Wie Thüringer Muslime den Ramadan in Corona-Zeiten erleben

Erfurt.  Für die Muslime in Thüringen endet am Wochenende die Fastenzeit. Der Corona-Lockdown machte vieles schwieriger.

In der Fastenzeit wird viel gebetet und im Koran gelesen. Aber auch das Miteinander ist wichtig.

In der Fastenzeit wird viel gebetet und im Koran gelesen. Aber auch das Miteinander ist wichtig.

Foto: LUIS ACOSTA / AFP

Für die in Thüringen lebenden Muslime endet am Wochenende die vierwöchige Fastenzeit. Eine spirituelle Zeit, in der viel gebetet und im Koran gelesen wird, in der aber auch das Miteinander besonders wichtig ist, erklärt Mustafa Saad vom Verein Kulturbrücke Palästina in Weimar.

Man lädt sich beim Fastenbrechen nach Sonnenuntergang gegenseitig zum Essen ein, redet, die Kinder freuen sich über Süßigkeiten. Das haben die Muslime in diesem Jahr schmerzlich vermisst. Die Beschränkungen des Lockdowns trafen vor allem Familien, weiß er. Viele leben in kleinen Wohnungen, haben keinen Garten in den sie ausweichen konnten.

Lockdown für Gemeinden große Herausforderung

Vor allem zu Beginn des Lockdowns sei die Information über die Pandemie und die behördlichen Maßnahmen für die Gemeinde eine große Herausforderung gewesen, erzählt Mohamed Kahn, Sprecher des Internationalen islamischen Kulturzentrums Erfurter Moschee. Die Muslime der Gemeinde gehören mehr als 30 Nationen an. Viele Geflüchtete informieren sich über soziale Medien, da musste auch viel zurechtgerückt und Falsches korrigiert werden.

Auf Landesebene habe man schnell Hilfe, auch bei Übersetzungen gefunden. bei den städtischen Behörden dagegen sei es oft sehr schwierig gewesen, Ansprechpartner zu finden, so Mohamed Kahn. Doch vor allem hätten die geschlossenen Schulen vielen Sorge bereitet.

Beschränkungen auch beim Deutschlernen problematisch

Unter den Muslimen sind viele Flüchtlinge mit Lücken in der Deutschen Sprache. Die Hilfe beim Fernunterricht ihrer Kinder ist für Eltern dann sehr schwierig. „Sie fragen sich jetzt, mit welchen Lernlücken die Kinder in die Schulen zurückkommen und wer ihnen hilft, sie zu schließen“ so Sprecher Kahn.

Mustafa Saad sieht aber auch andere Nebenwirkung. Durch das erzwungene Homeschooling hätten sich viele Eltern intensiver mit der deutschen Sprache befassen müssen. Allerdings sorgt er sich jetzt, dass behutsame Kontakte, die Familien mit deutschen Nachbarn geknüpft haben, den wochenlangen Beschränkungen zum Opfer fallen könnten. „Wir ermuntern, auch von sich aus Initiative zu ergreifen, damit das nicht verloren geht“, bemerkt er.

Die Hilfe für Bedürftige, zu der im Ramadan besonders aufgefordert wird, galt in diesem Jahr muslimischen Studenten im Land. Viele von ihnen arbeiten in Nebenjobs, um ihren Unterhalt zu finanzieren, von denen nicht wenige in der Krise weggebrochen sind, erklärt Mustafa Saad. „Bafög bekommen sie nicht und Ihre Eltern in den Heimatländern können sie nur eingeschränkt unterstützen.“