrad Punktewertungen. Wer am Ende die meisten Punkte gesammelt hat, steigt aufs Siegertreppchen. Schulz und seinen Mitstreitern, die seit 2010 immer wieder durchs Banat brettern, ist das schon einige Male gelungen, wie die Pokale und Urkunden in der Garage des Fliesenleger-Meisters belegen, die zugleich Werk- und Heimstatt des Motorrad- und Tourismusvereins Saalebogen ist, der gleichzeitig das Team Abuzze bildet. Dessen Namen erklärt Schulz grinsend so: „Wenn du mit der Maschine mal hinfliegst, stehst du wieder auf und musst dich abputzen – abuzze, verstehst du?“ Es gibt noch eine andere, der Wahrheit mutmaßlich näherkommende Variante, die indes in einer Familien- und Heimatzeitung verschwiegen bleiben muss.

Wie auch immer, Schulz und seine überwiegend männlichen Enduro-Enthusiasten sind im Laufe der Jahre nicht nur Hunderte von Wegpunkten abgefahren, sondern haben neben der beeindruckenden Landschaft und der unglaublichen Gastfreundschaft der Menschen auch die Armut gesehen, gerade in den Dörfern und vor allem bei den Alten. Und bei den Kindern. „So vieles, über das wir bei uns gar nicht mehr nachdenken, ist dort eine Kostbarkeit – Spielzeug, Sportgeräte, ein Fahrrad oder vernünftige Schuhe“, beschreibt Schulz seine Eindrücke. Und beschloss mit dem Team: Wir helfen.

Sie fanden Kontakt zu Mechtild Gollnick, die eine Reihe von Kinderheimen im westlichen Rumänien leitet und die Arbeit des Vereins Hilfe für Kinder in der Timisoara, der drittgrößten Stadt des Landes, koordiniert. Sie empfahl den Fischersdorfer Helfern das Kinderheim von Gavojdia, das praktischerweise fast direkt am Weg zum Start- und Zielort der „Enduromania“ liegt und in dem 70 Kinder und Jugendliche zwischen zwei und 21 Jahren leben, überwiegend Waisen. Das Team begann zu sammeln unter den Mitgliedern, Freunden und Bekannten. „Vor allem Bekleidung, Schuhe und ein paar Spielsachen“, erinnert sich Schulz, der Gollnick und die Heimleiterin zuvor gefragt hatte, was benötigt werde. Alles, was die Jungen und Mädchen im Heim gebrauchen können, wurde in Umzugskisten gepackt und im Anhänger von einem der Team-Transporter verstaut. Anfang August vorigen Jahres fuhren sie in Gavojdia vor und luden aus. „Der Junge da“, sagt Schulz und tippt auf ein Foto, „der hat sich sofort die Spielzeug-Schubkarre geschnappt und hat zehnmal Kies hin- und hergefahren, während wir die Sachen übergaben.“

Nun wollen Schulz und ein paar Freunde wieder nach Westrumänien fahren, obwohl weder Sommer ist noch die nächste „Enduromania“ ansteht. „Bald ist Weihnachten und wir möchten, dass die Kinder in Gavojdia ein schönes Fest mit vielen Geschenken feiern können“, erklärt der Fischersdorfer. Vor Heiligabend möchte das Team Abuzze zumindest einen Transporter voller Gaben zum Kinderheim bringen, gefüllt mit Spielsachen, Sportgeräten. „Keine Konsolen oder Tablets, sondern richtige Sachen, um mit anderen Kindern zu spielen; Bälle, Rollschuhe, Puppenhäuser oder Laufräder“, präzisiert Schulz. Auch Kinderkleidung oder Schuhe würden gern genommen.

Sachspenden – Kontakt unter fliesenleger.schulz@t-online.de ; Facebook-Seite Team Abuzze (Abholung vereinbaren); Geldspenden: Motorrad- und Tourismusverein Saalebogen IBAN: DE45 8305 0303 001 0211 87.

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