Zug um Zug leergeräumt: Das Orlabahn-Museum in Kleindembach gibt es nicht mehr

Kleindembach  Das Orlabahn-Museum in Kleindembach gibt es nicht mehr. Der neue Besitzer hat andere Pläne mit dem Bahnhofsgebäude.

Kein Fahrgast steigt in Kleindembach mehr aus, um das Orlabahn-Museum zu besuchen. Denn das musste seinen Platz räumen. Das Gebäude hat einen neuen Besitzer, dessen Nachnutzungspläne liegen noch im Dunkeln.

Kein Fahrgast steigt in Kleindembach mehr aus, um das Orlabahn-Museum zu besuchen. Denn das musste seinen Platz räumen. Das Gebäude hat einen neuen Besitzer, dessen Nachnutzungspläne liegen noch im Dunkeln.

Foto: Marcus Pfeiffer

Seit Ende Januar gibt es keine historischen Objekte mehr im Bahnhofsgebäude in Kleindembach. Das Orlabahn-Museum ist selbst zur Geschichte geworden. Und mit ihm der Verein Eisenbahnfreunde Langenorla, denn der neue Gebäudebesitzer aus den alten Bundesländern hat offenbar andere Pläne. Wie die konkret aussehen, ist unbekannt. Der Lan­genorlaer Bürgermeister Lars Fröhlich sagt auf Nachfrage: „Man munkelt im Dorf, es sollen ­Ferienwohnungen entstehen.“

Fakt ist, dass zum Ende des Jahres 2017 der Mietvertrag des Museums kurzerhand gekündigt wurde. „Bis Ende März sollten wir raus sein. Doch die neue Saison hätte dann schon be­gonnen, wir wollten vorher fertig sein. Seit Ende Januar ist alles besenrein“, erklärt der ehe­malige Vereinsvorsitzende Christian Richter.

Das auf etwa 1915 datierte Backsteingebäude gehörte bis zuletzt der Deutschen Bahn, die Gemeinde Langenorla war Pächter und der Verein hatte sich mit den Museumsräumen eingemietet. Der neue Investor beauftragte die Gemeinde, den Mietvertrag zu kündigen.

„Es gab Diskussionen um eine Fortsetzung des Museumsbetriebs in einem anderen Haus, doch entlang der Bahnstrecke gibt es nichts Vergleichbares“, sagt Richter. Es habe keinen Sinn, ohne räum­lichen Bezug zur Orlabahn das Museum neu aufzubauen, sagt er weiter. Deshalb beschloss der zuletzt 17 Mitglieder zählende Verein, die Ausstellung aufzulösen.

Man ließ Kontakte in der Region spielen und bot Sammlern und Museen unter anderem die Signale, Modelle und Fahr­kartenlocher an. „Das Oberlandbahnmuseum in Knau, der Arnstädter Eisenbahnverein, die Bad Blankenburger Modellbahner und der Serbaer Sammler Horst Müller holten Dinge ab“, atmet er auf. Bis auf wenige Ausnahmen kam der größte Teil der Objekte unter. Weniges sei entsorgt oder verschrottet worden. Nun deutet in Kleindembach nichts mehr auf das Museum hin, dass im Oktober 1999 eröffnete. Selbst die Homepage des Museums ist abgeschaltet.

„Schade, dass das Museum raus ist. Es hat viele Leute nach Kleindembach gelockt. Es war ein Aushängeschild für uns“, sagt der alteingesessene Kleindembacher Joachim Büchel, der schräg gegenüber des Bahnhofs wohnt. Viele Erinnerungen verknüpft er mit dem Gebäude, an und in dem er als Kind in den Nachkriegsjahren schon spielte. Auch ihn interessiere brennend, wie es weitergeht. Er hofft, dass das schöne Haus nicht zerfällt. „Das ist die Hauptsache!“

Die Bahn versuchte das erste Mal vor etwa vier Jahren, einen Käufer für das Gelände zu finden. „Es wurde versteigert, doch der Interessent ging in Insolvenz“, erzählt der Bürgermeister Lars Fröhlich über die schwierige Suche nach einem Käufer. Nach juristischer Klärung ging die denkmalgeschützte Immobilie zurück an die Deutsche Bahn. „Die Gemeinde kümmerte sich danach intensiv um einen neuen Besitzer“, so Fröhlich.

Einer dem Verein Eisenbahnfreunde naher Interessent meldete sich und „kurz vor Vertragsunterzeichnung sprang er ab“, weiß der Gemeinde-Chef zu berichten. Zur Frühjahrsauktion 2017 versteigerte die Sächsische Grundstücksauktionen AG das Gebäude abermals.

„Der Käufer machte einen sympathischen Eindruck auf mich und ich habe ein gutes Gefühl dabei“, gibt sich Fröhlich optimistisch. Die Schlüsselübergabe erfolgte, doch habe er noch keine Signale zur Neunutzung von ihm erhalten. „Es ist ein tolles Haus. Der Gemeinde liegt viel am Erhalt“, so der Bürgermeister weiter.

Vor wenigen Monaten rückten also immer wieder Transporter an, die in verschiedene Himmelsrichtungen fuhren – voll­gepackt mit historischen ­Museumsstücken. „Nach meinen jahrelangen Erfahrungen mit der Bürokratie möchte ich nicht noch mal einen solchen Verein führen“, sagt der ehe­malige Vorsitzende Christian Richter. Er könne sich vorstellen nochmals Mitglied in einem Verein zu sein, denn es gebe genügend Eisenbahnfans in der Gegend.

Rückblickend könne der Verein zufrieden sein. Bahnhofs­feste lockten bis zu 300 Besucher an und auch an guten ­Tagen kamen 50 bis 60 Gäste ins Museum. „Es war nicht nur ­bloßes Zeigen von alter Technik. Am noch funktionierenden Fahrkartendrucker kam kaum einer vorbei“, erinnert er sich.

Er sei schon ein bisschen traurig darüber. Doch er ist froh, dass die meisten Museumsobjekte anderenorts unterkamen.

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