Vor 150 Jahren eröffnete der Geraer Kaufmann Franz Gustav Spaethe die nach ihm benannte Passage

Gera  Als ein trockenen Corso für die galante Welt wurde Spaethe-Passage in der Geraer Zeitung vom 2. Mai 1869 bezeichnet. Sie verbindet die Große Kirchstraße und Sorge.

Helga und Horst Rohland gehen oft durch die Spaethe-Passage.

Foto: Peter Michaelis

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Am ersten Mai des Jahres 1869 eröffnete der Geraer Kaufmann Franz Gustav Spaethe (1816-1871) früh um sieben Uhr eine Passage als eine Verbindung der damaligen beiden ­innerstädtischen Handels- und Verkaufsstraßen Große Kirchstraße und Sorge.

Die Verbindung ist heute noch 40 Meter lang

Die heute noch über eine Länge von rund 40 Metern verfügende Spaethe-Passage wurde auf den damaligen Grundstücken Große Kirchstraße Nr. 4 und 5 errichtet. Da es sich bei Franz ­Spaethe um einen passionierten Kunstsammler handelte, stattete er die in die Passage integrierte Ausstellungsfläche, die sogenannte Spaethe-Galerie, mit Bronzen und Nachbildungen antiker Figuren aus, die er selbst in Italien erworben hatte und machte seine Kunstschätze somit einem breiten Publikum zugänglich. Auch seine private Bildergalerie soll interessierten Besuchern offen gestanden haben.

In der zeitgenössischen Presse wurde Spaethe als „genialer und vor Nichts zurückschreckender Unternehmer“ gerühmt, der mit seiner Passage dafür sorgte, dass „unserer inneren Stadt vom Standpunkte der Kunst und Industrie aus ein Gleichgewicht zu jener anderen Hälfte [...] geboten wird [C.G.], welche die Natur in solch verschwenderischem Maße um ihren äußeren Gürtel gezogen hat.“ Die Vorzüge der neu errichteten Spaethe-Passage rühmte der Redakteur der „Geraer Zeitung“ mit den folgenden Worten: „Der freundliche Entrepreneur [Unternehmer; C. G.] hat nicht nur seine Passage eröffnet, sondern leitete unsere Gäste auch hinauf zu seiner Bildergalerie, wenn wir nicht vorher schon die Gastfreundschaft eines andern bekannten Kunstmäzens in Anspruch genommen haben. Unten aber können wir alles Neue der Industrie einer Musterung unterwerfen, unseren Hühneraugen Ruhe gönnen, mit denen die Straßenjuweliere trotz aller ihrer Pflasterei noch immer nicht Mitleid haben und haben dabei noch das große Glück, vor allen Kinderwagen und schreienden Beweisen unserer Liebe gesichert zu sein. Nebenbei bietet die Passage fortwährend einen spannenden unterhaltenden, am Boden stets trockenen Corso für die galante Welt, bei ungünstiger Witterung den billigsten Regenschirm und wenn wir wollen, eine stets geöffnete Geschäfts- oder Neuigkeitsbörse. [...] Wie piquefein ist diese Idee. Gewiß! unser Industrieller mag immerhin Spaethe heißen; zeitig ist er aufgestanden.“

Wenngleich über die Person Franz Gustav Spaethes nur sehr wenige Details bekannt sind, so erinnert die seinen Namen tragende Spaethe-Passage noch heute an den findigen und kulturell interessierten Geraer Kaufmann.

Einige Teile der Passage im Areal Hinter der Mauer fielen bereits Ende der 1970er-Jahre dem Abriss zum Opfer. Ein in den Passagenkomplex eingebundenes, zweigeschossiges Kaffeehaus sowie die zur Ausstellung von Skulpturen eingefügten Nischen in Rundbogenform in der Passagenmitte wurden ebenfalls im Zuge von Umbauten in dieser Zeit abgebrochen. Die Instandsetzung und Umgestaltung der Passage erfolgte im Jahr 2000.

Der Beitrag ist Teil der aktuellen Ausgabe der gestern erschienen „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“. Diese sind auf der Internetseite der Stadt Gera zu finden.

www.gera.de

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