Kommentar: Vettels Vizefreuden

Axel Eger über das Finale der Formel-1-Weltmeisterschaft.

Die Weltmeisterschaft in der Formel 1 ist entschieden, vorbei ist sie nicht. Auch nicht für den geschlagenen Sebastian Vettel, für den das Jahr 2017 eines der enttäuschendsten, fehler- und zugleich lehrreichsten seiner Karriere gewesen sein dürfte. Trotzdem geht es für ihn noch um etwas. Vor dem letzten Rennen liegt er 22 Punkte vor Valtteri Bottas, den Vizerang will und wird sich der Deutsche auf jeden Fall sichern.

Es wäre, wenn schon keine Genugtuung, so doch zumindest eine kleine Versöhnung mit seinem Ego nach dem erneut an Hamilton verlorenen Titel. Vettels Jubel nach dem Sieg von Sao Paulo hat das gezeigt. Fahren ist für einen ehrgeizigen Piloten wie ihn die beste Frustbewältigung. Und so begann für ihn in Brasilien schon die neue Saison.

Hamilton und Vettel, die beiden dominierenden Fahrer des vergangenen Jahrzehnts, treten 2018 rein statistisch auf Augenhöhe an – als jeweils vierfache Weltmeister. Dass Vettels letzter Triumph dann schon fünf, der letzte von Ferrari gar elf Jahre zurückliegt, dürfte ihn eher noch beflügeln. Bis zuletzt hatte er in den vergangenen Wochen unbeirrt seine Chance gesucht. Selbst dann noch, als diese nur theoretisch war und alle anderen längst abgewunken hatten.

Doch macht gerade das den Ausnahmeathleten aus. Er glaubt noch an sich, wenn alle den Glauben verloren haben. Und nimmt selbst in der Stunde der Niederlage schon wieder den Erfolg ins Visier.