Wissenschaftlerteam sucht in Ranis nach Spuren der letzten Neandertaler in der Ilsenhöhle

Ranis  Internationales Wissenschaftlerteam untersucht in den kommenden Wochen die ­berühmte Grabungsstelle an der Ilsenhöhle neu und erhofft neue Einblicke in das Leben der letzten Neandertaler und der ersten modernen Menschen.

Am Beginn der neuen Ausgrabungen an der Ilsenhöhle: Student Nils Vanwezer aus ­Belgien.Foto: Brit Wollschläger

Am Beginn der neuen Ausgrabungen an der Ilsenhöhle: Student Nils Vanwezer aus ­Belgien.Foto: Brit Wollschläger

Foto: zgt

An der Ilsenhöhle, direkt unterhalb von der Burg Ranis, sind seit dieser Woche archäologische Ausgrabungen im Gange.

Genau an der Stelle, wo in den Jahr von 1932 bis 1938 durch Werner M. Hülle so international viel beachtete Funde gemacht wurden. Die Ilsenhöhle in Ranis ist international eines der bedeutendsten Fundstellen der mittleren und jüngeren Altsteinzeit. In den Ablagerungen der Höhle dokumentieren menschliche Hinterlassenschaften den Übergang vom Neandertaler zum modernen Menschen von vor etwa 40 000 Jahren, informiert das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie auf einer Schautafel an der Grabungsstelle. In einem Kooperationsprojekt mit dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie Leipzig wird nun an der Ilsenhöhle eine erneute Ausgrabung allerdings nun natürlich mit modernsten Methoden durchgeführt.

Blattspitzen vor 40 000 Jahren Jagdwaffen

So soll unter anderem die Frage geklärt werden, wann die Neandertaler und wann moderne Menschen sich in der Ilsenhöhle aufhielten, ob es gar Kontakt zwischen beiden Gruppen gab. Es soll herausgefunden werden, welche Umweltverhältnisse und welches Klima zur Zeit der prähistorischen Besiedlung der Höhle herrschten und was die Tierknochen über die damalige Umwelt und die Nahrungsgewohnheiten der Menschen sagen können.

Zunächst wird ein Areal von rund 12 Quadratmetern vor dem Eingang zur Höhle untersucht. Es wird mit Spaten gegraben was nicht sehr einfach ist, weil der Boden hier viele Steine hat und sämtliche Erde recht fein durchgesiebt. Immer wieder treten beispielsweise kleine Tierknochen zutage. In den 30er-Jahren wurde die Erde nicht gesiebt, es wurde einfach heraus geschaufelt, erklärt Tim Schüler, Abteilungsleiter für Archäologische Fachaufgaben vom Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Heute habe man ganz andere Möglichkeiten zum Beispiel der physikalischen Altersbestimmung und könne die Grabungen von damals besser verstehen. Und so wolle man gezielt die alten Fundschichten nochmals untersuchen und auch speziell die Randbereiche der früheren Grabungsstellen.

Ranisian bezeichnen ganze Kulturgruppe

Gefunden wurden vor gut 80 Jahren neben zahlreichen Tierknochen, zum Beispiel von Hyänen, Höhlenbären und Nashörnern, Steinwerkzeuge des Neandertalers und des modernen Menschen. Etwas Besonderes an dieser Fundstelle Ilsenhöhle waren die so genannten Blattspitzen beidseitig bearbeitete Feuersteinspitzen höchstwahrscheinlich Jagdwaffen des Neandertalers. Auf der Schautafel sind sie abgebildet. Diese fast 20 Zentimeter langen Blattspitzen waren auch technisch schwierig herzustellen, erklärt Tim Schüler. Und sie haben in der Wissenschaft sogar einer ganzen Kulturgruppe den Blattspitzengruppen oder englisch: Ranisian ihren Namen gegeben. Vom modernen Menschen sind aus dieser Fundstelle vor allem Klingen, Klingenspitzen und Mehrzweckgeräte, so genannte Feuersteinkratzer, überliefert.

Aktuelle Grabungssprache an der Ilsenhöhle ist übrigens englisch. Denn hier arbeitet ein internationales Experten- und Studententeam zusammen. Es sind Studenten aus Belgien, den Niederlanden, Südafrika und den USA dabei, ein Doktorand aus Leipzig sowie neben Tim Schüler vom Thüringer Landesamt Shannon McPherron, ein amerikanischer Wissenschaftler, der für das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie Leipzig tätig ist.

Das Team wohnt während der Zeit in Ranis übrigens bei Tour Papilio in Ludwigshof.

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