Leitartikel

Das Leben bricht sich Bahn

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Wolfgang Hirsch über Corona-Lockerungen.

Wolfgang Hirsch.

Wolfgang Hirsch.

Foto: Peter Michaelis

Binnen acht Tagen hat sich die Stimmung im Lande so drastisch wie das Wetter verändert: Vom Eise befreit sind Seele und Geist, und niemand will noch in der behördlich verordneten Corona-Klausur ausharren. Sonnenlicht stimuliert die Hormone, die Menschen sehnen sich nach dem Miteinander, bei Kultur und beim Sport. Und immer mehr Betriebe in den vom Lockdown betroffenen Branchen sind in ihrer Existenz akut bedroht. Das gefährdet unsere Wirtschaft und unser aller Wohlstand.

Damit steigt der Druck auf die Regierungspolitiker ins Unermessliche, sich auf Öffnungsstrategien einzulassen. Andererseits stagnieren Fallzahlen und Inzidenzwerte, sie nehmen zum Teil sogar wieder zu. Wir wissen nicht, ob das allein an den aggressiveren Virus-Mutanten liegt. Womöglich verleitet auch der gewaltig wachsende Corona-Trotz zu fahrlässigem, ja zu übermütigem Verhalten. Jetzt heißt es – erst recht bei verlockender Witterung – kühlen Kopf zu behalten. Sonst waren alle Disziplin und Selbstkasteiung der vergangenen Monate umsonst.

Wir wissen doch längst, dass es aus diesem Dilemma keine dogmatischen Auswege gibt. Vielleicht sollten wir uns mehr Mut zutrauen, um zu experimentieren: mit kleinen Lockerungsschritten im lokalen Bereich. Solche Freiheitsgrade müssen wir uns gemeinsam verdienen und ihre Folgen mit hoher Frequenz durch Corona-Tests überprüfen, um rasch und konsequent zu reagieren – im Zweifelsfall sogar mit Ausgangssperren wie in Flensburg. Bis eine hinreichende Impfquote erreicht ist, kann es nicht mehr lange dauern. Halten wir aus – mit Augenmaß!

Zugleich muss uns bewusst sein, dass die Verantwortung für ein Covid-freies Leben sich keinesfalls an Politiker, gar an Behörden delegieren lässt. Das eigene Lebensrisiko trägt jeder selbst – bis zum Schluss.

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