Kommentar: Pflicht und Kür

Axel Eger über eine neue olympische Vision in Deutschland.

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Die Zahl überrascht tatsächlich: Deutschland, der Organisations-Weltmeister, war nur zweimal olympischer Gastgeber: 1936 in Berlin und 1972 in München. Seitdem bleibt eine Chronologie des Scheiterns – von Berchtesgaden (1992) über Berlin (2000), Leipzig (2012) bis München (2018).

Es mag deshalb verwegen erscheinen, dass seit der jüngsten Präsidiumssitzung des DOSB in Erfurt wieder zwei Bewerbungen Gestalt annehmen: eine aus Berlin, eine aus dem Ruhrgebiet.

Vor allem das vom Kölner Sportmanager Michael Mronz vorgestellte Konzept von Spielen an Rhein und Ruhr könnte mit seiner Nachhaltigkeit überzeugen. Es umfasst nicht weniger als 14 Städte, in denen nahezu alle Sportanlagen bereits vorhanden sind. Sogar funktionierende Flughäfen gibt es.

Olympia ist noch immer eine großartige Idee, nicht nur regional, vor allem national. Der Gedanke der Bewerbung darf aber nicht am Anfang stehen. Erst muss das Land andere Fragen beantworten – die nach ei­nem funktionierenden Sportunterricht etwa oder dem gestärkten Ehrenamt in den Vereinen. Nur eine Gesellschaft, die ein sportfreundliches Leben als Pflicht sieht, kann Olympia als krönende Kür begreifen.

Durch die Doppelvergabe 2024/2028 an Paris und Los Angeles bleibt ein kostbarer Faktor: Zeit. Beeindruckt werden muss bis zur nächsten Vergabe nicht das IOC. Das ist dankbar für jeden Gastgeber . Überzeugt werden müssen die Menschen. Die ungleich schwerere Mission.

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