Kommentar: Symptome des Mangels

Axel Eger zur Lage beim Handball-Zweitligisten Eisenach.

Eisenachs Vorstand stärkt Trainer Jauernik und die Mannschaft. Die Ansage klingt unspektakulär – und überraschend zugleich. Ein einstimmig orchestriertes handballerisches Bekenntnis, das einerseits Respekt verdient. Das andererseits aber angesichts der erbarmungslosen Dramatik der sportlichen Situation wenig Handlung und wenig stimulierenden Reiz enthält. Business as usual in der vielleicht größten sportlichen Krise des Vereins? Im bisherigen Saisonverlauf hat alles Beharren und Beschwören jedenfalls nicht gefruchtet.

Doch was soll Präsident Schäfer anderes tun? Die jetzige Situation ist ja nicht allein dem Trainer anzulasten. Vielmehr spiegeln sich im Tabellenkellerplatz des ThSV Eisenach viele Symptome des Mangels: der schleichende Niedergang des Nachwuchsinternats, die mäßige Saisonvorbereitung gegen keineswegs übermäßige Gegnerschaft, die finanziell begrenzte Kassenlage, der Weggang Urbans. Deshalb müssen sich in diesen Wochen auch alle hinterfragen: Vorstand, sportliche Leitung, Management, Spieler. Nicht zuletzt die Gesellschafter, deren Verantwortung für den Verein kein internes Vakuum erzeugen sollte. Ruhe bewahren ist das eine, nicht entscheidungsfähig zu sein das andere.

In diesem Herbst des Missvergnügens haben sich die vielen Schicksalsfäden des Eisenacher Handballs längst so eng verwebt, dass der gemeinsame Treueschwur als einzige Alternative bleibt. Ob sich daraus der notwendige starke Handlungsstrang stricken lässt, bleibt freilich offen.

Eisenach beschwört Einigkeit