Henry Trefz sinniert über den tieferen Sinn einer wohlfeilen ÖPNV-Werbeaktion

Ich habe mich in Vorurteilen verfangen und es nicht gemerkt. Und das kam so: Für den Mittwoch hatten Kirchen und Verkehrsverbände zum 13. Mal zum Auftakt für die Aktion Autofasten eingeladen und damit das Thema eine ganze Woche vor dem Aschermittwoch auf die Tagesordnung gesetzt. Nur für den Fall, dass jemand noch unschlüssig ist, ob überhaupt - und wenn ja, wobei - er bis zum Ostersamstag Ende März fasten möchte.

Meine Schubladen im Kopf ratterten: Ausgerechnet Susanna Karawanskij, die Infrastrukturministerium, die der Schwarzatalbahn gerade zum neuen Verkehrsvertrag gratulierte, fährt per Bus von Rottenbach, wo man sich traf, nach Mellenbach, wo man Bäume pflanzen wollte. Einer dieser unnötigen Parallelverkehre also? Und dann wird in einem Kahlschlag gepflanzt, wo der Eigentümer, die Kirche ohnehin zur Wiederaufforstung verpflichtet ist? Ein edles Etikett? Und überhaupt: Autofasten im Schwarzatal? War nicht erst in drei aufwendigen Ministeriumsrunden analysiert worden, wo überall die Säge klemmt bei der Mobilitätswende in der Gegend?

Henry Trefz ist Reporter in der Lokalredaktion Saalfeld-Rudolstadt, schreibt Gerichtsreportagen und berichtet speziell aus den Regionen Schwarzatal und Königsee.
Henry Trefz ist Reporter in der Lokalredaktion Saalfeld-Rudolstadt, schreibt Gerichtsreportagen und berichtet speziell aus den Regionen Schwarzatal und Königsee. © HT | Henry Trefz

Doch meine zurechtgelegten Trümpfe liefen einer nach dem anderen ins Leere. Gerade am Bahnhof Rottenbach wolle man zum Auftakt die Verkehrsverknüpfung von Bus und Bahn auch optisch demonstrieren. Und auch die Kirche hat kein Problem damit einzugestehen, dass die schiere Aufgabe der Wiederaufforstung nicht am Eigentümer-Etikett scheitern sollte.

Der Kreuz-Bube kam zum Schluss: Ja, gerade im Schwarzatal, wo der Verzicht aufs Auto am unzumutbarsten erscheint, ist das Opfer auch am bedeutsamsten. Ein Pendler - etwa zwischen Saalfeld und Jena - kann leicht predigen, dass er kein Auto braucht. das echte Opfer findet in der Provinz statt. Und eine Einladung sprachen die Initiatoren auch aus: Man solle den ÖPNV, der meist besser sei als sein Ruf, einmal wirklich intensiv testen.

Heraus käme eine Win-Win-Lage: Ist er besser als gedacht, muss Ostern nicht Schluss sein. Und war er schlimmer, dann war es auch ein wirklich echter Verzicht.