Zukunft des Bahnbetriebswerkes Probstzella ungewiss

Die Gemeinde Probstzella sucht einen Mäzen, der Anlagen des alten Bahnbetriebswerkes kauft, um das bahngeschichtlich bedeutsame Denkmal zu erhalten. Die Bahn will die Eingangspforte zu Thüringen in ordentlichem Zustand präsentieren und plant den Abriss.

Blick auf den 125 Jahre alten Probstzellaer Bahnhof mit seinen Anlagen. Die sollen nach dem Willen der Bahn beginnend im zweiten Halbjahr 2011 abgerissen werden. Die Gemeinde Probstzella hofft, das verhindern zu können. Foto: Klaus Moritz

Blick auf den 125 Jahre alten Probstzellaer Bahnhof mit seinen Anlagen. Die sollen nach dem Willen der Bahn beginnend im zweiten Halbjahr 2011 abgerissen werden. Die Gemeinde Probstzella hofft, das verhindern zu können. Foto: Klaus Moritz

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Probstzella. Einen ansehnlichen Anblick soll sie bieten, die Eingangspforte zum "Grünen Herzen Deutschlands". Momentan kann man das vom Probstzellaer Bahnhof wahrlich nicht behaupten.

Die Gebäude des Bahnbetriebswerkes (BW) sind seit 28. Dezember 1993 verlassen, als das BW geschlossen wurde. Seitdem sind sie dem Verfall preisgegeben. Die Bahn hat unter www.bahnliegenschaften.de die ihr gehörende Fläche von über 2,1 Hektar nebst den darauf befindlichen Gebäuden schon lange zum Verkauf ausgeschrieben. Der Preis ist Verhandlungssache. Gefunden hat sich bisher kein Interessent. Weshalb die Bahn Probstzellas Bürgermeister Marko Wolfram (SPD) darüber informiert hat, dass sie im zweiten Halbjahr 2011 den Abriss der Gebäude in Angriff nehmen werde.

Für die Gemeinde eine alarmierende Nachricht, hat der Bahnhof in ihren Augen doch historische Bedeutung. Grenzbahnhof war er schon mit seiner Gründung 1885, nämlich zwischen bayrischer und preußischer Staatsbahn. Technisch interessant ist noch heute die steile Frankenwaldrampe, die selbst von manchem ICE aus eigener Kraft nicht genommen werden kann, weshalb eine unterstützende Lok immer in Probstzella stationiert ist.

Am bekanntesten ist der Bahnhof als Grenzbahnhof zwischen zwei unterschiedlichen politischen Systemen von 1961 bis 1989. Die Grenzübergangsstelle GüST gibt es schon nicht mehr, die Probstzellaer selbst wollten sie nicht mehr haben. Im eigentlichen Bahnhofsgebäude aber kann man ihr in einem im Vorjahr eröffneten Grenzbahnhofmuseum nachspüren. Das Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1885 hat die Gemeinde der Bahn abgekauft. Inzwischen liegt laut Wolfram auch einen Fördermittelbescheid über 35 000 Euro vor, der den weiteren Ausbau und die Nutzung der Immobilie, u. a. als touristisches Informationszentrum, vorsieht. Momentan wird ein Nutzungskonzept erarbeitet. Die Fördermittel müssen dieses Jahr auch noch umgesetzt werden, die Gemeinde muss dazu die Co-Finanzierung beisteuern, die sie im aktuellen Haushalt aber nicht eingestellt hat. Damit hat sie schon gar kein Geld, um weitere Bahnimmobilien wie den ehemaligen Wasserturm, das BW-Gebäude, den Lokschuppen oder die denkmalgeschützte Drehscheibe zu kaufen. Auch letztgenannter drohe der Abriss, weil die Bahn derzeit versuche, die Scheibe aus dem Denkmalstatus herauszulösen, weiß Wolfram.

Während die Gemeinde versucht, den Bahnhofsvorplatz neu zu gestalten - ein Norma-Markt soll im Spätsommer öffnen, der Bau des geplanten Busbahnhofes soll Anfang August beginnen -, hofft sie auf einen Mäzen, der sich des Bahnhofareals annimmt, um diesen historischen Grenzbahnhof zu erhalten. Die Gemeinde selbst hätte für das riesige Bahnhofsareal keine Verwendung. Einen Flächennutzungsplan, der darüber Auskunft geben könnte, hat die Gemeinde nicht.

"Die Gemeinde sieht sich finanziell und personell nicht in der Lage, die Bauwerke zu erhalten." Bürgermeister Marko Wolfram

Aus der Geschichte des Bahnhofs Probstzella

Am 1. Oktober 1885 wird das letzte fehlende Teilstück der Strecke Berlin-München zwischen Probstzella und Ludwigsstadt in Betrieb genommen.

Ab 1886 verkehren Züge Berlin-München durchgängig, Probstzella ist Lokbahnhof

1939 durchgehend von Saalfeld bis Nürnberg elektrifiziert

von 1961 bis 9. 11. 1989 Grenzbahnhof

28.12.1993 BW Probstzella wird geschlossen