Von Rodacherbrunn aus belauschte die Stasi den Klassengegner

Vor 25 Jahren öffneten sich für die Bürger auch die Türen von Dienststellen der Staatssicherheit. Gebäude in Rodacherbrunn blieben erhalten und werden heute noch genutzt.

Das Stasiobjekt auf dem Wetzstein im April 1990 zum Tag der offenen Tür.  Repro: Reinhard Kübrich

Das Stasiobjekt auf dem Wetzstein im April 1990 zum Tag der offenen Tür. Repro: Reinhard Kübrich

Foto: zgt

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Rodacherbrunn. Zwei Bürocomputer und drei Drucker bekam vor 25 Jahren die Bürgerinitiative Lobenstein geschenkt. Sie stammten von der Dienststelle Rodacherbrunn der Staatssicherheit der DDR. Mitte Februar 1990 wurde aber die meiste Technik aus der Dienststelle ausgeräumt, verladen und nach Zella-Mehlis geschafft, wo sie eingelagert wurde. Dies geschah damals unter Aufsicht der Volkspolizei und im Beisein von Rudi Tröger und Norbert Hetterle von der Bürgerinitiative.

Jahrzehnte blieb den Bürgern verborgen, was hinter den hohen Sichtblenden an der Straße nach Titschendorf vor sich ging. In der Wendezeit verlangten die Leute, so zum Beispiel auf den Demonstrationen in der Kreisstadt, Aufklärung darüber.

Von der Dienststelle in Rodacherbrunn aus betrieb die Stasi Funkaufklärung beim und Funkabwehr gegen den so genannten Klassenfeind. Intensiv wurde in den Westen hineingehorcht, wurden Daten aufgezeichnet, ausgewertet und archiviert.

Mielkes Hauptabteilung III in der Berliner Zentrale verfügte im September 1989 über 2361 Mitarbeiter. Weitere 654 wurden dafür in den 15 Abteilungen"III der Bezirksverwaltungen gut bezahlt. Dazu zählte auch der Stützpunkt mit der Tarnbezeichnung "Saale" in Rodacherbrunn. Fünf große Wohnwagen, sternförmig aufgestellt, standen zudem auf dem Wetzstein bei Lehesten. Dieser Stützpunkt trug den Tarnnamen "Radar". Dorthin lud die Bürgerinitiative Lehesten Mitte April 1990 zu einem Tag der offenen Tür ein. Rostbratwürste und Bier wurden verkauft. Zu sehen waren aber nur noch die hohen Masten. Die Technik selbst war verschwunden. Auf dem Areal steht heute der 2004 eingeweihte, 36 Meter hohe Altvaterturm als ein Zeichen gegen Vertreibung und für Versöhnung.

Verbrauchermarkt in ehemaliger Stasi-Garage

In Rodacherbrunn sind die Gebäude noch vorhanden. In der ehemaligen Garage der Stasi eröffnete Ende Dezember 1990 die Agrargenossenschaft Heberndorf einen Verbrauchermarkt.

"Anfangs lief dieser ganz gut. Doch als größere Märkte in der Region gebaut wurden, ließ der Umsatz nach", erinnerte sich die damalige Leiterin Inge Neugebauer. Fünf Jahre später wurde der Markt geschlossen. Bürger aus Oßla haben das Gebäude inzwischen zu einem schmucken Wohnhaus umgebaut.

Einwohner aus Wurzbach erwarben schon vor Jahren drei weitere Gebäude. In einem zweistöckigen Bau hatte ebenfalls die Agrargenossenschaft eine Rennsteigbaude mit Möglichkeiten zur Übernachtung eingerichtet. Allerdings kamen die Gäste nicht in so großer Zahl wie erwartet.

Auch auf dem Sieglitz bei Neundorf ragten Antennen über die Baumwipfel. Dieser Stasi-Stützpunkt, umgeben von einem Metallgitterzaun, war meistens unbesetzt. Nur ein Hund wachte Tag und Nacht. Der Zaun steht heute noch und ein Verein von Amateurfunkern aus Bad Lobenstein hat sich hier ein Domizil eingerichtet.

Auf Kurzwelle gehen die Funksprüche in die ganze Welt, so dass es von der Stasi eine Menge zu lauschen gab. Bekannt ist von den Rodacherbrunner Horchern, dass sie Gespräche der Hofer Zuhälter mit ihren Autotelefonen mithören konnten und bei günstigen Bedingungen auch mitbekamen, was im Münchener Polizeifunk los war. Beauftragt war die Hauptabteilung III aber vor allem damit, politische, wirtschaftliche und militärische Informationen aus Spitzengremien und bedeutenden Bereichen der Bundesrepublik und Westberlin zu beschaffen.

Das Abschöpfen von Quellen aus der Gegenrichtung betrieben auch die Bundeswehr, der Bundesnachrichtendienst und die Amerikaner. Vom 1053 Meter hohen Schneeberg im Fichtelgebirge überwachte die Bundeswehr tief hinein in das Gebiet des Warschauer Vertrags den militärischen Funk- und Flugverkehr.

Auf dem Gipfel bei Bischofsgrün saß ab 1951 auch der Geheimdienst der US-Army Security Agency (ASA). Sie verließ den höchsten Berg Nordbayerns im April 1992.

Die Staatssicherheit, ab dem 17. November 1989 Amt für Nationale Sicherheit, gab es da schon nicht mehr: Sie wurde bis zum 31. März 1990 aufgelöst.

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