Marcel Lepper wird Direktor des Goethe- und Schiller-Archivs

Weimar.  Der Spitzenforscher und -manager aus Berlin will in Deutschlands ältestem Literaturarchiv in Weimar eine Digital-Offensive starten.

Professor Marcel Lepper wird ab 1. Juli neuer Direktor des Goethe- und Schiller-Archivs Weimar.

Professor Marcel Lepper wird ab 1. Juli neuer Direktor des Goethe- und Schiller-Archivs Weimar.

Foto: Foto: Michael Lueder / KSW

Ein junger, exzellenter Spitzenforscher der ersten Garnitur übernimmt die Direktion des Goethe- und Schiller-Archivs (GSA) zu Weimar: Professor Marcel Lepper (42), zurzeit Leiter des Literaturarchivs der Berliner Akademie der Künste, tritt am 1. Juli die Nachfolge Bernhard Fischers an, der nach 13 hiesigen Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet wird.

Lepper, ein philologisch und archivarisch mit erdenklichsten Erfahrungen gesegneter Wissenschaftler, tritt keineswegs als reiner „Papiertiger“ auf den Weimarer Plan. Vielmehr will der gebürtige Westfale im ältesten Literaturarchiv Deutschlands – unter Wahrung der Traditionen – in die Digital-Offensive gehen. Seine Berufung nach Thüringen war am Dienstag im Stiftungsrat der Klassik-Stiftung offenbar nur Formsache. Die Sitzung vollzog sich per Videokonferenz, Lepper war vom Homeoffice in Berlin aus zugeschaltet.

Zugleich wirft die Personalie ein Schlaglicht auf die ehrgeizige Zukunftsgewandtheit der Präsidentin Ulrike Lorenz. „Mit ihm gewinnt die Klassik-Stiftung einen herausragenden Wissenschaftsmanager, einen international vernetzten Literaturexperten mit langjähriger Archiverfahrung sowie einen inspirierten, souveränen Kollegen“, sagte sie unserer Zeitung. Lorenz pries die 15-jährige Leitungserfahrung Leppers in Marbach und Berlin und verwies zudem auf sein Zukunftskonzept.

„Das Haus ist digital gut aufgestellt“, sagte Lepper am Dienstagabend im Kurzinterview. „Aber man wird noch einiges mehr tun können.“ Das bedeutet in seinen Augen nicht nur, dass noch Handschriften auf den Scanner warten, um ein zunehmendes Repertoire an Archivalien digital zugänglich zu machen. Sondern es gelte auch in Verbünden zu arbeiten, um neue geisteswissenschaftliche Fragestellungen – mithilfe des Digitalen – zu erörtern.

Grundsätzlich wolle er das GSA aktiver, kritischer und partizipativer ausrichten. Es solle ein Archiv sein, „das vermitteln kann, was es tut“: seinen literaturinteressierten Besuchern, Schülern und Studierenden und natürlich auch Forschern. Die regelmäßigen Autografen-Ausstellungen im GSA möchte Lepper gern fortsetzen – und künftig ebenfalls digital begleiten.

Imposante Karriere

Studium in Münster, Berlin und an der Sorbonne in Paris, Fellowships in Baltimore, Princeton, Madison, Canterbury und Cambridge: Eine solche akademische Karriere, die hier nur skizziert sei, schaffen andere nicht in längerer Frist. Längst bekleidet Lepper eine außerplanmäßige Germanistik-Professur in Stuttgart; Titel der aktuellen Lehrveranstaltung: „Digitale Literatur“ – natürlich per Skype von Berlin aus.

Die Liste seiner Publikationen und Projekte weist ihn ebenso als modernen Wissenschaftstheoretiker wie als einen Forscher aus, der mit Büchern, Schriften und Archivalien umzugehen weiß: Über Goethes „West-östlichen Divan“ hat er im Wallstein-Verlag ein Büchlein geschrieben, eines des Titels „Schiller, der Spieler“ herausgegeben.

Bücher über Goethe und Schiller

Die Bandbreite seiner philologischen Interessen reicht von der Steinzeit („Höhlen. Obsession der Vorgeschichte“) über die Frühneuzeit bis in die Gegenwart. Mit der DDR-Literatur kennt er sich offenbar ebenso aus, wie er sich über Kanonbildung in der neuesten Literatur Gedanken macht. Sein jüngstes, multipel vernetztes Forschungsprojekt hieß „Heinrich Mann Digital“.

Als Archivar trägt Marcel Lepper „Marbacher Gene“: Von 2005 bis 2018 leitete er am Deutschen Literatur-Archiv (DLA) eine Arbeitsstelle, von 2008 bis 2018 – vor dem Wechsel nach Berlin – das dortige Forschungsreferat. Für Weimar und das GSA mit seinen kostbaren Beständen scheint der Mann aus Dortmund eine Ideal-Besetzung zu sein.

Bei dieser Biografie liegt die Frage auf der Hand, wie lange er in Weimar wohl bleibt. Er sagt: „Man muss sich immer vornehmen, lange zu bleiben, sonst kann man nicht gut arbeiten.“ – Nicht nur Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff wünscht ihm „viel Erfolg und eine glückliche Hand“.

www.klassik-stiftung.de; www.marcel-lepper.net