Wohnmobilstellplätze? Nicht im Schwarzatal

Bad Blankenburg  174 Tage vor der Zeughauseröffnung sind Touristen, die mit eigener Unterkunft anreisen, offiziell kaum willkommen

OTZ-Reporter Henry Trefz ist selbst Wohnmobilist und hat auch die inoffiziellen Möglichkeiten der Übernachtung im mobilen Heim im Schwarzatal unter die Lupe genommen.

OTZ-Reporter Henry Trefz ist selbst Wohnmobilist und hat auch die inoffiziellen Möglichkeiten der Übernachtung im mobilen Heim im Schwarzatal unter die Lupe genommen.

Foto: Henry Trefz

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Beginnen wir mit der guten Nachricht: Im Bad Blankenburg, dem eigenem Anspruche nach Tor zum Schwarzatal – gibt es am Ortsrand einen Campingplatz. Hier sind auch Wohnmobile gern gesehen, die aktuellen Betreiber sind seit 2006 am Ball und halten dieser Form des Tourismus die Stange.

Angesichts der in einem fatalen Wechselspiel von sinkender Nachfrage und zurückgehendem Angebot stark geschwundenen Übernachtungskapazität bleibt wenige Monate vor der herbeigesehnten Eröffnung des Zeughauses an der Schwarzburg die Frage, ob Touristen mit eigenem Heim für mehr Fremdenverkehr im Tal sorgen können. Wo können sie hin?

Iris Paul von der Touristinformation der Region Rennsteig-Schwarzatal gibt auf die anonyme Touristennachfrage am Telefon eine ernüchternde Auskunft: „Nein, außer dem Campingplatz gibt es keine weiteren Stellplätze."

Sie muss das sagen. Denn offizielle Stellplätze, etwa von Kommunen betrieben, mit offiziellen Entsorgungsstationen für Campingtoiletten, sowie Grauwasser von Dusche und Spüle, dazu Wasserentnahmestellen oder Stromversorgung gibt es im Umkreis der zentralen Attraktionen Bergbahn und Schloss Schwarzburg tatsächlich nicht.

Doch Wohnmoblisten geben als wichtigsten Grund für den Kauf ihrer Gefährte die Unabhängigkeit an. Zwar fühlt sich ein gewisser Teil in der Geborgenheit eines Campingplatzes wohl, doch viele brauchen zunächst nichts weiter als einen Parkplatz. Moderne Fahrzeuge haben Solarmodule auf dem Dach, und ausreichend große Flüssigkeitstanks für mehrere Tage völlige Unabhängigkeit.

Sie willkommen zu heißen, wäre vor allem deswegen mit wenig Aufwand zu schaffen, weil solche Urlauber oft auch Fahrräder mitführen, die sie toleranter für etwas größere Entfernungen zu Schloss oder Bergbahn machen.

Im Internet-Zeitalter verlassen sich die technisch hochgerüsteten Nomaden auch nicht mehr auf Aussagen von Mitarbeitern am Telefon, sondern nutzen Plattformen im Internet für die Recherche.

Campercontact etwa ist eine Seite auf dem Campingmutterland Holland, die stolz auf 24486 Wohnmobilstellplätze in 51 Ländern in ihrer Datenbank verweist, darunter außer Campingplätzen und einfachen Stellplätzen auch reine Entsorgungsstationen, die nur für diesen Zweck angefahren werden.

156 Stellplätze sind es in Thüringen, immerhin vier im Schwarzatal. Das Problem dieser und anderer Webseiten: Die Angebote werden außer von Anbietern auch von den Nutzern eingegeben, die enthusiastisch auch auf einen simplen Parkplatz hinweisen.

Dürfen Wohnmobile eigentlich einfach so dort über Nacht stehen? Die Antwort führt in eine Grauzone der Straßenverkehrsordnung: Zur Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft des Fahrers ist das Übernachten im Fahrzeug grundsätzlich zulässig. Sich außerhalb der Grenzen des Wohnmobils, etwas mit den Herausstellen von Gartentischen und -stühlen und der so beliebten Markise auszubreiten, fällt eigentlich nicht darunter.

Und natürlich auch nicht das Recht, einfach so seine flüssigen und festen Hinterlassenschaften in der freien Natur zu entsorgen, womit einige schwarze Schafe immer wieder die ganze Zunft in Verruf bringen.

Mit verheißungsvollen Digitalkoordinaten ausgerüstet, fährt der Wohnmobilist also los, doch sagt das Navi „Sie haben ihr Ziel erreicht", hilft im Zweifel immer noch der Augenschein oder ein schon dort stehendes Wohnmobil über die letzte Unsicherheit hinweg.

Wir haben den Test gemacht und eine Auswahl jener Punkte aufgesucht, die im Mai 2018 womöglich besonders unkompliziert für Touristen im Tal sorgen könnten. Hier unser Report:

Bad Blankenburg

Gleich nach dem Campingplatz, den manche auch der Kosten wegen meiden, kommt auf dem Weg ins Schwarzatal der Parkplatz am Chrysopras-Wehr. Offiziell steht er nur für Pkw offen. Ob damit gemeint ist, dass Lkw verboten sind, wozu sich vor allem kleine Wohnmobile nicht zählen, die man auch mit dem Pkw-Führerschein fahren darf, bleibt unklar. Platz gäbe es. Wenn gewollt, wäre eine konkrete Markierung eines Teilbereichs sinnvoll.

Schwarzburg

Bei der großen Not an Parkplätzen allgemein scheint schwer vorstellbar, dass einzelne Bereich in Schlossnähe für Wohnmobile abgetrennt werden. Eigentlich ist das kein Problem, denn Wohnmobilisten sind oft auch außerhalb ihres Gefährtes mobil. Im unteren Ort gibt es Schilder, die in den Internet-Datenbanken keine Entsprechung finden und auch am Abzweig der Landesstraße nicht ausgeschildert sind. Campercontact weist auf den Pakplatz am Schwimmbad hin. Sicher ein Geheimtipp, der nur wenige Mobile verträgt. Der wesentlich naheliegender Parkplatz an der Pocherbrücke ist zwar einsamer, aber auch viel weitläufiger. Aber auch hier fehlt jegliche Ausschilderung.

Sitzendorf

Parken ist in Sitzendorf ein heißes Eisen, viele der Flächen kosten Gebühr, einzeln ausgewiesen sind Stellplätze für Wohnmobile nicht. Vertane Chance?

Unterweißbach

Hier gibt es keine offiziellen Flächen. Weit hinten im Lichtetal liegt der Parkplatz unter der Staumauer. Ein Schild aufzustellen, wäre ein Leichtes. Wenn man eben wollte.

Obstfelderschmiede

Der Parkplatz an der Bergbahntalstation ist gebührenpflichtig. Campercontact weist Plätze an der Seite für Wohnmobile aus. Dessen Besitzer aber sind durchaus auch preissensibel und könnten Alternativen suchen.

Mellenbach-Glasbach

Das Umfeld des Bahnhofsgeländes wirkt einladend, denn dass die Landstraße abends ruhiger und der Bahnverkehr nach 20 Uhr zu Ende ist, recherchieren Wohnmobilisten gern untereinander. Vor allem aber sind sie auf möglichst gerade Parkpflächen angewiesen, nicht nur, weil keiner gern schräg schläft, sondern gasbetriebene Kühlschrände bei schiefem Gelände sehr intolerant werden können. Leider wiesen die Schilder auf dem Gelände dieses als Privatgrund aus. Ein Grund, weiter zu fahren.

Oberweißbach

Streng genommen nicht mehr im Tal gelegen, aber ein sehr wichtiger Fremdenverkehrsplatz, vor allem durch die Bergbahn. Leider muss man den Stellplatz geduldig mit der Lupe suchen. Das Autohaus Dietrich, der Senior ist selber Mobilist, bietet einen solchen an, aber man kommt besser auf Voranmeldung, denn nach Feierabend hängt die Kette vorm Grundstück und Firmenfahrzeuge blockieren womöglich die Fläche sowieso. Wer sich auskennt und steile, schmale, wellige Straßen nicht scheut, kann bis zum Parkplatz auf dem Kirchbergsattel fahren. Ein Schild fehlt auch hier. Kein Bedarf? Weniger einsam ist es auf dem kleinen Parkplatz am Bahnhof, doch auch den muss man erst finden.

Lichtenhain

An der Bergstation der Bergbahn zu übernachten, mag toleriert werden, wenn es wenige Mobile blieben, doch hier ist ganz klar das Gefälle zu hoch.

Deesbach

Der Campercontact-Tipp ist ein gutes Beispiel, wie Theorie und Praxis auch in Widerspruch geraten können. Wer sich bis zum Deesbacher Hof, wo man auf dem Gelände stehen können soll, die steilen Straßen herab wagt, kann es tun. Doch wehe, wenn er wenden muss und das Mobil ein größeres ist.

Barigau

Es gibt nur wenige Karten, die den Parkplatz am Turm als Stellplatz ausweisen. Wer dorthin fährt, hat eine gute Wahl getroffen, doch wären Markierungen hier sicher friedensstiftend.

Fazit:Möglichkeiten gibt es reichlich, Stellplätze müssen oft nicht gebaut werden sondern nur ausgeschildert. Denn die Wohnmobilfahrer sollten ein Gefühl dafür bekommen, dass sie willkommen sind. 174 Tage sind nicht zu lang für zwei Dutzend Markierungsschilder. Diskutieren Sie mit: E-Mail: rudolstadt@otz.de

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