Kommentar: Der Sog des Misserfolges

Axel Eger über Erfurts Volleyballerinnen am Scheideweg.

Man muss den Suhlern dankbar sein, dass sie ihre Fans gleich als dreifache Hundertschaft mitgebracht haben. Die Südthüringer Abordnung hat die Riethsporthalle fast allein zu dem gemacht, was sie an jedem Volleyballabend sein könnte – ein Tempel der Stimmung und der Erstklassigkeit. Die ausverkaufte Arena zeigte, dass in Thüringen Platz ist für zwei Frauenmannschaften auf Bundesliganiveau und Erfurt als Heimat dieses Sports funktionieren kann.

Natürlich: Nicht immer ist Derbyzeit, nicht immer sind Ministerpräsident und Prinzenpaar zu Besuch, nicht immer ist die Halle voll. Wie überhaupt jegliche inszenierte Begleitmusik im Nirgendwo verhallt, wenn sie keine tragenden Töne enthält. Dafür aber ist das Orchester, sprich: die Mannschaft, zuständig. Doch seit nunmehr zehn Spielen, seit jenem verheißungsvollen Hinspielsieg in Suhl, haben sich die kopflosen Schwarz-Weißen in einen Strudel manövriert, der sie in gefährliche Tiefen hinabzieht.

Inzwischen gerät jede Partie zur selbsterfüllenden Prophezeiung des Misserfolges. Selbst kommode Polster wie in den Sätzen drei und vier gegen Suhl geben die Erfurterinnen, denen das Vermögen abhanden gekommen ist, Spiele durchzuziehen, nahezu wehrlos wieder her. Das Glück einfach einwechseln wie andere können sie auch nicht. Für einen komplexen Kader fehlt dem Verein (noch) die wirtschaftliche Substanz, die in einer Stadt der sportlichen Vielfalt und ballspielenden Konkurrenz nicht auf dem Präsentierteller zu haben ist.

Es hilft alles nichts: Für Spielfreude allein gibt es keine Punkte. Für schöne Sätze, sogar im doppelten Wortsinne, auch nicht. Sie reichen weder für die kurzfristige Erlösung noch für die langfristige, den Klassenerhalt oder gar mehr. Es gibt nur eine Währung, die der Markt der Begehrlichkeiten akzeptiert: den Erfolg. Die Erfurterinnen müssen wieder bereit und fähig sein, mit dieser Münze zu zahlen. Sonst erhält dieses stimmungsvolle Erstliga-Derby noch eine historische Note – des vorerst letzten auf absehbare Zeit.

Die lähmende Angst vorm Siegen: Volleyballerinnen von Schwarz-Weiß Erfurt verlieren gegen VfB Suhl