Leitartikel: Die Sorgen der Zufriedenen

Martin Debes über die Zufriedenheit der Thüringer.

Martin Debes. Foto: Marco Kneise

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Die große Mehrheit der Menschen in Thüringen ist mit ihrem Leben zufrieden. Diese Erkenntnis der aktuellen Umfrage ist nicht neu. Aber angesichts dessen, was wieder einmal über dieses kleine Land und den Osten der Republik berichtet wird, muss sie aufgefrischt werden.

Die alte These vom dauerverbitterten Ossi, der aus sturdummer Undankbarkeit das Falsche wählt, ist wieder hip. Und sie ist, wie viele andere Thesen auch, nicht gänzlich falsch. Die Leute, denen man es nie recht machen kann, sind hierzulande tatsächlich etwas häufiger zu finden als anderswo.

Doch man sollte sich schon der Mühe unterziehen, zu differenzieren und nach Gründen zu suchen. Es gibt einen Unterschied zwischen verstehen wollen und um Verständnis buhlen.

So lässt sich aus der Umfrage ablesen, dass die Unzufriedenheit weniger in den großen Städten und kleinen Dörfern zu finden ist - und umso mehr in den mittelgroßen Orten. Eine Ursache dafür könnte sein: Es sind gerade die Klein- und Mittelstädte, die an Einwohnern, an Läden, an Bedeutung verlieren.

Das Leben dort muss nicht einmal objektiv schlechter werden: Es reicht, dass die Entwicklung subjektiv so empfunden wird. Unzählige Studien belegen, dass allein das Gefühl der individuellen Benachteiligung zu Unzufriedenheit führt.

Hinzu kommt das, was die Soziologen Entsicherung nennen. So haben im jüngsten Thüringen-Monitor fast 40 Prozent der Befragten Sorgen, „durch die gesellschaftliche Entwicklung immer mehr auf die Verliererseite des Lebens zu geraten“.

Es ist - neben strukturellem Rassismus, autokratischen Gelüsten und ja, auch Verbitterung - vor allem diese Angst, welche die AfD wachsen lässt. Sie mag in großen Teilen irrational und unbegründet sein: Aber wer sie nicht ernst nimmt, wird auch die nächsten Wahlen verlieren.

Umfrage: In den Thüringer Dörfern ist die Zufriedenheit am höchsten

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