Kommentar: Leichtathleten auf Rekordjagd

Axel Lukacsek über die vielen Rekorde in den zurückliegenden Tagen und Monaten.

Axel Lukacsek

Axel Lukacsek

Foto: Peter Michaelis

Laufen gilt für viele Menschen ja als Lebenselixier. Im Wald unterwegs, scheint die Freiheit abseits des Alltags grenzenlos. Den weltbesten Leichtathleten ging es in diesem Jahr ähnlich – trotz aller Corona-Restriktionen. Oder gerade deswegen? Selten sind so viele Welt- und Europarekorde in neue Dimensionen verschoben worden wie in den zurückliegenden Tagen und Monaten.

Ja, es stimmt. In Corona-Zeiten wurden die ohnehin weltweit nicht gerade engmaschigen Doping-Kontrollen ausgedünnt oder gar vorübergehend eingestellt. Es wäre blauäugig zu glauben, dass niemand dies zu nutzen gewusst hat.

Aber es gibt noch genügend andere Gründe, die plausibel erscheinen. Als zum Beispiel der Norweger Karsten Warholm über die 400 Meter Hürden einen neuen Europarekord aufstellte, ging er ausgeruht ins Rennen. Nach dem Motto: Weniger ist mehr. Hatte er in den vergangenen Jahren nämlich jeweils 20 Wettbewerbe absolviert, sind es in der Corona-Saison nur neun gewesen.

Viele Athleten waren wie Warholm zu alternativem Training gezwungen, was neue Reize gesetzt hat – und eben neue Bestmarken. Leichtathletik-Floh Joshua Cheptegei – 1,67 Meter klein und 52 Kilogramm leicht – trug wiederum bei seinen drei Weltrekorden im 5-km-Straßenlauf sowie über die 5000 und 10.000 Meter einen neuen, speziellen Laufschuh mit Spezialschaumstoff und Carbonplatte, der wie ein Katapult wirken soll.

Eine einzig erhellende Begründung für die Rekordflut im Corona-Jahr 2020 gibt es wohl nicht. Aber einfache Erklärungen hat das Leben ja ohnehin nie zu bieten.