Kommentar: Der freundliche Herr Froome

Axel Eger über den gedopten Tour-de-France-Sieger.

Vielleicht war es nur eine Frage der Zeit. Ruhig schien es auf den Straßen des Radsports geworden zu sein. Trügerisch ruhig. Dass der Dopingknall mit Christopher Froome nun den Protagonisten schlechthin vom Sockel stürzen lässt, ist ein mächtiger Tiefschlag für einen Sport, der sich gerade von den Schatten der Vergangenheit zu erholen versucht.

Wirklich überraschend kommt er nicht. Die brutale Dominanz des Sky-Teams, das offenbar wissentlich Grenzüberschreitungen in Kauf nimmt, hatte seit jeher Argwohn hervorgerufen. Ähnlichkeiten mit der üblen Armstrong-Ära schienen längst nicht mehr zufällig, sondern unausweichlich.

Für Froome, den vierfachen Toursieger und Vuelta-Gewinner dieses Jahres, der immer wieder Anfeindungen zu ertragen hatte und sich zugleich stets freundlich und zuvorkommend gab, stehen Ansehen und Karriere auf dem Spiel. Für den Radsport geht es um mehr. Die mühsame Aufbauarbeit vieler Jahre droht mit einem Schlag zur globalen Makulatur zu werden.

Das Beben, das der positive Test Froomes im Fahrerlager auslöste, überrascht deshalb nicht. Tony Martin hat recht, wenn er von zweierlei Maß spricht. Warum wurde der Brite nach seiner positiven Probe im September nicht sofort gesperrt? Warum durfte er sogar wenige Tage später noch bei der WM starten und sich zwei Bronzemedaillen abholen?

Nein, der Fall Froome ist kein Staatsdoping russischer Dimension. Aber vor dem Hintergrund der Russland-Sperre für die Winterspiele in Pyeongchang ist er eine deutliche Empfehlung, die Augen weltweit offen zu halten. Auch anderswo wird gedopt. Fleißig und handfest.