Beschämendes Solo

Axel Eger über das Tor des Jenaer Fußballspielers Sören Eismann.

Der Marktwert des drittklassigen Spielers Sören Eismann ist mit 125.000 Euro angegeben. Sein Kurs dürfte am Wochenende gefallen sein. Weil er ein Tor erzielte, wie man es billiger nicht machen kann. Abgebrühter und unfairer auch nicht. Wie wenig Selbstachtung muss jemand besitzen, wenn er sich zu solch einer Aktion hinreißen lässt?

Ein Jenaer liegt am Boden, ein Meppener stoppt den Ball, zeigt mit dem Arm auf den verletzten Gegenspieler, um dem Schiedsrichter die Lage zu signalisieren.

Vermutlich haben das alle im Stadion so gesehen. Nur Eismann nicht – weil er es nicht sehen will. Der sich den Ball schnappt und zu seinem beschämenden Solo ansetzt. Das im Übrigen weder professionell (er checkt die Lage nicht), noch clever ist (der verletzte Mitspieler ist ihm weniger wert als die eigene Show).

Natürlich handelt der Meppener zuvor blauäugig. Und natürlich bleibt die Aktion regelkonform – das Spiel läuft, bis der Schiedsrichter es unterbricht. Doch Adressat der Vorwürfe sind nicht der Unparteiische und nicht die Meppener. Es ist einzig und allein: Sören Eismann.

Weil er nicht nur sich, sondern auch seine Kollegen in peinliche Erklärungsnöte bringt. Weil er dem oft genug mit Füßen getretenen Fairplay im Sport ein weiteres unschönes Kapitel hinzufügt. Weil er das längst salonfähige Prinzip des charakterlosen Tricksens – natürlich immer mit Berufung auf eigene Ahnungslosigkeit – hässlich neu interpretiert.

Es ist zu wünschen, dass sein Verein ihm zeigt, was clever ist. Und Eismann, trotz dessen spät getwitterter Entschuldigung, für ein Spiel sperrt. Wegen rufschädigenden Verhaltens.