Zur Kneipennacht in Gera ausgelassen, aber bewusst feiern

Gera  In einer Woche wollen 23 Lokale mit Musik bei freiem Eintritt Impulse ins Geraer Nachtleben senden. Zuvor gibt es Gelegenheit zum Innehalten.

Tobias Meißner (links) und Lucas Fischer, die die Kneipennacht initiierten.

Tobias Meißner (links) und Lucas Fischer, die die Kneipennacht initiierten.

Foto: Marcel Hilbert

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„Vielleicht hatte die Diskussion ja etwas Gutes und durch unsere Veranstaltung wird der 6. April nun zum festen jährlichen Gedenktag in Gera.“ Natürlich gingen die vereinzelten Vorbehalte gegen genau dieses Datum für die Premiere der musikalischen Kneipennacht „Gera – Feiert frei“ nicht spurlos an Tobias Meißner und Lucas Fischer vorbei. Eine ausgelassene Party an dem Tag, an dem sich die schwerste Bombardierung Geras 1945 mit über 140 Toten jährt?

Die beiden Initiatoren hatten den Termin vor allem aus pragmatischen Überlegungen gewählt: Es ist ein Sonnabend, es ist tendenziell noch kühl, so dass die Gäste in die Lokale gehen. Auch wenn ihnen bei der Vorbereitung des Abends, bei den vielen Absprachen bis zum Schritt an die Öffentlichkeit keine derartigen Bedenken begegneten, hätten sie natürlich Verständnis für die Zeitzeugen oder nahe Angehörige der damaligen Opfer. Eine Alternative zum 6. April hätte es aber nur in einer Absage gegeben. Eine Terminverlegung bei nunmehr 23 beteiligten Kneipen, die sich alle eigenverantwortlich um ihre Musiker für genau diesen Abend bemühten, wäre schlicht nicht mehr möglich gewesen, sagt Meißner.

Umso dankbarer ist er Stadträtin Anne Kathrin Hildebrand (Liberale Allianz), die sich schnell um eine Lösung bemühte und nun gemeinsam mit Linken-Stadtrat und Gästeführer Günter Domkowsky vor der Kneipennacht einen Gedenkrundgang organisiert. Auch sollen wohl die Kirchenglocken in Erinnerung an die Ereignisse vor 74 Jahren ertönen. Auch eine Schweigeminute im Stadtrat am 11. April ist im Gespräch.

Viele regionale Künstler in den Gastronomien

Ab 20 Uhr spielt dann in allen Lokalen die Musik bei freiem Eintritt. Allerdings müssen die Besucher volljährig sein. Eine zentrale Eröffnung ist nicht geplant. „Die Künstler sind dann, natürlich mit Pausen, den ganzen Abend vor Ort“, erklärt Meißner. Ein einheitliches Ende gibt es zwar nicht, bis gegen 2 Uhr, in den Diskos und Tanzlokalen bis 5 Uhr, sollte aber an den meisten Orten etwas los sein. „Das Ziel ist schon, dass die Besucher auf Wanderschaft gehen, und sie sollen in die Lokale, im Freien wird nichts aufgebaut“, erklärt Tobias Meißner. „Es kann noch niemand sagen, wie viele Menschen tatsächlich kommen. Fakt ist aber: Wenn ein Lokal voll ist, ist es voll.“

Dafür gebe es aber reichlich Anlaufpunkte. Und Meißner hebt die konstruktive und rücksichtsvolle Zusammenarbeit in der Geraer Gastro-Szene und eine sehr positive Grundstimmung hervor. „Da hat man sich auch untereinander abgestimmt und, wie ich finde, ein tolles Programm mit regionalem Schwerpunkt und hoher Qualität auf die Beine gestellt.“ Der 44-Jährige von der hiesigen Veranstaltungsagentur AT-Events und Lucas Fischer (30) vom Online-Portal „about Gera“ zeichnen neben der Ursprungsinitiative vor allem für die Werbung für den Abend verantwortlich. Finanziell ermöglichen das viele Sponsoren, denen die beiden noch einmal ausdrücklich danken. „Organisatorisch hatten den größten Aufwand die Gastronomen“, betont Meißner.

Für Lucas Fischer, der auf seinem Portal sozusagen Stadtmarketing im Ehrenamt betreibt, ist die Veranstaltung auch ein Zeichen gegen negative Stimmung. Er ist auch selbst bei „Gera – Feiert frei“ unterwegs, begleitet die Kneipennacht für sein Portal und verspricht die ein oder andere Überraschung am Abend.

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