Kommentar: Löw zum Glück nicht „Sorg-los“

Holger Zaumsegel über den Co-Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

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Hand aufs Herz: Wer von Ihnen kannte Marcus Sorg vor den beiden Fußball-Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft gegen Weißrussland und Estland? Den Namen hatte man vielleicht schon einmal gehört. Aber den Werdegang des Co-Trainers von Joachim Löw dürften wohl nur die eingefleischten Experten der liebsten Sportart der Deutschen im Kopf gehabt haben. Kein Wunder, schließlich war der 53-Jährige als Aktiver und später auch als Trainer eher in zweiter und dritter Liga sowie als Coach im Nachwuchsbereich tätig. Einzig bei einem halbjährigen Intermezzo beim SC Freiburg schnupperte Sorg als Trainer Bundesliga-Luft.

Und dennoch hat er sich nach nur zwei Spielen den Titel des effektivsten Bundestrainers aller Zeiten verdient. Zwei Partien – zwei Siege, 10:0 Tore: Diese Bilanz macht dem gebürtigen Ulmer so schnell keiner nach. Freilich war der bescheidene Sorg nach dem Schützenfest gegen Estland sofort bemüht, sein Licht unterm Scheffel zu lassen. Er weiß, dass er Joachim Löw verpflichtet ist und vergaß nicht, dessen Verdienst am Erfolg selbst vom Krankenbett aus gebührend hervorzuheben. Wäre Sorg nicht loyal zum Bundes-Jogi, wäre er auch niemals dessen Co-Trainer geworden.

Diese Loyalität ist auch gut und wichtig. Schließlich muss das Trainer-Team Löw/Sorg dem liebsten Kind der Deutschen, der Nationalelf, nach der verpatzten Weltmeisterschaft wieder auf die Beine helfen.

Die Verjüngungskur scheint sich auszuzahlen. Länderspiele nach Saisonende endeten in der Vergangenheit oft in lustlosem Gekicke. Die junge Garde will sich aber noch beweisen und gibt auch gegen Weißrussland oder Estland Vollgas. Da ist selbst ein nach einem Sportunfall ans Bett gefesselter Bundestrainer zu verschmerzen, weil er nicht „Sorg-los“ ist.

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