Kommentar: Hotspots und weiße Flecken

Axel Eger über die neue deutsche Handball-Geografie.

Was haben Hannover, Melsungen, Wetzlar und Leipzig gemeinsam? Alle vier sorgen gerade für eine neue herzerfrischende Handballwelt. Als Quartett tummeln sie sich, mit Spitzenreiter Hannover als Anführer, im oberen Drittel der ersten Bundesliga.

Und was verbindet sie mit Eisenach? Als die Thüringer schon in Liga eins spielten, standen sie noch ganz am Anfang ihres Weges oder wurden, wie Leipzig, gerade neu gegründet.

Mit der SG Wallau-Massenheim, dem renommierten Altmeister und Europacupsieger, lieferte sich Eisenach damals manch spannendes Duell. Jetzt kam die Meldung, dass der Verein, längst abgestürzt in die Bezirksliga A, seine erste Mannschaft mangels Personal endgültig zurückzieht und nur noch in Form einer Jugendmannschaft überregional präsent ist.

Die aktuellen Momentaufnahmen der neuen deutschen Handball-Geografie zeigen, welch drastische Richtungen in 25 Jahren möglich sind. Aus Hotspots werden weiße Flecken – und umgekehrt. Eisenach ruht dazwischen als beständige Größe. Mehr als ein Vierteljahrhundert immer erste und zweite Liga. Das ist respektabel. Gemessen am Wallauer Schicksal, das sich mühelos um das der einstigen Top-Teams aus Niederwürzbach oder Milbertshofen ergänzen lässt, ist es sogar viel.

Und doch sollten sie an der Wartburg auch Hannover und Melsungen und Wetzlar und Leipzig im Blick haben. Weil die einstigen Frischlinge mit Strategie und Professionalität und ohne Selbstzufriedenheit zu Etablierten geworden sind. Weil sie Eisenach weit überholt haben. Weil sie im positiven Sinne zeigen, was im Handball möglich ist.