Zugkollision in Saalfeld: Über 200 Bahnreisende evakuiert

Ein Intercity ist mit einem Regio-Shuttle der Erfurter Bahn kollidiert. Über 200 Bahnreisende mussten evakuiert werden. Keine Verletzten. Bahnverkehr für längere Zeit unterbrochen. Untersuchungen zu Unfallhergang laufen.

Durch die Kollision ist der 40 Tonnen schwere Triebwagen angehoben worden.  Foto: Klaus Moritz

Durch die Kollision ist der 40 Tonnen schwere Triebwagen angehoben worden. Foto: Klaus Moritz

Foto: zgt

Saalfeld. Im Weichenbereich der südlichen Einfahrt zum Bahnhof ist gestern gegen 11.10 Uhr der IC 2208 auf der Fernverkehrslinie München-Leipzig-Berlin mit einem Triebwagen der Erfurter Bahn kollidiert.

"Ich hatte eigentlich vor, den aus München kommenden Zug im Bereich bei Remschütz zu fotografieren", berichtet Eisenbahnhistoriker Rainer Albrecht, dessen Aufnahmen von Zügen auf Kalendern der Bahn und in Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Der Grund für die geplanten Fotos war die Lok 120"112 am Inter-City, die mit Märklin-Werbung auf den Bahnstrecken unterwegs ist. Planmäßig hätte dieser Zug um 11.13 Uhr den Bahnhof Saalfeld wieder in Richtung Berlin verlassen müssen. Doch dazu kam es nicht und Rainer Albrecht konnte nur noch Unfallfotos von der Märklin-Werbelok machen.

"Ich hatte zu tun, dass mir das Essen im Bistrowagen nicht vom Tisch rutscht", sagt Joseph Holderitt, der auf dem Weg nach Berlin war. Ebenso wie der Münchener, der auf den Weg in den Urlaub nach Polen war, konnten sich viele Fahrgäste zunächst nicht erklären, warum der Zug so abrupt stoppte. Vor allem in den hinteren Waggons war vom Aufprall kaum etwas zu spüren: "Es war so, als wenn man ein Fahrzeug an einer Ampel abbremst", sagt Erik Fritzsche aus Rostock, der sich zu Fuß von der Unfallstelle zum Saalfelder Bahnhof machte.

"Bei der Einfahrt in den Bahnhof war auf einmal eine starke Abbremsung zu verspüren. Aber es war kein lautes Krachen zu hören", beschreibt eine weitere Zuginsassin den Moment des Unfalls. Mehr als eine Stunde s­aßen danach die Fahrgäste im Zug: "Zunächst hieß es nur, es sein eine Betriebsstörung", sagt Holderitt. Erst nach einer Viertelstunde sei man darüber informiert worden, dass es zu einem Zusammenstoß mit einem anderen Zug gekommen war.

Im Weichenbereich war es zu einer sogenannten "Flankenfahrt" vom Inter-City mit einen Regio-Shuttle der Erfurter Bahn gekommen. Die Bahnfahrzeuge waren nicht frontal zusammengestoßen, sondern seitlich kollidiert. Dabei hatte es den 40 Tonnen schweren Triebwagen gut 30 Zentimeter von den Schienen abgehoben, beim Aufprall war der Einstieg abgerissen.

Der alarmierte Rettungsdienst und die Saalfelder Feuerwehr konnten aber feststellen, dass es keine Verletzten unter den ­Insassen in den neun Reisezugwagen gab. Der IC hatte auch noch eine zweite Lok am Zug­ende, das erspart das Umspannen von Loks in Kopfbahnhöfen wie Leipzig.

Die über 200 Zugreisenden aus dem dem Intercity mussten im Gleisbereich evakuiert werden. Zu Fuß und mit Bussen ging ihre Reise vorerst bis zum Saalfelder Bahnhofsgebäude. Der gesamte Unfallbereich wurde durch die Bundespolizei abgesperrt und die Ermittlungen zum Unfallhergang durch die Experten des Eisenbahnbundesamtes aufgenommen. Am Abend konnte der gesperrte Streckenabschnitt Rudolstadt-Saalfeld-Probstzella ist wieder freigegeben werden.

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